Night Ranger

35 Years And A Night In Chicago

  • Artist: Night Ranger
  • Album: 35 Years And A Night In Chicago
  • Label: Frontiers Records
  • Release: 2016-12-02
  • Medium:
  • Bewertung:2

Ich weiß schon gar nicht mehr, das wievielte Night Ranger-Livealbum das hier nun ist. Google behaptet, es sei das Neunte – joah, kann schon hinkommen. Allerdings kann „35 Years And A Night In Chicago“ damit punkten, die komplette Show auch noch auf DVD bzw. BluRay anbieten zu können. Die lagen uns für die Rezi leider nicht vor, weshalb wir nur über die reine musikalische Seite berichten können.

Die ist bei den Herrschaften grundsätzlich ja immer mindestens voll in Ordnung. Ja, die singende Rhythmusgruppe Jack Blades und Kelly Keagy hat an stimmlicher Brillianz altersbedingt ein wenig eingebüßt. Die mehrstimmigen Backings sind hingegen nach wie vor eine Klasse für sich, und generell ist festzuhalten, daß Night Ranger auch fast 35 Jahre nach dem Debüt noch mehr als ordentlich rocken. Die Einordnung ins AOR-Genre hat ja bei den Kollegen nie so vollständig gepaßt. Im Vergleich zu Journey, Foreigner und Konsorten gehen Night Ranger zwar genauso melodisch, aber gitarrentechnisch ein ganzes Stück härter zu Sache. In den frühen Achtzigern hatten Night Ranger keinerlei Probleme, sich auf Touren mit Judas Priest oder Ozzy Osbourne mit den Headlinern zu messen. Und so geht es auch diesmal wieder deutlich rauer und knackiger zur Sache als bei der Plüschkonkurrenz. Gerade die perfekt verzahnte Arbeit der Gitarristen Brad Gillis (der vor der Night Ranger-Gründung bei Ozzy den verstorbenen Randy Rhoads verteten hatte) und dem seit 2014 in der Band aktiven Kerri Kelli befindet sich technisch durchaus auf legendärem Achtziger-Iron Maiden– oder Judas Priest-Niveau.

Einziger Kritikpunkt ist einmal mehr die Setlist. Die ist nämlich im Prinzip die gleiche wie auf sämtlichen anderen Livescheiben der Band, sprich, die Highlights der ersten drei Alben plus ein paar Alibistücke der aktuellen Scheiben. So klasse und unumgänglich natürlich Songs wie ‚Don’t Tell Me You Love Me‘, ‚(You Can Still) Rock In America‘, ‚Sister Christian‘ und ‚Four In The Morning‘ sind, so sehr vermisst man als Fan Songs wie ‚Neverland‘, ‚Colour Of Your Smile‘, ‚Lay It On Me‘ oder gar überhaupt mal einen einzigen Ton vom großartigen „Man In Motion“-Album. Das ist leider das Gleiche wie bei den anderen Classic Rock-Combos, die nach wie vor die USA auf- und abtouren, ob Foreigner, REO Speedwagon oder Kiss, da werden eben ausschließlich die massentauglichsten Hits abgespult, der Rest des Backkatalogs zur Nichtexistenz verdammt. Das ist zwar der Partyatmosphäre beim Konzertbesuch sehr zuträglich, ob man aber tatsächlich mehrere Livescheiben mit 80% identischen Tracklists besitzen muss, ist fraglich. Immerhin gibt’s mit ‚The Secret Of My Success‘ diesmal auch einen Song von „Big Life“ und jeweils eine Nummer von den empfehlenswerten letzten beiden Studioalben. ‚Night And Day‘ ist gar bislang noch komplett unveröffentlicht und passt sich stilistisch wie qualitativ perfekt in den Klassikerreigen ein.

Gerade in Europa hat die Band ja nie die Anerkennung bekommen, die ihnen musikalisch gesehen definitiv zusteht. Wer also bislang noch kein Livezeugnis der Band besitzt oder – Schreck! – vielleicht noch gar nichts von Night Ranger im Regal hat, darf hier definitiv gerne zuschlagen. Knapp 100 Minuten Beachparty-Gute-Laune-Sound sollen ja gerade in der Vorweihnachtszeit bei manchem Musikfan Wunder wirken.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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