Best Coast

California Nights

  • Artist: Best Coast
  • Album: California Nights
  • Label: Capitol
  • Release: 2015-05-01
  • Medium:
  • Bewertung:3+

Blaue Stunde in sunny Cal. Der Asphalt glüht nach, L.A. blinkt am Horizont, der Fahrtwind entfacht das Feuer jugendlicher Euphorie und man fühlt sich voll okay. Fehlt nur noch das richtige Tape im Deck. Ein mögliches wäre dieses hier. Zwölf ungestüme, aber trotzdem poppige, nicht unnötig verquaste Songs über … na, was denn eigentlich? Dies und das, Drogen, Gott, die Welt, die uns einenden täglichen Dämpfer und die Nachbeben einer verloren geglaubten Pubertät:

‚What is life, what is love? What’s the meaning of it all? Do I even care? Or is it just that I’m so unaware?‘

(‚So Unaware‘). Kurz und gut: Was die Lieblingssongs aus deiner Jugend nicht genug haben konnten, pumpen dir Best Coast jetzt in geballter Ladung über die Fritten.

Bethany Cosentino und Bobb Bruno haben alles Recht, dieses Lebensgefühl einzufangen. Schließlich geht es hier um ihren Heimatstaat. Und was will man auch um zig Ecken singen, um sein Statement abzufassen, wenn’s auch anders geht. ‚California Nights‘ weiß, was es will und kommt laut, deutlich und auch transparent vor den Tag – selbst wenn die poppig-beschwingten, auf dichten Gitarren aufbauende Musik die vorgebliche Schwere hinter sich immer wieder wirkungsvoll aussticht. Einen gewichtigen Beitrag leistet auch Consentinos fast schon schmerzhaft naiver Duktus, wie er etwa in ‚Jealousy‘ zum „Tragen“ kommt.

‚I look at you / You look at me / What do you see?‘

, wird da gefragt und schon relativ bald resigniert:

‚Girls will be girls and boy will be boys / It’s just the way it is‘

. Oh je.

Doch das Kurzformat ist richtig gewählt. Anders geht zwar, muss aber wirklich nicht sein: Der Titelsong (

‚California nights make me feel so happy I could die / But I try to stay alive‘

) etwa zieht einfache Melodien und kurze Gedanken in die Länge und knabbert so schon bald an der sechsten Minute, ohne dass es irgend angezeigt gewesen wäre. Dann doch lieber kompakt mit etwas „uh“ und „ah“ und „schubidu“ aus der zweiten Reihe, wie das Duo es im Übrigen hält.

Irgendwie hat diese verbale Gleichmütigkeit aber auch etwas Befreiendes: Einfachen Geistes kommt man immerhin letzten Endes ganz prima durch die Nacht. Um mit dem Titel des schönsten und zugleich traurigsten Songs auf dieser Platte zu sprechen: ‚Sleep Won’t Ever Come‘. Ja, für die eine Nacht war’s genial; am nächsten Morgen ist die Schminke ab und man selbst – oh Wunder! – gar nicht mehr so verknallt. Aber wenn’s doch nun mal schön war? ‚California Nights‘ bieten wahrlich keinen Grund zur Reue.

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