NEAL MORSE erzählt Details zum neuen, Prog-freien Album

Als der Verfasser dieser Zeilen den noch unbekannten Neal Morse zum ersten Mal hörte, war das Mitte der 1990er in einem lokalen Irish Pub – und auf einen zukünftigen Mitbegründer des Progressive-Rock-Booms deutete nicht viel hin, als Neal da alleine mit seiner Akustischen Songs der Beatles und andere „Pubschraddel-Essentials“ darbot. Aber, wie langjährige Follower wissen, neben seinen progressiven Arbeiten mit Spock’s Beard, Transatlantic und der Neal Morse Band hat der Kalifornier auch schon früher eher an Folk, Country und Rock orientierte Scheiben wie „It’s Too Late“ oder „Songs From The Highway“ veröffentlicht. Mit „Life And Times“ steht am 16.Februar 2018 das nächste Album des Singer-/Songwriters Neal Morse an – und ist mindestens genauso gut und hörenswert wie das Material des Prog-Helden Neal Morse.

„Ich habe nicht mit der Musik angefangen, weil ich den Erfolg suchte. Ich habe mit der Musik angefangen, weil ich sie liebte. Es gab für mich nichts anderes. Nichts hat mich so bewegt wie Musik, und ich habe immer gehofft, dass ich die Menschen so berühren kann wie sie mich berührt.“

erklärt Neal Morse.

„Ich habe viele schwierige Zeiten hinter mir und bin im Moment ziemlich zufrieden mit meinem Leben. In manchen meiner Songs klingt das durch.“

Viele Stücke seines neuen, akustisch orientierten Singer/Songwriter-Albums hat er während der „The Road Called Home“ Tour 2017 geschrieben, einige sind von den Orten inspiriert, die er gesehen hat, andere von der gemeinsamen Zeit mit seiner Familie.

So ist ‚Manchester‘ das musikalische Porträt einer echten Seltenheit: einem sonnigen Tag in Manchester/England, an dem Morse in einem Coffeeshop saß und die Welt an sich vorbeiziehen ließ. ‚Selfie in The Square‘ beschreibt seine Eindrücke in Luxemburg: die Kirchenglocken, spielende Kinder – und welchen Unterschied es macht, solche Erlebnisse teilen zu können.

„Luxemburg war wirklich schön, aber wenn meine Frau dabei gewesen wäre, hätte es sich wie Urlaub angefühlt. Also habe ich einen Song darüber geschrieben und ihn ihr geschickt.“

Einige dieser Momentaufnahmen spiegeln auch die Gefühle anderer Menschen. In ‚Joanna‘ geht es um seinen Sohn und dessen Schmerz über eine Trennung, ergreifend ist ‚He Died At Home‘, das die Trauer einer Mutter über ihren Sohn, einen Soldaten, beschreibt.

„Ich hatte für den Mitbewohner eines Freundes gebetet, einen Ex-Soldaten mit persönlichen Problemen. Als wir in Paris auftraten, erhielt ich morgens die Nachricht, dass er gestorben war. Als ich dann begann, die Ideen für einen Song über ihn zu entwickeln, erinnerte ich mich an eine Begegnung auf einer Militärbasis in Tennessee. Dort sollten wir für die Männer beten, denn fast jede Woche gab es dort eine Beerdigung von jemandem, der „zuhause gestorben ist“

.

Die Kraft dieses Songs hat die Menschen auf eine Art und Weise bewegt, wie es Neal Morse nie erwartet hätte.

„Als ich die Idee für den Song hatte, habe ich im Netz über Selbstmorde von Soldaten recherchiert und fand einen Artikel über einen jungen Soldaten namens William Busbee. Er war 2012 aus Afghanistan zurückgekehrt und hatte dann Selbstmord begangen. Der Regisseur des Videos hat dann Libby Busbee, die Mutter des Toten angesprochen; sie hat den Song gehört und war so berührt, dass sie Fotos von William für das Video zur Verfügung gestellt hat.“

Auch auf dem Morsefest 2017, wo der Song seine Premiere hatte, wurde er zum Tagesgespräch.

Neal Morse hofft nun, dass sich im Jahr 2018 weitere Menschen in Europa und den USA während seiner „absolutely solo“-Auftritte in Cafés und kleineren Veranstaltungsorten von seinen Songs berühren lassen. Dabei legt er Wert darauf, dass nur wenige Songs des neuen Albums traurig sind.

„Eines der Dinge, die ich in diesem Stadium meines Lebens genieße, ist, dass Musik dich glücklich macht.“

Einige der Stücke – insbesondere “Living Lightly” und “Lay Low” – gehören ganz bestimmt in diese Kategorie.

Wer von Weihnachten noch nicht die Nase voll hat, kann sich im folgenden, auf Neals YouTube-Seite veröffentlichten, kompletten Livemitschnitt eines intimen Weihnachtsgigs von Neals Qualitäten im akustischen Setting überzeugen – auch wenn’s am Ende dann doch noch ein wenig Prog gibt…

Fotos: Joey Pippin

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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