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Awaken The Guardian Live

30 Jahre alt wurde das Fates Warning-Album „Awaken The Guardian“ im Jahr 2016, und damit, wie man argumentieren könnte, auch das Genre des Progressive Metal. Natürlich könnte man nun bemühen, daß Watchtower mit „Energetic Disassembly“ ein Jahr vorher zugange waren (aber wer hat die Scheibe denn damals tatsächlich gehört?) und auch Queensryche mit „The Warning“ bereits 1984 einen wichtigen Grundstein gelegt hatten. Aber „Awaken The Guardian“ war dann doch noch einmal eine ganz andere Baustelle. Mit Songs wie „Prelude To Ruin“, „Exodus“ und natürlich „Guardian“, die plötzlich mehr von Rush hatten als von Iron Maiden und Judas Priest wurde die Komplexität auf das Level hochgeschraubt, welches wir auch noch heute mit dem Genre assoziieren. Im Falle Fates Warning funktionierte das aber, ohne gleich in geckenhafte Selbstdarstellung oder gar in sinnloses Gedudel zu verfallen.

Um dieses Jubiläum zu feiern, hat Jim Matheos nun das klassische Line-Up der Band für zwei Shows wiedervereinigt und präsentiert auf „Awaken The Guardian Live“ die kompletten Mitschnitte der Reunion-Shows vom Keep It True! und dem Progpower-Festival. Also, Matheos (klar), Frank Aresti (mittlerweile ja wieder offizielles Bandmitglied), dazu der 1994 ausgestiegene Joe DiBiase (bs – sieht mittlerweile exakt aus wie der aus „Black Books“ bekannte UK-Comedian Bill Bailey), der seit 1987 abtrünnige Steve Zimmermann (dr) und natürlich, erstmals wieder seit 1986, Sänger John Arch. Die große Frage ist natürlich, wie sich die alte Truppe mit dem hochkomplexen Material schlägt. Nun, alle Sorgen um möglichen Rost sind vollkommen unbegründet. Wo Fates Warning draufsteht, ist nach wie vor allerhöchste Qualität drin. Die altgediente Rhythmusgruppe ist tight wie ein Uhrwerk, die Gitarren sowieso – und John Arch singt tatsächlich nach 30 Jahren jeden einzelnen Schlenker und alle Sirenen-Screams, als sei er aus einer Zeitmaschine gestiegen. Wahrhaft ehrfurchtgebietend. Die Setlist besteht, wie der Titel suggeriert, zentral aus dem „Awaken The Gardian“-Album, welches am Stück und in Originalreihenfolge dargeboten wird. Als Zugaben gibt es noch „Apparition“ (yes!), „Epitaph“, „Damnation“, „Night On Brocken“ (nur beim Keep It True!-Gig) und „Kyrie Eleison“ (nur ProgPower). Die beiden Gigs sind also recht ähnlich ausgefallen, der vom ProgPower sieht halt aufgrund der größeren Bühne cooler aus, dafür ist der Sound beim Keep It True! etwas wuchtiger ausgefallen.

Sowohl für Prog-Metaller, die sich für die Wurzeln des Genre interessieren als auch natürlich für alte Fates Warning-Fans führt an diesem Package kein Weg vorbei. Gerade, weil es von dieser Besetzung außer einem Video auf Bootleg-Niveau keine offiziellen Liveaufnahmen gab, kommt „Awaken The Guardian Live“ extrem willkommen. Und selbst 1986 hat die Band mit Sicherheit nicht besser geklungen als 2016. Großartiges Metal-Entertainment auf ganzer Linie.

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