A.C.T. – Mit Gute-Laune-Prog irgendwo zwischen Bach und Mayhem

Vor fünf Jahren war "Circus Pandemonium" von den schwedischen Rockern A.C.T. eines der persönlichen Alben des Jahres von unserem Redakteur Daniel. Nun sind die fünf gut gelaunten Jungs aus Malmö endlich wieder mit neuer Musik am Start, was Daniel zum Anlass genommen hat, Keyboarder Jerry Sahlin zum Interview zu bitten. Lernt die fünf Musiker etwas näher kennen, erfahrt, warum sie vorerst keine "normalen" Studioalben mehr machen werden und worauf sie sich bei der neuen EP "Rebirth" sowohl konzeptionell als auch musikalisch fokussiert haben.

WS: Hallo Jerry. Stellt euch unseren Lesern doch mal als Band vor. Was erscheint euch über euch selbst wichtig? Was für Charaktere seid ihr?

Jerry Sahlin:
Herman Saming ist unser Sänger und schreibt einen Teil unserer Texte. Er ist ein Science-Fiction und Fantasy-Nerd, mag Toto und ist das Organisationstalent in der Band.

Peter Asp spielt Bass und ist unser bandeigener Grafiker. Er designt unsere Alben und Merchandise. Er mag die dänischen Synth-Rocker Carpark North und liebt Bier.

Thomas Lejon ist unser Schlagzeuger. Er sammelt Marvel Comics (besonders von Spider-Man!), veranstaltet in seinem Garten gerne Grillfeste und liebt Rush und Kiss.

Ola Andersen spielt Gitarre und singt, ausserdem schreibt er den Grossteil unserer Texte. Zu jedem unserer Alben steuert er ein, zwei Lieder bei. Er liebt den Regisseur David Lynch und liest gerne und viel.

Ich selber heisse Jerry Sahlin und spiele Synthesizer und singe bei A.C.T. Ich schreibe die meisten unserer Lieder, sammle Marvel Comics, mag Star Wars und liebe ELO!

WS: Wie würdest du euren stilistischen Ansatz beschreiben? Was ist typisch für eure Musik, vielleicht sogar ein Alleinstellungsmerkmal? Was sind eure grössten musikalischen Vorbilder oder Einflüsse?

JS: Wir lieben Melodien. Für uns geht es im Zentrum darum, tolle Melodien zu haben. Wir selbst sehen unsere Lieder wie kleine Filme. Wir wollen, dass die Songs so interessant sind, dass die Leute selbst nach dem zwanzigsten Mal anhören noch neue, aufregende Dinge heraushören. Unser Einflüsse rangieren von Bach bis zu Mayhem. Wir mögen allen möglichen Kram und ziehen unsere Inspirationen nicht nur aus Musik, sondern auch aus Filmen und Büchern.

WS: Was hat es eigentlich mit eurem Bandnamen auf sich? Wofür steht die Abkürzung A.C.T.?

JS: Das ist ein wohlbehütetes Geheimnis von uns. Aber wir verstecken in Song und Artwork immer wieder kleine Hinweise auf den Bandnamen. Manche sind schon sehr nah drangekommen.

WS: Ihr habt ja gerade eine neue EP namens „Rebirth“ veröffentlicht. Warum eine EP und kein komplettes Album?

JS: Ola und ich haben dieses Konzept lange diskutiert. Wir wollen einfach öfter was veröffentlichen, also war die Idee, EPs anstatt komplette Alben zu machen. Für ein Album brauchen wir rund 5 Jahre. Diese Herangehensweise hat für uns viele Vorteile. Wir können WIRKLICH an den einzelnen Songs arbeiten, ihnen die Zeit geben, sie sie brauchen und verdienen, um sich zu entwickeln. Bei einem Album muss es oft schnell gehen und dann ist man hinterher nicht so recht zufrieden mit dem Ergebnis. Wir finden auch, dass die neuen Lieder sich auf diese Weise „frischer“ anhören. Wir sind so ja ständig aktiv am arbeiten, aufnehmen UND veröffentlichen von neuen Songs, trotzdem können wir das Tempo bei den einzelnen Schritten variieren. „Rebirth“ ist also quasi erst der Anfang von etwas Neuem.

WS: Worauf seid ihr Jungs bei der neuen EP besonders stolz, was würdet ihr herausstellen?

JS: Ich will eigentlich nicht zu viel verraten. Sagen wir so: Wir verfolgen mit dem erwähnten Vorgehen mit den EPs einen konzeptionellen Plan. Wenn man gut aufpasst, was man darauf hören wird, wird man draufkommen! Das macht uns stolz, was wir musikalisch und konzeptionell vorhaben.

WS: A propos Konzept. Euer letztes reguläres Album war ein Konzeptalbum über einen Zirkus. Uns hatte „Circus Pandemonium“ sehr gefallen, weil euch gelungen ist, mit Musik UND Texten eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen. Zudem hatte das Album wirklich viele tolle Melodien. Werdet ihr wieder Konzeptalben schreiben und was reizt euch daran?

JS: Danke sehr. Die neue EP hat eine konzeptartige Idee, die man mit der Zeit verstehen wird. Ich habe das gerade schon angedeutet. Wir lieben es an Konzeptalben zu arbeiten, aber vielleicht nicht im wirklich klassischen Sinne. Wir versuchen immer, die Dinge anders anzugehen als das andere bisher gemacht haben.

WS: Was ist ein Vor- und was ein Nachteil davon, eine Band in Schweden zu sein?

JS: Ein Vorteil ist auf jeden Fall, dass Schweden eine wunderbare und lange musikalische Tradition hat. Ich meine das im Bezug darauf, dass es alle möglichen Arten von Musikschule oder Jugendclubs gibt, wo man Instrumente ausprobieren und üben kann. Daher sind die meisten der bekannten Musiker aus Schweden wirklich sehr gut ausgebildet und werden dafür weltweit sehr geschätzt.

Ein Nachteil ist unsere Sprache wie ich finde. Schwedisch wird eben nur bei uns gesprochen, mit Englisch als Hauptsprache hätten wir Schweden es vielleicht manchmal einfacher.

„Rebirth“ erscheint am 29.03.2019. Lest hier unsere Rezension.

Facebook-Präsenz der Band: https://www.facebook.com/acttheband/


DanielF

Harte Schale, weicher Kern. Chefredakteur und -metalhead in Personalunion und im "Nebenberuf" Sozialarbeiter, geht Daniels Geschmack von chilligem Americana (Cracker) bis zu kauzigem Indie-Rock (Eels), von klassischem Thrash (Metallica, Megadeth) bis modernem Death Metal (Deserted Fear), von opulent-schrägem Prog-Rock (Opeth, Gojira, Pervy Perkin) bis zu heftigstem Brutal Death Metal (Defeated Sanity, Wormed), von Bluesrock (Gary Moore, Anthony Gomes) bis Classic Rock (Alice Cooper, Queen) - um nur einen Teil zu nennen. Zudem hat er seit den frühen Neunziger Jahren ein leidenschafliches Faible für christliche Rockmusik in genau dieser stilistischen Bandbreite. 

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