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Tales From Wyoming

Wenn eine Band über mehrere Alben nicht wirklich viel am Stil und den Songs verändert, ist das für viele gleich langweilig. Solange die Songs jedoch Fans berühren und kein Produkt von blanker Geldgier oder Faulheit sind, ist das vollkommen okay. Frei nach dem Motto: ‚Never change a winning Team‘ machen das Bands wie NOFX oder Bad Religion seit Jahrzehnten und gehören trotzdem noch zur Punkrock-Elite. Wenn eine Band jedoch quasi exakt das gleiche Album unter anderem Namen veröffentlicht und das dann als neu verkauft, grenzt das jedoch wiederum an Frechheit. ‚Tales From Wyoming‘ haben Teenage Bottlerocket ihren neuesten Erguss genannt. In gewohnter Manier erwartet den Hörer ein Punkalbum, dass einfach Spaß macht und nirgends wirklich aneckt. Doch das ist nicht alles…

Der Vorgänger zur aktuellen Platte hieß ‚Freak Out‘. Die Vergangenheitsform ist hier beabsichtigt, denn der Nachfolger ist so gleich, dass man durchaus sagen könnte ‚Freak Out‘ heißt jetzt einfach ‚Tales From Wyoming‘ mit neuem Cover. Auf der Scheibe von 2013 eröffneten die Spaß-Punker mit dem Titeltrack ‚Freak Out‘. Ein kurzes ‚Hallo, hier bin ich!‘ in dem nicht viel mehr Zeilen als ‚Total Freak Out‘ vorkommen. ‚Tales From Wyoming‘ beginnt mit ‚In My Head‘. Ein kurzes ‚Hallo, hier bin ich‘ mit wenig Text. Würde man die Tonspuren übereinander legen, wäre dabei wohl trotzdem nur ein Song zu hören. Gut, vielleicht gehört es zum Bottlerocket-Stil, das Album so zu eröffnen. Bei den darauffolgenden drei Songs geraten die Sympathisanten, die dieses Argument unterstützen jedoch in arge Erklärungsnot. ‚I Found The One‘ ist poppig und ein bisschen klebrig-kitschig. Irgendwie genauso wie ‚Mutilate Me‘ – Lied zehn auf ‚Freak Out‘. ‚Nothing Else Matters‘ ist nicht etwa eine originelle und witzige Coverversion des Metallica-Radiohits. Es ist eher ‚Go With The Flow‘ von welchem Album? Richtig!

So findet sich zu jedem Song das passende Pendant, das nahezu identisch klingt. Einzig mit ‚They Call Me Steve‘, einer Hommage an Sucht-Spiel Nummer eins Minecraft. Dessen Hauptcharakter heißt Steve und die Band betrachtet das Leben in der verpixelten 90er-Jahre-Grafik-Welt mit realistischen Augen. So hat der kleine Quadratschädel genau die gleichen Probleme wie wir. Nette Idee und auch der Song ist klar der Hit des Albums. Teenage Bottlerocket erfinden sich auf ‚Tales From Wyoming‘ nicht neu, wie man so schön sagt. Müssen sie auch nicht, denn sie machen einfach Spaß. Jedoch exakt dasselbe Album nochmal zu veröffentlichen ist frech, und nicht auf die gute, spannende, provozierende Art und Weise. Hier fehlt Liebe zum Detail, Mut zur Veränderung und Motivation zu Steigerung. Auf Parties wird dieses Album immer ein Hit sein, es sei denn, vorher lief schon ‚Freak Out‘ einmal durch.

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