Rothacher

Quiet Little Place Called The Inside

  • Artist: Rothacher
  • Album: Quiet Little Place Called The Inside
  • Label: Eigenproduktion
  • Release: 2017-09-29
  • Medium:
  • Bewertung:2-

René Rothacher ist ein Schweizer Musiker, der eigentlich aus dem Jazz kommt und mit „Quiet Little Place Called The Inside“ sein Debüt als Singer-/Songwriter veröffentlicht. Das kommt mit einer durchaus sympathischen Mischung aus Folk, „Americana“ und vieeel Frühneunziger Alternative-College-Rock – speziell R.E.M. zu „Out Of Time“-Zeiten, Counting Crows und The Connells müssen hier als stilistische Referenz genannt werden. Durch die oftmals seine Jazz-Affinität verratenden unkonventionellen Gitarrenarrangements klingt auch die Frühphase von Suzanne Vega gelegentlich ein wenig durch.

Rothacher hat dabei ein gutes Händchen für eingängige Melodien, die gut ins Ohr gehen und auch nach Verklingen des Albums noch darin verweilen. Die Single ‚Lonely Man‘ beispielsweise wäre 1992 mit Sicherheit noch in die Charts eingestiegen – heute ist es natürlich ungleich schwerer, mit dieser Musik, die gottlob komplett ohne Starbucks-Hipster-Faktor daherkommt, den Mainstream zu erreichen. In ‚Woman Like You‘ klingen bluesige Töne mit, bei ‚Down And Out‘ wird’s etwas rockiger, und der Quasi-Titelsong ‚Quiet Little Place‘ erinnert an den Soundtrack von „Scrubs“. Im abschließenden ‚Love Letter‘ zeigt René, daß er auch am Piano eine gute Figur macht. Beim Gesang muss man allerdings ein paar Abstriche machen. Klar, Rothacher trifft alle Töne und weiß auch, dass man gelegentlich ein wenig rauer singen muss. Allerdings wirkt das alles eher wie angewandte Tricks aus dem Gesangsunterricht als emotional-authentisch von der Seele weggesungen – was im Genre aber nun einmal wichtiger ist als die korrekten Töne. Dieses Symptom überträgt sich auch auf die Musik, für den ganz großen Wurf fehlen einfach ein paar Ecken und Kanten, die den Menschen hinter den Songs greifbar machen – oder den Hörer zumindest glauben lassen, er hätte ebendies getan. In diesem Fall war es ganz eindeutig eine schlechte Entscheidung von Rothacher, alle Instrumente selbst einzuspielen. denn auch wenn René das alles kompetent erledigt, hätte eine echte Band, idealerweise vorher live eingespielt, hier noch das berühmte I-Tüpfelchen einbringen können, das aus einem guten Album ein großartiges gemacht hätte.

Bevor das aber zu negativ klingt, hier die Rückversicherung: René Rothacher ist ein extrem talentierter Songwriter, der mit „Quiet Little Place Called The Inside“ eine beachtliche Sammlung an Stücken versammelt hat. Fans der obengenannten Bands sollten sich auf jeden Fall das Album auf die Merkliste schreiben. Sollte sich Rothacher nämlich für’s nächste Mal eine echte Band zusammenstellen und gesanglich mehr von sich preisgeben als diese „Maske“ zu tragen, werden wir von Rothacher noch einiges hören.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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