THE INTERRUPTERS – Don’t know how to party? Yes we do!

The Interrupters Band

Der Sommer schlägt zu. Über 30 Grad herrschen an diesem Donnerstag in der Hansestadt. Und jetzt geht es noch in die Sauna am Hauptbahnhof namens Markthalle. Selbstverständlich doch, schließlich bitten die derzeit mega angesagten Ska Punks The Interrupters zum Tanz. Schon der Weg zur Location treibt die ersten Schweißperlen auf die Stirn. Auf den Weg zum Eingang steigt die Temperatur mit jedem Schritt. Vielleicht ist es aber auch die euphorische Erwartung auf ein Konzert, das eine Menge Spaß, aber auch eine Message verspricht.

Während das kühle Getränk im Becher zu verdunsten zu scheint, mühen sich die britischen Ska Punker Bar Stool Preachers zwar gut gelaunt und ständig in Bewegung, aber musikalisch auch irgendwie beliebig durch ihren Set. Locker flockig skanken sie durch ihre Songs, die sehr poppig, glatt gebügelt und mit nur wenig Charisma rüber kommen. Die BSP wirken wie ein Sammelsurium an Musikern, aber nicht wirklich wie eine Band. Da stimmt die Chemie nicht. Kein Problem für ein paar Tanzwütige für der Bühne. Doch viele in der ausverkauften Markthalle warten bei den tropischen Temperaturen auf die Headliner aus Los Angeles.

Die Aufwärmphase ist immer die Ruhe vor dem Sturm

Ein ellenlange Umbaupause lang steigert die Erwartung bis unendliche viele Kehlen die Antwort auf die Fragen „What’s your plan for tomorrow? Are you a leader or will you follow? Are you a fighter or will you cower?“ mit „It’s our time to take back the power“ beantworten. Die Tanzfläche ist eröffnet! Kaum einer kann sich dieser Einladung entziehen. Die Bivona Bros. fordern mit der ersten Note die Bewegungstalente sämtlicher Anwesenden heraus. Das Thermometer steigt schnell über die 40-Grad-Marke, ebenso wie die Stimmung. Es ist aber kein stumpfes herumhotten, sondern bei ,Title Holder‘ recken sich hunderte Fäuste Richtung Bühne als Kevin Bivona den Song allen gebeutelten Seelen widmet und Aimee Allen dem Song mit einer gehörigen Portion Leidenschaft seine eigene Seele gibt. Ein Halten gibt es nicht mehr, weder vor der Bühne, noch auf dem Stufenrund und selbst vor den Theken wird dem Ska-Groove ausgelassen gehuldigt. Dass The Interrupters nicht mit dem Finger auf andere zeigen, verdeutlichen sie mit ,Judge Not‘. Insofern werden im überschwänglichen Verlauf Ellenbogenhiebe, Fußtritte oder Bodychecks nur zu gern mit einem gut gelaunten Hüftschwung beantwortet.

Ein souveräner Sieg schließt eine Verlängerung aus

Mit ,In the Mirror‘ rufen Aimee und die Bivonas zur Selbstreflexion auf, womit sie die grenzelose Tanzwut nur noch mehr anheizen. Auf der Bühne sind alle in Bewegung, nur Mr. Cool an der Posaune ruht in sich selbst hinter seiner Sonnenbrille. Die Stimmung ist inzwischen so ausgelassen, sodass sich Aimee ein ausgedehntes Shake-hands mit den ersten Reihen gönnt. Auch die Powerfrau am Mikro dreht immer mehr auf. Kaum zu halten ist sie bei ,Raised by Wolves‘. Ihre Leidenschaft geht inzwischen in reine Inbrunst über. Wie lange hält ihre großartige Stimme diesen Anforderungen stand? Erst einmal wird mit ,A Friend Like Me‘ auf die Freundschaft angestoßen, bevor der simple Punkrocker ,Jailbird‘ von aktuellen Album für eine kleine Verschnaufpause einlädt. Die Ode an die Epitaph-Bands, die folgt, wirkt irgendwie deplatziert, wie eine gewollte Pause. Nicht dass die Stimmung zu kippen droht, aber das tiefe Durchatmen der Interrupters sorgt für gleiches vor der Bühne. Doch Moderator Kevin Bivona nimmt mit der Ansage zu ,Family‘ das Ruder souverän wieder in die Hand. Der Endspurt beginnt, der mit Aimees Geste, dass ihre Stimme am Ende ist und mit einer hingebungsvollen, von allen mitgesungenen Version von ,She’s Kerone‘ sein Ende nimmt. Nach über 80 Minuten gehen The Interrupters von der Bühne und kehren zum Leide eines Großteils der begeisterten Fans nicht zurück. Auch nach 15 Minuten fordernden Applaus nicht.

Die Sehnsucht nach einer Party mit den Bands, die wir verehren und der Tatsache, eine verdammt großartige Live-Band gesehen zu haben, lassen diesen Konzertabend zu einem erinnerungswürdigen werden. Bei so vielen zufriedenen Gesichtern im Foyer der Markthalle ist die für ein Punk-Konzert ungewöhnlich hohe Professionalität der Band und der Crew zu verzeihen, auch wenn sie tatsächlich vielen aufgefallen ist. Doch The Interrupters sind schlicht und ergreifend eine der zurecht hoch gelobten, geliebten und verehrten Bands dieser Tage. Unschlagbare Hits, ihre Authentizität und Ehrlichkeit sowie ihr sympathisches Auftreten und ihre Energie ist ein Pfund, mit dem nicht jede Band so spielend wuchern. One crazy family!

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