Warm Graves

Ships Will Come

  • Artist: Warm Graves
  • Album: Ships Will Come
  • Label: This Charming Man
  • Release: 2014-10-17
  • Medium:
  • Bewertung:3

Endlich mal ein Album, das nicht den Menschen beim Wundenlecken beobachtet, sondern den Makrokosmos ins Visier nimmt. Und vor allem endlich einmal Musiker, denen das Thema Sci-Fi-Dystopie nicht zu blöd ist. Warm Graves, ein amerikanisch-italienisch-deutsches, sprich internationales Musikertrio eingeflogen aus Boomtown Leipzig, probieren mit ihrem ersten Album schallende Zukunftshymnen instrumental undeutlichen Ursprungs, unterkellert von ortsabwesenden Chören und angetrieben von stoisch-hypnotischen Schlagzeugrhythmen.

‚Ships Will Come‘ jedoch wiegt seine Hörer in schwebender Unsicherheit nicht nur darüber, welche Schiffe wann wohin kommen, sondern auch über die genaue Marschrichtung seiner Stücke, die über weite Strecken Ausbrüche versprechen, diese dem Hörer aber mit jedem Stück aufs Neue schuldig bleiben.

Was die Chöre singen, ist kaum zu verstehen; die Aufnahme klingt verhallt und wie vom Instrumentalgeschehen abgekoppelt. Es handelt sich um einen Jedermannschor, der gerade durch seine harmonisch unsaubere Natürlichkeit eine besondere Dramatik in sich birgt.

Was nicht heißen soll, dass vom instrumentalen Rest nicht ohnehin schon leicht abzulenken wäre. Mächtiger Orgelpomp, strahlende Texturen schön und gut, allerdings hätten Warm Graves gut daran getan, den nächsten Schritt auch gleich zu machen. An Zeit mangelt es ihnen, legt man die Track-Längen zugrunde, offenbar nicht, dafür aber womöglich an Entschlossenheit. ‚Ships Will Come‘ nämlich bringt wahrlich großartige Ideen ein, ohne sie aber auszuformulieren. Statt zu dynamisieren, changiert es schüchtern und in engen Bahnen daher, so als seien der Band die Mutreserven mit Fassen des Grundentschlusses zum Album schon ausgegangen. Oder der Leadgitarrist krank geworden. Offene Wünsche allenthalben.

Was bleibt ist viel Meer, aber wenig Wind. Was bleibt ist ein vollgemalter, aber notizsteriler Notizzettel, so wie man ihn oft geistesabwesend während des Telefonierens anfertigt. Was fehlt, ist die Gestalt. Was retten könnte, wäre ein Makeover. Oder ein Film zur Musik, in dem sie uns abholen kommen. Warm Graves, und die Schiffe auch. Dann gäb’s dabei wenigstens was zu tun. Over.

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