The Dead Sound

Cuts

  • Artist: The Dead Sound
  • Album: Cuts
  • Label:
  • Release: 2019-07-19
  • Medium:
  • Bewertung:2

Die Achtziger sind tot. Es leben die Achtziger.

Bedenkt man die Mode- und Mainstream-Sünden, die dieses Jahrzehnt hervorgebracht hat, muss das nicht immer gut sein. Mit The Dead Sound werden aber musikalische Facetten revitalisiert, die keine Scham hervorrufen, sondern wilde Erinnerungen an Auf- und Ausbruch. Konventionen wurden einst überworfen mit Tunes, die dank der Erfindung der Synthesizer neu entstanden. Nur, was damals innovativ war, gilt heute schon als Retro. Aber im Falle von ‚Cuts‘ (Crazysane Records) handelt es sich nicht nur um die Wiederbelebung längst Dahingeschiedener. Die neue Band um Karl Brausch (Love A, Matches) ist durchaus fähig, dem Sound – tot oder lebendig, jede/r entscheide selbst – noch eine eigene Notation zu verleihen.

Mit den ersten Klängen des Albums wird sofort deutlich, wer musikalisch Pate stand. Nach dem Vorbild von A Place To Bury Strangers, The Jesus and The Mary Chain, aber auch Joy Division erschaffen The Dead Sound einen akustischen Raum, der wie in einer Blase parallel zum realen existiert. Tatsächlich war für Karl Brausch das Frickeln, aus dem ‚Cuts‘ abgeschieden in seinem Wohnzimmer in Trier entstand, ein Fluchtweg aus dem alltäglichen Ärger und Stress.

Den hält er bewusst geradlinig mit einem kühlen, metallischen Sound. Im Gegensatz zu seinen anderen Bandprojekten ist Brauschs Musik hier eine eher zweidimensionale. Arrangements und vor allem der Gesang halten sich noise-überlagert dauerhaft auf einer Ebene. Die repetitiven Songstrukturen sind herausfordernd, ihr Raum erlaubt es aber, sich in eine ansteckende Dynamik zu steigern. So entfaltet ‚Cuts‘ einen akustischen Sog, der den Hörer mit jedem Song tiefer in seine Materie zieht.

Das ist keineswegs unangenehm. Vielmehr werden wir zu unserem eigenen Glück gezwungen – abzuschalten nämlich von dem, was uns tagtäglich nervt und quält und den Horizont – visuell wie emotional – verengt. Inmitten von ‚Cuts‘ finden wir uns plötzlich erfrischt, über den Dingen schwebend und in einer gesunden Distanz zur welt wieder. So vernebelt und noisy der Sound des Albums ist, so klar ist man an dessen Ende im Kopf.

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