Peter Heppner

Confessions & Doubts/Tanzzwang

  • Artist: Peter Heppner
  • Album: Confessions & Doubts/Tanzzwang
  • Label:
  • Release: 2018-09-28
  • Medium:
  • Bewertung:2-

Gleich zwei Alben bringt der ehemalige Wolfsheim-Sänger Peter Heppner derzeit unters Volk – eines davon ein „traditionelles“ Synthpop-Album namens „Confessions & Doubts“, das Andere ein Remixalbum. Im Gegensatz zu den üblichen Remixscheiben gibt es aber auch auf „Tanzzwang“ ausschließlich bislang unveröffentlichte Songs zu hören, deren Original in der Deluxe-Box-Set-Version von „Confessions And Doubts“ enthalten sind. Hier geht’s aber nur um die beiden regulären CD-Veröffentlichungen – die sollten auch dem Durchschnittsfan ausreichen.

Heppner hat bekanntlich eine dieser unverkennbaren und emotional aufgeladenen Stimmen, die auch in der Lage sind, eher mittelmäßiges Material durch ihre pure Präsenz aufzuwerten. Das kommt speziell „Confessions & Doubts“ zugute, auf der sich Songs wie ‚Viele schöne Stunden‘ und ‚Gib mir doch’n Grund‘ (mit schwer Reggae-infiziertem Groove!) durchaus dem Deutschpop-Radio-Mainstream annähern und eigentlich nur vom engagierten Vortrag über den Durchschnitt erhoben werden. Alte Wolfsheim-Fans werden hier nicht mehr viel finden, was ihr finsteres Herz zum Beben bringt, Heppner bekennt sich mehr denn je klar zum puren Pop. Den bringt er auch ohne Frage oder Mühe jederzeit ins Ziel, zum Skippen lädt hier nicht ein einziger Song ein. Sofern man, wie erwähnt, nicht unbedingt irgendwelche Remineszensen an die „schwarze Szene“ (gibt’s die überhaupt noch?) erwartet. Auch die erneute Zusammenarbeit mit Joachim Witt auf ‚Was bleibt?‘ hat musikalisch gesehen wenig vom apokalyptischen Szenario ihres ersten gemeinsamen Hits ‚Die Flut‘, selbst wenn die Lyrics dem mit lakonischen Überlegungen zum Tod vehement widersprechen.

Das zweite Album „Tanzzwang“ ist das extrovertiertere von beiden, klar dem Thema geschuldet. Der Opener ‚… und ich tanz‘ (Latches Mix)‘ funktioniert dabei mit am Besten, da die Beats sich hier dem Song unterordnen. Auch Apoptygma Berzerk und Schiller liefen gewohnt gute und jeweils für sie urtypische Arbeit ab – gerade der Apoptygma Berzerk-Mix von ‚All Is Shadow‘ erinnert dann doch an die ollen Wolfsheim und macht Hoffnung auf eventuelle weitere Kollaborationen von Heppner und APB. Gelegentlich aber, beispielsweise beim VIZE-Mix von ‚Fremd in diesem Land (feat. Volkan)‘ greife nicht alle Elemente nahtlos ineinander – natürlich aber ein typisches Problem von Remixalben. Als interessantes „What if?“, das den typischen, aber eben auch ein wenig eingefahrenen Heppner-Sound durch die Kollaborationen mit anderen Künstlern auffrischt, ist „Tanzzwang“ aber fraglos auch eine lohnenswerte Sache für Fans des Hamburgers.

Seinen Fans wird dieser Doppelschlag also mit Sicherheit schmecken, und Heppner hat es durchaus auch verdient, sich den Mainstream noch einmal „abzugreifen“ – denn auch Mainstream-Musik hat ihre Berechtigung, wenn sie qualitativ hochwertig und mit genügend eigenen Ideen und Charakter gemacht wurde. Und genau das ist es, was Peter Heppner hier bietet – nicht mehr und nicht weniger. Feine Sache.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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