Magenta

Chaos From The Stage

Live-Material von Magenta ist immer willkommen und macht schlicht und einfach auch immer jede Menge Sinn. Denn außerhalb des UK ist die Neoprogband leider so gut wie gar nicht auf der Bühne zu begutachten. Umso bedauernswerter, weil die Musik der Waliser tatsächlich live viel besser funktioniert als im sterilen Studiokontext.

Stilistisch ist die Band irgendwo zwischen Yes, (alten) IQ und Marillion zu ‚Misplaced Childhood‘- bis ‚Seasons End‘-Zeiten anzusiedeln. Sprich, hochmelodischer, geschmackvoll dargebotener Neoprog ohne übertriebene Dudelmätzchen, dafür mit viel Atmosphäre und auch in den Longtracks jederzeit nachvollziehbaren Songstrukturen. Größtes Ass ist hierbei klar Sängerin Christina Booth, die mit weltfernem Elfengeträller glücklicherweise überhaupt nichts am Hut hat und über eine angenehm unprätenziöse Stimme verfügt, die eher an anspruchsvolle Popacts wie Everything But The Girl erinnert. Das hilft Magenta eben auch dabei, nachvollziehbar zu bleiben und sich somit von der Konkurrenz abzuheben.

Mitgeschnitten wurde „Chaos From The Stage“ im The Assembly in Leamington Spa, einem schönen alten Theater, das mit der sympathisch-unglamourösen Ausstrahlung der Frontfrau zusammen den perfekten Rahmen für die feingliedrigen musikalischen Exkursionen der Band ergibt. Die Setlist legt den Schwerpunkt auf die letzten drei Alben, mit ‚Lust‘ und ‚Demons‘ finden sich aber auch zwei ältere Stücke. Die Kameraführung ist dem vermutlich knappen Budget nach unauffällig, aber durchweg solide, der Solist meist im Fokus, und da bei Magenta ehedem keine exzessive Bühnenaction geboten wird, ist das durchaus angemessen. Klar, wer seinen Prog eher düster, heavy und abgründig mag, wird hier das kalte Grausen bekommen, aber das ist auch nicht die Zielgruppe von Magenta. Erfrischend unbeirrt von modischen Trends und ach-so-gestörten-und-depressiven Posen gibt’s hier einfach nur schöne Musik zum Genießen, mit melodisch-gefühlvollen Gitarren, detailverliebter Rhythmusgruppe und atmosphärisch bis virtuos gespielten Keys.

Das Package enthält übrigens zur DVD mit dem kompletten 105-minütigen Gig noch eine Bonus-CD mit acht Songs des Sets. Die drei nicht auf der Audio-CD enthaltenen Livetracks kann man sich auf der Bandcamp-Seite von Magenta erfreulicherweise kostenfrei herunterladen. Zu beziehen gibt es das empfehlenswerte Package entweder bei den Juwelengräbern von Just For Kicks oder der Website der Band.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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