Slime

Wem gehört die Angst

  • Artist: Slime
  • Album: Wem gehört die Angst
  • Label:
  • Release: 2020-03-13
  • Medium:
  • Bewertung:2-
Slime Wem Gehört Die Angst

Slime ist unbestritten einer der wichtigsten Punk-Bands in diesem Lande. Ihr Einfluss ist nach 40 Jahren mit vielen Skandalen, etlichen Trennungen und Comebacks immer noch hoch relevant. „Wem gehört die Angst“ (Arising Empire) ist das dritte Album seit dem Comeback der Punk-Haudegen aus der Hansestadt an der Elbe in 2010. Seit „Sich fügen heißt lügen“ schwimmt der Fünfer auf einer Erfolgswelle, ausverkaufte Hallen und gute Verkäufe stehen zu Buche. Für die jüngeren Punk-Generationen ist dies ein Traum, der wahr geworden ist, für viele der älteren Punk-Semester hingegen ist es ein Alptraum. Schließlich ist die Hamburger Punk-Legende inzwischen bei einem Metal-Major unter Vertrag, in den 80ern der pure Verrat. Die Diskussionen um die Punk-Helden und ihre Auferstehung sind überall gegenwärtig – mal mit viel Enttäuschung und Wut, mal mit Freudentränen, mal mit grenzenloser Verklärtheit geführt.

Trotzdem muss man zugeben, „Sich fügen heißt lügen“ ist ein großartiges Album, das durch die gewagte Textumsetzung mit Auszügen aus dem Werk des Anarchisten Erich Mühsam besticht. „Hier und jetzt“ fällt dagegen ab, musikalisch als auch textlich wirkt es zusammengeschustert. „Wem gehört die Angst“ ist aber wieder eine eindeutige Steigerung. Die typischen Markenzeichen, die die Band ausmachen sind vorhanden, Dickens charismatischer Gesang, Elfs Rock’n’Roll-Riffs, mehrstimmige Refrians und der ureigene Mitsing-Faktor. Klar, die eine oder andere Passage und Aussage hat man schon mal gehört, sie gehören halt zum Repertoire der Punk-Institution. Dies reicht aber nicht, Slime das Kopieren alter Ideen vorwerfen zu können. Sie variieren diese, was öfter gelingt als es in die Hose geht.

Slime bleiben Slime bleiben Slime

Die textliche Aussagen Slimes waren ihnen immer so wichtig wie die Musik. Wenn sie dieser Tage über die guten alten Tage sinnieren wie in ,Paradies‘ klingt das zwar ziemlich nach Selbstbeweihräucherung. Insgesamt wird aber im Hier und Jetzt agiert. Aktuelle Themen werden genauso abgearbeitet, wie sich Reflektionen und Geschichten in den Texten wiederfinden. Mit ,Die Suchenden‘ ist sogar ein richtiger Hit unter den 13 Songs zu finden. Der Reggae-Part, der mitreißende Refrain und die Lyrik sind einfach Extraklasse. ,Die Toten wollen wieder alleine sein‘ gehört ebenfalls zu den besseren Komposition des dritten – oder vierten? – Frühlings der Nordlichter. Oft erinnern die Lieder an die Zeiten von „Viva la Muerte“ und „Schweineherbst“, was bei letzter Reminiszenz nicht zu verachten ist. Im Großen und Ganzen hören sich Slime anno 2020 immer noch eindeutig nach Slime an. Ein Fiasko wie Rubberslimes „Rock ’n’ Roll Genossen“, was viele Verächter gefreut hätte, wissen sie souverän zu umschiffen. Und falls es einige immer noch nicht kapiert haben: ,Kein Mensch ist illegal‘!

Ähnlich wie die Kollegen Anti-Flag mit ihrem Album „20/20“ sind SLIME, wie bereits erwähnt, immer noch relevant, eben weil sie schon die guten alten Tage erlebt haben und immer noch stolz die Fahne des Deutschpunks hoch halten. „Wem gehört die Angst“ ist der beste Beweis. Bei aller berechtigter und polemischer Kritik, Slime haben es nie einfach, bequem und allen Recht machen wollen. Diesem Credo sind sie treu geblieben.

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