Memoriam

For The Fallen

  • Artist: Memoriam
  • Album: For The Fallen
  • Label: Nuclear Blast
  • Release: 2017-03-24
  • Medium:
  • Bewertung:2-

Das Ableben der Death-Metal-Walze Bolt Thrower hat viele Fans mit einem gebrochenen Herzen zurückgelassen. Es war konsequent, sich nach dem Tod Martine Kearns’ aufzulösen. So viel Schneid haben die wenigsten Metal-Bands. Aber eben für solch eine authentische Einstellung stand die Band aus Coventry über 30 Jahre lang. Nachdem die ersten Infos über die neue Band von Shouter Karl Willets die Runde machten, sprachen alle voreilig von einer Nachfolgeband, die das Erbe der übermächtigen Bolzenwerfer antreten würde. Doch für Willets und seine Mitstreiter zählt mehr das Andenken an den verstorbenen Freund als in die übergroßen Fußstapfen zu treten.

Zusammen mit Original-Drummer Andy Whale, Benediction-Bassist Frank Healy und Cerebral Fix-Sechssaiter Scott Fairfax gedenken Memoriam – ähnlich wie Gregor Mackintosh mit Vallenfyre – den vielen Freunden und Verwandten, die auf dem Weg verloren gegangen sind. Klar sind Anleihen von Bolt Thrower und Benediction in den acht Songs zu hören. Die schwerfälligen Rhythmen und Riffs, die holprigen Uptempo-Passagen und die düstere Grundstimmung sind von den genannten Bands bekannt. Doch einem direkten Vergleich würden Memoriam nicht standhalten, da den Songs die Perfektion Bolt-Throwerischer Kompositionen und die Hardcore-Power Benedictions fehlt. Am meisten mangelt es den Liedern an musikalischer Tiefe. Die Songs versuchen, eine zu große Genre-Vielfalt abzudecken und wirken dabei wie im Schnellverfahren geschrieben. Sie erschlagen einen nicht, strahlen aber einen rudimentären Charme aus, wie frühe britische Crust-Bands. Willets selber klingt verzweifelt, die Gitarren heiser, das Schlagzeug trocken und der gesamte Sound kann sich zwischen der Alten und der Neuen Schule nicht so richtig entscheiden, ist ungeschliffen, aber von moderner Technik geprägt.

Memoriam zeigen deutlich, dass sie mit dem Ziel angetreten sind, eine eigenständige Band zu sein, was in Ansätzen gelingt. Doch die Schatten der Vergangenheit lassen sich nur schwer vertreiben. Insgesamt ist dem Veteranen-Quartett ein Album gelungen, das die ureigene englische Untergrund-Szene mit einen weiteren dunklen Farbtupfer versieht.

(geschrieben von Kristian Habermann)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.