Kontrolle

Egal

  • Artist: Kontrolle
  • Album: Egal
  • Label:
  • Release: 2019-03-22
  • Medium:
  • Bewertung:3+

Es beginnt bedrohlich mit düster wabernden Synthesizern… Schon bezeichnend, dass zwei dieser Tage zum selben Termin erscheinenden Platten den gleichen Anfang nehmen. Zwei Platten, die im weiteren Rahmen den deutschen Post-Punk im Jahre 2019 repräsentieren, ja kreieren. Für selbigen sind demnach elektronische Tasteninstrumente unverzichtbar.

Während Maulgruppe mit ‚Tiere in Tschernobyl‘ dabei den stärkeren Fokus auf die Deutschpunk-Komponente legen, wüten Kontrolle aus Solingen in den dunklen Gefilden des Genres. Staubtrockene Bassläufe sind das Markenzeichen des mal lauten, mal industriellen Sounds von ‚Egal‘. Begleitet von einer Düsterstimme der Art, die ansonsten nur treuen Besuchern des Wave-Gotik-Treffens geläufig ist. Mit sowohl metallischen als auch dichten Riffs wird die Musik von Kontrolle beinahe physisch. Man spürt den Druck, die inneren Zwänge, die sich ihren Weg aus Kopf, Körper und Herz nach draußen erzwingen.

Nun sind es aber zwei Herzen, die, ach, in der Brust des dreiköpfigen Wesens namens Kontrolle schlagen. Ein noisiges, postpunkiges, das sich ganz im Heute befindet und laute, sarkastische Zivilisationskritik betreibt (‚Baumarkt‘). Böse, aber erheiternd ist der Witz, mit dem Sänger Daniel seiner Aversion Ausdruck verleiht: ‚Ich volk mich um.‘ Oder, noch besser: ‚Wo andere schwimmen gehen, scheiß ich in den Pool.‘

Dem anderen Herzen ist’s schwer. Es ist irgendwo in den späten 70ern verfangen und sucht Trost im New bis Dark Wave. Das Gefühl des Fremdseins bis hin zur Verzweiflung findet seinen Höhepunkt in ‚360 Grad‘. Nicht nur hier möchte man meinen, Ian Curtis persönlich sei auferstanden. Kontrolle huldigen ihren Idolen Joy Division ganz ungeniert, und auch Silke Bischoff wird mit einem direkten Zitat die Ehre erwiesen.

Der ultratiefe Gesang dazu ist überzogen, aber das ist eben Kunst und die ist frei. Stilistisch halten sich Kontrolle aber mitunter allzu eng an das, was vor 40 Jahren schon mal war. Wenn auch mit viel überzeugender Energie betrieben, nutzt sich ihr Konzept noch im Laufe des Albums ein Stück weit ab. Da könnten dem Hörer der Gegenwart noch ein paar mehr Anhaltspunkte geliefert werden. Viel Potential für Album Nummer zwei also.

betty blue

(Post-)Punk, Deutschpunk, Garage, Lo-Fi, Alternative, Emo, Indie, Americana... Hauptsache mit Gitarre! Fühlt sich am wohlsten bei New Model Army-Konzerten. Zum Entspannen gerne Old School-Jazz und Son Cubano. ¡Viva! 

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