Eagles

Hotel California – 40th Anniversary Edition

  • Artist: Eagles
  • Album: Hotel California – 40th Anniversary Edition
  • Label: Elektra / Rhino
  • Release: 2017-11-24
  • Medium:
  • Bewertung:0

„Hotel California“ – das erfolgreichste Album der Eagles und generell eines der erfolgreichsten Alben aller Zeiten. Für Manche das Lebensgefühl einer Epoche in Musik gefasst, für Andere der Horror in Form mainstreamig-dekadenten Siebziger-Softrocks.

Nun, Recht haben beide Parteien, und das ist nicht einmal ein Widerspruch. Denn natürlich waren die Eagles 1977 genau die drogenverseuchten, maßlosen, dekadenten und selbstverliebten Rockstars, die der Punk im selben Jahr anprangerte. Die Ironie, daß drogenverseuchte, maßlose, dekadente und selbstverliebte Punks die Eagles genau dessen anklagten, hatte freilich viel damit zu tun, daß Don Henley, Glenn Frey und Co. einfach viel erfolgreicher dabei agierten. Softrock? Nun, wohl hatte sich die Band vorgenommen, ein weniger countrylastiges, „echtes“ Rock-Album aufzunehmen, doch funktioniert hat das nur teilweise. Klar, die Country-Elemente sind nur noch in Randy Meisners ‚Try To Love Again‘ auszumachen, aber als „Rocksongs“ konnte man gleichwohl auch nur zwei Takes des Albums bezeichnen. Und auch wenn ‚Life In The Fast Lane‘ und ‚Victim Of Love‘ die rockigsten Stücke der Scheibe waren, von der Bodenständigkeit und Kraft, die Songs wie ‚James Dean‘, ‚Visions‘ oder ‚Tryin“ auf den Vorgängern besessen hatten, waren diese Radiorocker auch meilenweit entfernt. Dafür gingen die Balladen wie ‚Pretty Maids All In A Row‘ und ‚Wasted Time‘ mit den opulenten Streicherarrangements diesmal ganz eindeutig und voller Absicht über die Kitschgrenze. Ist also „Hotel California“ deshalb wirklich ein schlechtes Album?

Natürlich nicht. Denn, solange die Ohren des Hörers noch nicht komplett von Plattheiten verklebt sind, wird jeder die dunklen Abgründe hinter den perfekt komponierten, arrangierten und eingespielten Songs der millionenschweren Junkiehorde spüren – und die machen „Hotel California“ eben zu einem Album, das bis heute seinen ganz ureigenen Reiz hat. ‚The Last Resort‘, das epische Glanzstück der Scheibe, mag eine Melodie so dickflüssig und süß wie Honigseim haben, aber selten gab es einen derart lakonischen bis zynischen Abgesang auf dem American Dream, Gier und Verantwortunglosigkeit zu vernehmen – Randy Newman dürfte damals den Hut gezogen haben. Natürlich gelangen solche Stücke genau deshalb, weil die Mitglieder diese Dunkelheit in sich selbst spürten und durchlebten.

Doch das weiß natürlich jeder, der sich für diese Remaster-Ausgabe interessiert, sowieso. Da wiegt die Frage schwerer, ob man diese Version des Albums braucht, wenn man es ehedem schon im Regal stehen hat. Nun, das neue Master klingt weniger komprimiert als die 2000er Version, dafür hat man es meiner Ansicht nach ein wenig mit dem Entrauschen übertrieben – man nehme den Break im Titelsong, der plötzlich aufgrund der gnadenlosen Stille ziemlich unnatürlich klingt. Der wahre Kaufanreiz dürfte also die 48minütige Live-Disc aus dem L.A. Forum 1976 sein. Die gleichen Konzerte waren auch für Teile des 1980er „Eagles Live“-Albums verwertet worden. Neben dem Titelsong und ‚New Kid In Town‘ von „Hotel California“ gibt es noch Songs von „Eagles„, „On The Border“ und „One Of These Nights“ plus Joe Walshs ursprünglich mit der James Gang aufgenommenes ‚Funk #49‘. ‚James Dean‘ und ‚Good Day In Hell‘ waren dabei meines Wissens noch nicht auf einem offiziellen Eagles-Livemitschnitt enthalten.

Eagles-Fans oder einfach nur Musikfans, die die Scheibe noch nicht besitzen, können hier getrost zugreifen, gerade auch, weil die 2-CD-Fassung für ca. 13€ in den Regalen steht. Ein tolles Album – wenn auch keinesfalls „das Beste“ der Band, dann doch zumindest das Wichtigste – mit einer coolen Bonusdisc. Feine Sache.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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