Demonstealer

This Burden Is Mine

  • Artist: Demonstealer
  • Album: This Burden Is Mine
  • Label: Demonstealer Records
  • Release: 2016-03-25
  • Medium:
  • Bewertung:2+

Kennt ihr Demonstealer? Nein, das ist eigentlich keine Band, sondern ein Mann. Sahil Makhija aus Mumbai in Indien. Der Mann ist so eine Art Extreme-Metal-Pionier in seiner traditionsbewussten Heimat. Produzent, Label- und Studioinhaber, Festivalveranstalter, Video-Podcaster und Internet-Koch. „Nebenbei“ noch Gitarrist, Sänger und Frontmann der Bands Demonic Resurrection (Black Metal), Reptilian Death (Death Metal) und Workshop (Comedy Rock). Der Mann ist ein echter Tausendsassa und seine Podcasts sind so informativ und lustig. wie seine Musik vielseitig ist. Unter seinem Künstlernamen Demonstealer hat Makhija nun sein zweites Soloalbum veröffentlicht. Vermutlich ist er einfach nicht ausgelastet, der gute Mann.

Ein Glück, kann man nur sagen, denn „The Burden Is Mine“ ist eine Perle von einem Progressive-Death-Thrash-Metal-Album mit geschmackvoll-ruhigem Beiwerk. Für Gitarren, Gesang und Keyboards zeichnet Demonstealer selbst verantwortlich, den Bass bedient der Bassist seiner Hauptbands und die Drums hat niemand geringerer als der griechische Nile-Schlagzeuger George Kollias eingespielt. Ja genau. Der Typ, der mit seiner Double-Bass-Drum bis zu 300 Beats pro Minute schafft. Aber das Album hat nicht nur die mörderischen Drums von Kollias, sondern die Handschrift von Demonstealer. Und die ist vielseitig und sehr, sehr aufregend. Ein Vergleich ist schwer, aber wem die Opeth-Alben aus der mittleren Phase der Schweden mochte, dürfte am zweiten Soloalbum des Inders viel Gefallen finden.

‚How the Mighty Have Fallen‘ ist der Name des Eröffnungstracks, der sich als rhythmisch-groovige Nummer zwischen Thrash- und Deathmetal entpuppt. Ein paar verspielt-melodische Ideen hat Demonstealer ebenfalls „eingebaut“, namentlich Keyboards und eine zweite Gesangsstimme, die er zunächst in Opposition zu seinen eigenen Growls stellt. Die Wunder der modernen Studiotechnik ermöglichen einiges, und Makhija beherrscht auch diese Klaviatur. In der Mitte des Stückes folgt ein erstaunlicher, ruhiger Richtungswechsel mit klarem Gesang, nur um zum Ende hin thrashig Gas zu geben. Das ist die geschmackvolle Grundrezeptur von Makhijas Musik: Lange Songs mit mehreren „Akten“ in unterschiedlichen stilistischen und harten Ausprägungen. ‚An Unforgiving Truth‘ beginnt mit Gothic-Rock-Vibe und schlägt dann in Blackened Death um, den Demonstealer ja mit seiner Hauptband Demonic Resurrection spielt. Die Drums von Kollias wummern durch den Track, dass es eine wahre Freude ist. ‚When The Hope Withers And Dies‘ ist eine Art melancholisch-symphonische Thrash-Metal-Nummer, der Titeltrack ‚This Burden Is Mine‘ erinnert mit seinem traurigen Klargesang und dem ruhigen Tempo zunächst an die erwähnten Opeth, wechselt dann in der zweiten Hälfte jedoch wieder zum Groove-Metal. Einen Song geradlinig durchzuziehen ist scheinbar nicht Makhijas Ding.

Demonstealer bedient sich aus den verschiedensten, teils offensichtlichen stilistischen Prägungen seiner musikalischen Sozialisation. Das Ergebnis schafft es erstaunerlicherweise jedoch, eine rundes und vor allem eigenständiges Metal-Album zu sein. Besonders klar erkennbar sind Einflüsse aus dem Extreme- und Thrash-Metal, aber auch aus Gothic- und Symphonic Metal und Progressive Rock. Ein aufregendes Album, dass die Frage aufwirft, wozu Demonstealer mit einem festen Bandgefüge und einer höheren Priorität im vollen Terminkalender Makhijas in der Lage wären. Man darf jedenfalls gespannt auf das nächste Solowerk des indischen Tausendsassas sein und hoffen, dass es keine acht Jahre bis zum nächsten Album dauern wird.

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