Powerflo

Powerflo

1993 schrieb der Soundtrack zu einem unbedeutenden Film Musikgeschichte. Auf „Judgement Night“ vereinte sich nahezu alles, was Rang und Namen in Rap und Rock hatte und lieferte so einen der größten Meilensteine des Crossovers.

24 Jahre danach steigen jetzt zwei der damaligen Protagonisten wieder in den Ring. Vielleicht um sich selbst zu beweisen, dass man mit über 50 noch nicht zum alten Eisen gehört oder um der Nu-Metal-Generation zu zeigen, wo der sprichwörtliche Hammer hängt. Billy Graziadei von Biohazard trifft auf Sen Dog von Cypress Hill. Letzterer bringt praktischerweise noch Gitarrist Roy Lozano (downset.) und Ex-Fear-Factory-Bassist Christian Olde Wolbers mit, die beide auch schon an den Cypress-Hill-Alben „Skull & Bones“ und „Stoned Raiders“ mitwirkten. Zusammen mit Fernando Schaefer, dem Drummer der brasilianischen Hardcoreband Worst, lassen sie es auf ihrem Erstling ordentlich krachen.

Anders als Prophets of Rage, die für den Groove schon mal mit dem Tempo runtergehen, wird hier Vollgas gegeben. Der Rapper muss dem Uptempo der Gitarrenriffs folgen, Verschnaufpausen gibt es selten, doch Sen Dog meistert das gewohnt lässig. Zu seinen Rap-Punchlines gesellen sich dann immer wieder die eingängigen, langgezogenen Refrains, wie Graziadei sie einst schon bei Biohazard zum Markenzeichen machte. Man kann sich das Ganze lebhaft als Soundtrack für einen Workout von MMA-Fightern vorstellen. Elf Songs in 34 Minuten machen „Powerflo“ so zu einem kurzen, aber schweißtreibenden Vergnügen.

2017 scheint sich zum besten Crossover-Jahrgang nach den Neunzigern zu entwickeln. Powerflos selbstbenanntes Debüt reiht sich dabei mit dem im März erschienen „Bloodlust“ von Body Count in vorderster Front ein.

(geschrieben von Thomas Schmidt-Fandrey)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.