Broilers

(sic!)

Wenn man wie die Broilers mit dem letzten Album ‚Noir‘ bereits ein (Chart)gipfelstürmendes und goldveredeltes Album abgeliefert hat, wird es in der Höhenluft des Rockolymp schwer, mit der nächsten Platte noch Eines darauf zu setzten. Muss man als Musiker erst einmal mit der sauerstoffarmen Höhenluft dort oben zurecht kommen. Doch die Broilers beweisen, dass exzessives Touren wunderbar als Höhentraining funktioniert, denn mit ihrem siebten Album ‚(sic!)‘ wissen sie alle zu überraschen. Die Kritiker, die ihnen mit jeder Platte erneut den Mainstream um die Ohren hauen, die Fans der ersten Stunde, die sich den Sound der ‚Fackeln im Sturm‘ zurückwünschen, und den ganzen Rest, der seit der ‚Noir‘ hinzugewachsen ist.

Das Intro, diesmal ein bunt über- und untereinander gewürfelter Haufen Nationalhymnen, leitet wunderbar in den Opener ‚Nur ein Land‘ über. Anklagend und wütend gießen die Broilers das, was ihnen nicht passt, in drei Akkorde. ‚Keine Hymnen heute‘ beginnt dissonant bis zum Anschlag und liefert damit dem Text das dreifache musikalische Ausrufezeichen hinterher. Und auch ‚Zu den Wurzeln‘, der knietief im Ska-Sound steckende Song, lässt bei den ersten Textzeilen den Bewegungsdrang einfrieren, so brutal trifft Einen das Gehörte. Überhaupt scheint es auf ‚(sic!)‘ ganz schön viel zu geben, was die Düsseldorfer zu sagen haben. Aber auch einen retrospektiven Blickwinkel hat die Platte: Wenn es einen einzigen Song gibt, der das Musikjahr 2016 mit all dem Ableben am besten einfängt, ist es ‚Ihr da oben‘. Ein ganz puristischer Song, nahezu nur getragen von Sammys Stimme. Gänsehaut. Punkt.

Die Broilers klingen auf ‚(sic!)‘ direkt wie nie. Zwar war Stellungbeziehen schon immer wichtig, jedoch muss es schon ganz schön unter den Nägeln brennen, um in so klaren Zeilen wie auf dieser Platte zu enden. Dass man solche Aussagen nicht in Schunkelhymnen gießen kann, versteht sich von selbst. ‚(sic!)‘ ist ein abwechslungsreiches Werk geworden, auf den Punkt, leidenschaftlich und anders. Anders als man es erwartet hätte. Die Broilers stellen mit ‚(sic!)‘ klar, mit wem (oder eher mit wem nicht) sie auf ihrer Party natürlich zu den besten Liedern auf den alten Tapes tanzen wollen und dass es dabei nicht mehr nur Dosenbier geben muss. Mittlerweile geht auch Weißwein. Oder anders: Die existenziellen Fragen der Generation 30 plus.

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