MindMaze

Resolve

In den Zeiten, in denen mal als Rezensent öfter mal seine Probleme hat, Bands einem Genre zuzuordnen, kommt eine Band wie MindMaze zur Abwechslung einmal sehr gelegen. Denn die Amerikaner sind ganz klar eine Prog-Metal-Band der alten Schule. Die Dream Theater-Klassiker „When Dream And Day Unite“ und „Images And Words“ haben hörbar für „Resolve“ Pate gestanden, ebenso Fates Warnings „No Exit“- bis „Parallels“-Phase – speziell deren Spiel mit Akustikgitarren und zweistimmigen Harmonien. Dazu kommen noch eher Power-Metal-lastige Klänge mit Anleihen an Kamelot und die Zak Stevens-Ära von Savatage – und gelegentlich sogar ein paar Ausflüge in Blind Guardian-mäßigen Fantasy-Pomp. Moderne Elemente bleiben volkommen außen vor, der MindMaze-Sound kommt ohne ein einziges Tool– oder gar Porcupine Tree-Riff aus. Und, was soll ich sagen, das ist auch mal wieder schön.

Wobei MindMaze aber auch der Genrekonkurrenz (der Früheren wie der Heutigen) einen großen Vorteil haben. Denn statt eines gelockten Frontmannes in Rüschenhemd und Lederbux haben MindMaze in Sarah Teets eine Frontfrau mit angenehm Metal-untypischer Stimme, die mit ihrem seelenvollen, country- und blueslastigen Timbre auch jeder Southern-Rock-Band eine Zierde wäre. Nun, Lederbux und Rüschenhemd stehen aber auch der rotmähnigen Sarah gut, also alles im grünen Bereich. Wie man ja aber weiß, sind im Prog-Metal ja gute Musiker noch lange nicht die ganze Miete, solange das Songwriting nicht stimmt. Und da können MindMaze erfreulicherweise am Stärksten punkten. Auch wenn aufgrund der Komplexität des Materials freilich einige Durchläufe gebraucht werden, bis sich alles erschließt, wirkt hier nichts aufgesetzt oder mit der Brechstange auf Prog getrimmt. Ganz im Gegenteil, das Material fließt angenehm durch die von introspektiv bis pompös rangierenden Stimmungen, ohne Bruchstellen erkennen zu lassen. Ja, das größte Plus von „Resolve“ ist die Tatsache, daß hier nichts verkopft oder unterkühlt klingt, sondern immer noch ordentlich rockt und den Unterleib anspricht. Positiv erwähnen muss man auch die Gitarrenarbeit von Jeff Teets. Die Riffs sind knackig und kraftvoll, die Soli sind angenehm kurz und auf den Punkt gebracht. Ja, die meisten davon sind tatsächlich sogar völlig genreuntypisch mit Gefühl gespielt und erinnern erfreulicherweise eher an John Sykes als an John Petrucci. Da es sich bei „Resolve“ um ein Konzeptalbum handelt, ist es natürlich relativ schwer, Anspieltipps zu geben, aber die erste Single ‚Sign Of Life‘ und das Kamelot-mäßige, mit einem tollen Refrain ausgestattete ‚True Reflection‘ geben einen recht guten Einblick in das, was den Hörer auf „Resolve“ erwartet. Mein persönliche Favorit ist aber die schöne Ballade ‚Release‘, die auch auf dem W.A.S.P.-Kracher „The Crimson Idol“ gut ins Bild gepasst hätte. Selbst der abschließende Zwölfminüter wirkt nicht unnötig in die Länge gezogen, sondern bleibt durchweg spannend und schlüssig.

MindMaze haben mit „Resolve“ ein wirklich gutes Album vorgelegt, das für Freunde traditionellen Progmetals ein absoluter Geheimtipp ist. Die fürs Genre unkonventionellen Vocals und die erfreulich rockige Attitude dürften aber auch „normalen“ Metal- und Hardrock-Freunden Spaß bereiten. Ein Antesten sei hiermit definitiv empfohlen!

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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