RAMMSTEIN löst mit Video zu neuem Song international Proteste aus

Seit Tagen ist Rammstein wegen der Ankündigung eines neuen Videos international in den Schlagzeilen. Im Vorab-Trailer des neuen Songs ‚Deutschland‘ waren die Bandmitglieder als Häftlinge am Galgen eines KZ zu sehen. Der Zentralrat der Juden und alle möglichen anderen Organisationen sahen sich bemüssigt, die Band einmal mehr wegen ihrem „Spiel“ mit „Nazi-Ästhetik“ zu kritisieren. Klar, die Provokation war und ist ein Teil des künstlerischen (und kommerziellen) Konzepts der Band. Sie mag in der Vergangenheit kalkuliert gewesen sein und 2019 noch immer sein. Die Band mag in ihrer Ästhetik oder Musik keine klaren Aussagen treffen, mit der Diffusität kokettieren. Doch wer hat jemals behauptet, dass Kunst nicht diffus sein darf, nicht verstörend, nicht emotional ansprechend, nicht aufwühlen und zum Nachdenken und Diskurs anregen? Eine treffende medienwissenschaftliche Analyse findet sich in einem Artikel in der ZEIT.

„Deutschland, mein Herz in Flammen, will dich lieben und verdammen // Deutschland, ich will dich nie verlassen, man kann dich lieben und will dich hassen.“

Der Band aber noch immer rechte Tendenzen zu unterstellen, ist absurd. Nicht nur hat sie sich immer wieder klar davon distanziert, sondern dem Thema mit ‚Links 2 3 4‘ sogar ein eigenes Lied gewidmet. Lindemann singt schliesslich im neuen Song:

„Deutschland, meine Liebe kann ich Dir nicht geben.“

Sind wir denn nicht auch ein in vielerlei Hinsicht zerrissenes Land?

Nun ist das Video erschienen und hat innerhalb von sieben Stunden fast 4 Millionen Aufrufe auf Youtube generiert. Da kann man nur sagen: Glückwunsch an die Marketing-Abteilung. Projekt gelungen! Das Video zu „Deutschland“ ist neun Minuten lang und enorm aufwändig inszeniert. Es zeigt die Band schlaglichtartig in allen möglichen Rollen als „Deutsche“. Als SED-Bonzen im Politbüro, als RAF-Terroristen, als Astronauten, als Preisboxer der 1920er Jahre, als Kreuzritter und ja – auch als KZ-Häftlinge am Galgen – die übrigens später im Film gegen ihre Henker zurückschlagen.

Der Film auf Hollywood-Niveau ist natürlich ästhetisch überstilisiert, schreckt auch vor Gewalt nicht zurück, aber wer hat bei Rammstein denn je mit etwas anderem gerechnet? Die Fans freuen sich über den ersten neuen Song seit Jahren, den die international erfolgreichste Deutsche Rockband nun veröffentlicht hat. Der sechs Minuten lange Song selbst geht als düstere Industrial-Ballade im Stil von ‚Du Hast‘ oder ‚Ohne Dich‘ völlig in Ordnung und wird von den Fans geliebt werden. Zumal auf dem kommenden Album sicherlich auch wieder härtere und schnellere Nummern zu finden sein werden.

DanielF

Harte Schale, weicher Kern. Chefredakteur und -metalhead in Personalunion und im "Nebenberuf" Sozialarbeiter, geht Daniels Geschmack von chilligem Americana (Cracker) bis zu kauzigem Indie-Rock (Eels), von klassischem Thrash (Metallica, Megadeth) bis modernem Death Metal (Deserted Fear), von opulent-schrägem Prog-Rock (Opeth, Gojira, Pervy Perkin) bis zu heftigstem Brutal Death Metal (Defeated Sanity, Wormed), von Bluesrock (Gary Moore, Anthony Gomes) bis Classic Rock (Alice Cooper, Queen) - um nur einen Teil zu nennen. Zudem hat er seit den frühen Neunziger Jahren ein leidenschafliches Faible für christliche Rockmusik in genau dieser stilistischen Bandbreite. 

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