Grunge Locomotive

Regen in der Wüste? Oder doch eine stampfende, tonnenschwere Dampflokomotive? Der Opener heißt Desert Rain, die Band Desertrain, das Album „Grunge Locomotive“ (Grimond). Das klassisch besetzte Quartett aus Wroclaw in Polen hat sein Debütalbum in der Heimat bereits im Jahre 2020 veröffentlicht und ist in der dortigen Grunge- und Stoner-Szene nicht mehr ganz unbekannt. Nach dem üblichen Virus-Break nimmt die Band jetzt neu Anlauf, und „Grunge Locomotive“ erscheint jetzt auch bei uns.

Das Debüt von Damian Kikola (Gesang), Piotr Piter Bielawski (Gitarre), Szymon Sajmoon Makowiecki (Bass) und Lukasz Roman Romanowski (Drums) ist durchaus mit der auf dem Cover abgebildeten schweren Lok vergleichbar: Stampfend, rüttelnd, voranpreschend. Desert Rock und Stoner treffen Grunge, und wer auf Soundgarden oder Alice In Chains steht, wird hier schon mal nicht schlecht bedient. Das ist nicht wirklich neu – okay, aus Polen hat man diesen Sound bisher nur selten gehört, zugegeben – aber macht durch die Bank weg Spaß. Frontman Kikola überzeugt mit einer rauen, passenden Stimme, und insbesondere die Gitarre setzt immer wieder schöne Akzente mit viel Kraft und Spielfreude. Dabei ist festzustellen, dass die erste Hälfte des Albums alle potentiellen Hits enthält und gegen Ende die Luft ein wenig ausgeht. Der Opener ‚Desert Rain‘ (diesmal wirklich der Regen!) groovt sich schnell ins Ohr, und das folgende ‚White Moon‘ sorgt für orgentlich Stimmung mit leicht psychedelischen Tendenzen.

Im letzten Drittel schwächelt die Platte etwas, und der über neun Minuten lange Track ‚No Name Moment‘ besticht zwar mit wuchtigten Bässen und waschechter Stoner Attitüde, weiß aber nicht so recht, wohin er eigentlich will. Nicht falsch verstehen: alle Tracks machen Laune, grooven und trotzen nur so von purer Spielfreude. Aber wenn das Album sein Ende erreicht hat, bleiben manche Stücke eben nicht unbedingt im Gedächtnis. Aber dennoch: die vier Polen haben ein spannendes Debüt erschaffen, und gerade die erste Handvoll Songs zeigt, dass hier viel Potential steckt. Die Grunge Lokomotive mit ihrem ganzen Zug ist noch lange nicht abgefahren, sondern setzt sich jetzt erst richtig in Bewegung. Wir sind gespannt auf mehr!

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Michael

Michael kam über die Konzertfotografie zu Whiskey-Soda und verbindet das Bildermachen gerne mit Konzertberichten und CD-Rezensionen. Als Chefredakteur für den Bereich Bluesrock mag er aber auch viele aus dem Blues entsprungene Genres wie diverse Metal-Spielarten. Daneben landen gerne Progressive- und Classic Rock und Americana auf seinem Drehteller, bevorzugt auf klassischem Vinyl. Wenn dann noch Zeit bleibt, findet ihr Michael bevorzugt im (Heim)Kino oder natürlich irgendwo da draußen zum Fotografieren. 

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