Tyketto

Reach

  • Artist: Tyketto
  • Album: Reach
  • Label: Frontiers Music
  • Release: 2016-10-14
  • Medium:
  • Bewertung:2

Tyketto haben trotz Grunge und Gangsta Rap mit ihren ersten beiden Alben in den frühen 1990ern zwei späte Hard-/Melodic Rock-Klassiker veröffentlicht, die auch heute noch von Genre-Fans in einem Atemzug mit Scheiben wie Journeys „Escape“ oder Survivors „Vital Signs“ genannt werden. Nach einigen Wirrungen und einem mitteltollen 2012er Comebackalbum sind zwar vom Original-Lineup nur mehr Ausnahmesänger Danny Vaughn und Drummer Michael Clayton übrig, aber die Neuzugänge (unter anderem Thunder-Bassist Chris Childs) haben sich bereits auf der diesjährigen Tour als absolut wertige Ersatzleute herausgestellt.

Der Opener und Titelsong läßt dann die Hoffnung tatsächlich ins Unermeßliche steigen: eine hochmelodische, waschechte Hymne mit Achtziger-Flair, die Bandklassikern wie ‚Forever Young‘ und ‚Wings‘ in nichts nachsteht und sich sofort unwiederbringlich im Gehör festsetzt. Nun, soviel vorweg, dieses hohe Niveau hält „Reach“ leider nicht über die vollständige Albumlänge. Denn schon der zweite Song setzt mit seinem Aerosmith-mäßigen Riff die Marschrichtung ein wenig anders. Stilistisch orientieren sich Tyketto 2016 weitestgehend an ihrer eher siebzigermäßigen dritten Scheibe „Shine“, die Bombastkeule bleibt bis auf die haarscharf, aber perfekt diesseits der Kitschgrenze balancierenden Balladen ‚Circle The Wagons‘ und ‚Letting Go‘ sowie den keyboardlastigen letzten beiden Tracks ‚Scream‘ und ‚The Run‘ eingepackt. Die sind denn auch die klaren Höhepunkte der Scheibe, denn der klassische AOR-Stoff steht Tyketto einfach besser zu Gesicht als die tendenziell bodenständigeren Seventies-Rock’n’Roller, die den Rest der Scheibe ausmachen.

Das soll nun nicht heißen, daß besagte Songs nichts taugen. Im Gegenteil, gerade die leicht Southern Rock-lastigen ‚Fastest Man Alive‘ und ‚Sparks Will Fly‘ oder das Damn Yankees-artige ‚Kick Like A Mule‘ machen auch ordentlich Spaß, mit den oben genannten Highlights können sie indes nicht so ganz mithalten. AOR-Freunde dürfen sich die wirklich gut produzierte Scheibe aber ganz ohne irgendwelche Fragen direkt eintüten.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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