THE BEAT-HELLS – Eine WhatsApp später…

Es kann schon mal vorkommen, dass einen die kleinen aufpoppenden Textnachrichten völlig unverhofft herausreißen und zum Grinsen bringen. Im Falle von Sibbi Hafner aber auch zu einer neuen Band. Denn genau so wurde die Idee zu The Beat-Hells geboren. Was eineinhalb Jahre später dabei rauskommt, wenn man eine Band ohne Drummer gründet, Songs der Beatles in Punkgewänder kleidet und sich selbst in Anzüge steckt – darüber haben wir mit dem Gitarristen und Sänger gesprochen.

War es denn keine Option das Projekt mit Itchy anzugehen?

Neil (Anm. d. Red.: Starr, u. a. Attack Attack) hat schon immer einmal daran gedacht, eine Punkrock-/Alternative-Beatles-Coverband zu starten. Darauf meinte ich: „Ja! Zähl mich da dazu, ich bin dabei.“

Oft ist es ja so: Man sagt ja das machen wir mal, dabei hat jeder seine anderen Projekte. Weil man keine Zeit findet, bleibt es eine tolle Idee, aber man macht es nicht. Dann kam Corona. Nach den ersten Monaten der Akklimatisierungen haben wir damit angefangen. Jetzt haben wir ein fertiges Album und es ist total crazy was da aus dem Nichts passiert ist.

Wie hat sich die Arbeit an der Platte gestaltet? Konntet ihr überhaupt zusammen arbeiten oder war es ein rein digitales Konstrukt?

Wir mögen, kennen und schätzen uns seit vielen Jahren, aber konnten natürlich nicht zusammen musizieren. Das musste jeder so digital remotemäßig bei sich zu Hause machen. Es wurden Ideen herumgeschickt und besprochen, wie wir das Ganze angehen wollen. Jeder hat es im Homestudio aufgenommen. Als es an die Drummersuche ging, haben die ihre Files aufgenommen und zu uns geschickt. Unser Mischer Todd Campbell hatte dann die Aufgabe, 15 verschiedene Recordings und Soundqualitäten zusammenzufügen und ein stimmiges Album zu basteln. In seiner Haut hätte ich nicht stecken wollen.

Habt ihr die unterschiedlichen Schlagzeuger passend zu den Songs gewählt, oder hat der Schlagzeuger das entsprechende Lied gewählt?

Am Anfang kam die Überlegung, wen nehmen wir als Drummer? Aber dann sind wir auf die Idee gekommen, alle guten Drummer, die wir in unserem Freundeskreis haben, zu fragen, ob sie nicht Lust hätten, jeweils einen Song zu spielen. Alle haben sofort zugesagt, was überhaupt nicht selbstverständlich ist. Wir haben ihnen immer eine Handvoll Songs geschickt, und sie haben sich daraus dann ihre Favoriten herausgepickt. Keiner war sauer, dass er was machen musste, was er nicht wollte oder schon etwas weg war. Man merkt auf dem Album richtig die einzelnen Stile der Drummer.

Wie definiert ihr denn den Beatles Sound für euch – hattet ihr eine Vorgabe, wohin es mit der Platte gehen sollte? Gab es eine Art zu weit weg vom Original?

Wir haben uns da nicht so wirklich Gedanken gemacht. Eigentlich haben wir nur versucht, die Beatles-Songs in ein moderneres Punkrock-/Alternative-Gewand zu stecken. Die einzelnen Songs geben schon total eine Richtung vor, wie sie da funktionieren könnten. So wie die Beatles es im Hier und Jetzt gemacht hätten – oder eben eine Punkrockband in den 60er-Jahren. Es ist schon krass, wie gut die Songs funktionieren, die hätte man auch jetzt schreiben können und keiner würde sich wundern. Zeitlose Kunst.

Wo liegen für dich die Parallelen der Beatmusik mit dem Punkrock?

Das ist damals schon gut gemachte Rockmusik gewesen. Es war wild, das hat die Leute geschockt. Jetzt hört sich vieles brav an, aber damals war das total krass für die Hörerschaft, v. a. die Eltern. Rockmusik hat sich immer so durchgezogen. Dabei hat sich nicht viel verändert: Die Beats sind ähnlich, die Melodien funktionieren immer noch, nur die Instrumentierung und der Sound haben sich verändert. Hätten die Beatles damals dieselben Verstärker und Aufnahmemöglichkeiten gehabt wie wir jetzt hätten sie wahrscheinlich nicht viel anders geklungen.

Wie lange besteht denn die Beatles-Leidenschaft schon? Parallel zur Sozialisierung durch den Punkrock?

Schon im Jugendalter hab ich die Beatles gut gefunden und gerne gehört. Ich bin eh so ein Typ: Ich stehe auf Melodien, auf schöne Zweitstimmen und Harmonien – die haben natürlich einen Ohrwurm nach dem anderen fabriziert. Ich hab damals ein Buch bekommen, wo jeder Tag im Leben der Beatles aufgezeichnet war: Im Studio, auf Tour, bei Konzerten. Das hat mich damals schon total fasziniert, weil das so eine einmalige Band ist, die es kein zweites Mal geben wird.

Entstand durch die Arbeit an den Songs auch noch mal ein anderer, ganz eigener Blickwinkel darauf?

Klar! Man studiert die Songs ja quasi, spielt sie nach, aber baut auch eigene Sachen ein. Die Songs werden seziert und man bekommt so einen ganz anderen Blick als nur durch das Hören. Manche Songs sind so genial einfach, und das, obwohl die Beatles noch nicht mal 20 Jahre alt waren und ihr ganzes Schaffen weniger als zehn Jahre umfasste. Ich hab das vorher noch nachgelesen, das erste Album wurde in 25 Stunden eingespielt, editiert und gemischt – solange brauchen wir, um einen Schlagzeugsound bei Itchy einzuspielen und das ist schon schnell.

Wie sehr entsteht da der Drang, die Lieder auch live zu spielen?

Das wäre ein absoluter Traum und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass es sowohl vor als auch auf der Bühne tierisch Spaß machen würde. Es ist schon der Plan, es auf die Bühne zu bringen – natürlich muss man einige Steine aus dem Weg räumen. Die Pandemie, dann die Zeit – denn Itchy wird immer Priorität haben – da muss man schauen, wie man es drum herumbaut. Aber es wird eine Chance geben mit dieser Band. Es sind so tolle Songs und wir haben bewusst nicht die zehn Tophits genommen, sondern etwas tiefer gegraben, wobei es immer noch Songs sind, welche die meisten kennen. Das könnte überall gut funktionieren: Bei Rock am Ring, auf einer Hochzeit, bei einem Geburtstag.

Wie schwer war es, ein Ende zu finden?

Gar nicht schwer, weil wir die Songs bewusst nicht überproduziert haben. Einfach so wie es eine Punkrockband machen würde und nicht noch 100 Gitarrenspuren extra. Wir wollen es ja auch auf der Bühne umsetzen können, deshalb haben wir uns nicht zu sehr verkopft.

Es gibt Songs, die ein bisschen Alternative klingen, aber auch punk- oder metallastig. Wir haben versucht, eine Mischung zu finden. Ich hab kürzlich die Beatles-Alben noch mal chronologisch gehört. Obwohl ich nicht bis zum Ende gekommen bin, habe ich jetzt 60 Songs, wo ich glaube, die könnten wir auch noch versuchen. Da ist noch einiges an Material vorhanden für die nächsten Alben und nächsten Jahre. Das ist jetzt erst der Anfang. Ich hab jetzt für immer die Möglichkeit, mit den Beat-Hells Sachen rauszubringen. Es macht einfach viel zu viel Spaß, um es nur eine einmalige Sache sein zu lassen. Das ist ja das Tolle daran, wenn man selbstständig ist und Musiker: Man kann einfach machen.

So ein Projekt öffnet einem selbst den Horizont, was man dann wieder in seine anderen Projekte einfließen lassen kann. Wenn man sich von Beatles-Songelementen beeinflussen lässt, das kann nicht das Schlechteste sein.

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Fotocredit: Pressefreigabe

 

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