Dropshard

Silk

Lust auf italienischen Prog-Rock, auf eine abwechslungsreiche Gratwanderung zwischen Neoprog, sinfonischen Passagen und progressivem Metal im Stil von Fates Warning? Dann sollte Ihr Euch einmal näher mit Dropshard beschäftigen. Die 2007 gegründete Band wurde nach eigener Aussage von den üblichen Verdächtigen Yes und Led Zeppelin inspiriert, aber auch von moderneren Acts wie Pain Of Salvation, Riverside oder Porcupine Tree. 2011 erschien das erste Album namens „Anywhere But Home“, dessen über 65minütiger Nachfolger jetzt mit „Silk“ in den Regalen der Händler liegt.

Auf „Silk“ herrschen zwei relativ entgegengesetzte Stilrichtungen vor: Zunächst einmal progressiver Metal, der nicht nur an die schon eingangs erwähnten Fates Warning erinnert, sondern stellenweise sogar an die Frühwerke der Genre-Könige Dream Theater. Harte Gitarrenriffs, energiegeladene Keyboard-Soli und knackige Drums wissen zu gefallen. Zwischendurch wird es aber auch immer wieder ruhiger mit sanften Pianoklängen (‚Cell 342‘), die aber dennoch nie ins Balladenhafte abdriften, sondern dann doch wieder von harten Gitarren durchbrochen werden. So kann man sich auf dem ganzen Alben nie sicher sein, was als nächstes passiert. Das macht das Hörerlebnis spannend und wahrlich progressiv. So ist ‚Seat‘ eine ruhige nur von Keyboards und dezenten Soundeffekten getragene Instrumentalnummer, während das von Sänger Enrico Scanu inbrünstig-schmachtvoll interpretierte ‚Perpetual Dream‘ lediglich von der Akustikgitarre (hervorragend: Sebastiano Benatti) unterstützt wird, was dem Song eine ungeheure und sehr direkte Intensität verleiht. Natürlich gibt es – wie es sich für eine gute Prog-Scheibe offenbar gehört – auch gleich zwei epische Zehnminüter. ‚The Endless Road‘ erinnert stilistisch oft an Porcupine Tree und sorgt für ein wohliges Wechselbad der Gefühle und Stilrichtungen, immer wieder schwankend zwischen modernem Prog, atmosphärischem Rock und harten Metalriffs.

‚Less Is More‘ ist dann eher etwas für die Freunde experimenteller Musik mit jazzigen Keyboards und verschachelten Soundexperimenten. Mit ‚Memento‘ folgt noch die zweite lange Nummer, die aber auf sämtliche Metal-Einlagen verzichtet und komplett im klassischen Rock-Gewand daher kommt. Als Bonustrack findet sich die mehrstimme Chornummer ‚Libera Me‘ auf dem Album, welche einen beinahe sakralen Charakter versprüht und den Longplayer zu einem würdevollen Abschluß führt.

Bei „Silk“ handelt es sich um ein äußerst abwechslungsreiches und musikalisch komplexes Album, das immer wieder für Überraschungen sorgt und den geneigten Progfan mit einem zufriedenen und breiten Grinsen im Gesicht vor dem Player verharren lässt. Von daher darf man sich als Progger Drophshard gerne mal vormerken, denn es ist von den Italienern nach diesem starken Album noch viel zu erwarten.

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