KVELERTAK – Die Schlacht im Schlachthof

Es verspricht, ein lauter, harter und schneller Abend zu werden. Die norwegische Truppe Kvelertak hat im Bremer Schlachthof ihr Kommen angekündigt, und viele sind dem Ruf gefolgt. Die Jungs sind als kompromisslose Live-Band bekannt und versprechen Hardcore, Punk und Metal in einer energetischen Show. Da lassen auch wir uns nicht zweimal bitten und stürzen uns mit Kamera und Notizblock ins Getümmel.

Kvelertak haben vor wenigen Wochen ihr viertes Studioalbum „Splid“  veröffentlicht. Die Skandinavier mit Frontmann Ivar Nikolaisen sind damit offenbar sehr erfolgreich, denn viele Veranstalter melden für die Tour bereits „ausverkauft“. Nach Shows in Norwegen und Dänemark ist das Bremer Konzert heute der Auftakt für die aktuellen Auftritte in Deutschland. Die Livequalitäten der Band haben sich durch unzählige Auftritte in Clubs und Festivals längst herumgesprochen, und so ist die Kesselhalle des Schlachthofs schnell gut gefüllt, wenn auch nicht ausverkauft. Rund 700 Fans versammeln sich vor der Bühne und auf den Tribünen in der alten Industriearchitektur. An den beiden Theken dürfte heute auch so einiges an Bier und anderen Getränken umgesetzt werden.

Opener: Blood Command und Planet Of Zeus

Zunächst einmal stehen zwei Vorgruppen auf dem Programm. Blood Command kommen wie der Headliner aus Norwegen und liefern eine lustige und wilde Mischung aus Hardcore, Punk und Deathpop ab. Die Band um Frontfrau Karina Ljone macht Laune. Besonders sticht das rechts auf der Bühne stehende Doppelpack Gitarre / Bass ins Auge. Die beiden agilen Musiker sind ständig in Bewegung, springen, reißen die Beine in die Luft und haben sichtlich Spaß an ihrer Performance. So etwas überträgt sich schnell auf das Publikum. Die Menge wird schon mal in Partylaune versetzt, die Halle vorgeheizt. Mission erfüllt.

Als zweiter Opener sind Planet Of Zeus aus Athen mit dabei. Das griechische Quartett kommt sehr sympathisch rüber und animiert das Publikum schnell zum Tanzen. Sänger und Gitarrist Babis Papanikolaou bekundet mehrmals, wie sehr er sich freut, heute hier zu sein und lässt sich vom Bremer Publikum erklären, wie man den Namen der Hansestadt richtig ausspricht.

Die Musik ist ein stylischer Mix irgendwo zwischen Southern Rock und Metal, als würden Lynyrd Skynyrd auf Mastodon treffen. Das groovt extrem und prescht unaufhaltsam vorwärts. Dafür wird die Band lautstark und wild abgefeiert. Planet Of Zeus machen sich mit dem gelungenen Auftritt ganz sicher viele neue Freunde.

Kvelertak: Im Würgegriff der Eule

Dann gibt es aber kein Halten mehr. Offiziell übersetzt bedeutete Kvelertak in etwa Würgegriff. Allerdings gibt es auch immer wieder Stimmen, die behaupten, dass es auch Eulenpimmel heißen könnte. Passt schon, denn als Bühnendeko haben die Norweger eine ganze Reihe von Eulenfiguren mitgebracht. „Im Würgegriff des Eulenpenis“ hört sich allerdings nach einem bizarren Pornotitel an, darum konzentrieren wir uns heute lieber auf den Würgegriff der Musik. Dieser schnappt sofort zu. Trash-Punk, Hardcore, Rock’n’Roll und Death Metal werden den Fans mit einem harten Gitarrenbrett rechts und links um die Ohren gehauen.

Wie auf dem neuen Longplayer „Splid“ geht die Show los mit ‚Rogaland‘, darauf folgt direkt ‚Crack Of Doom‘. Der Song funktioniert auch ohne Mastodon-Sänger Troy Sanders, der hier bekanntlich auf dem Album mit dabei war. Die Norweger verstehen es, Hooklines und Eingängigkeit mit Punkriffs und düsteren Metal-Attacken zu kombinieren. Seit 2018 neu dabei: Frontmann Ivar Nikolaisen, der die überwiegend pessimistischen Texte in seiner Heimatsprache, in wenigen Ausnahmen aber auch auf Englisch in die Menge schreit. Dabei geht es äußerst bewegungsintensiv zur Sache, und man fragt sich oft, wie gut dieser Mann trainiert haben muss, damit seine Stimmbänder und die Nackenmuskeln diese Strapazen bis zum Ende der Tour unbeschadet überstehen. Nach oben gestreckte Fäuste, immer wieder Tuchfühlung mit der ersten Reihe und ganz viel Bewegung auf der Bühne gehören bei Kvelertak zum guten Ton. Schließlich lässt es sich Nikolaisen am Ende auch nicht nehmen, als Stagediver ein Bad in der Menge zu genießen.

„We are here to celebrate…ourselves!“ erklärt Nikolaisen zurecht  selbstbewußt. Die Menge hat nichts gegen diese Selbstbeweihräucherung. Kvelertak lassen sich gerne anbeten: „We are your golden calf!“

Neben den Eskapaden des Sängers fällt auch die tight spielende Rhythmus-Fraktion mit dem Bassisten Marvin Nygaard und Håvard Takle Ohr am Schlagzeug positiv auf. Gleich drei Gitarren liefern eine wuchtige Wall of Sound ab. Bedient werden sie von Vidar Landa, Bjarte Lund Rolland und Maciek Ofstad, die einen tollen Sound abliefern, sich sonst aber überwiegend im Hintergrund halten. Die Show gehört ganz klar und nahezu allein dem Frontmann.

Gespielt wird Material aus allen vier Alben, wobei die neuen Nummern erwartungsgemäß die Setlist dominieren, aber insgesamt wird der gesamte Songkatalog angemessen bedient. Im Finale schwenkt Ivar Nikolaisen die große schwarze Fahne über die Köpfe der Fans. Zwei Zugaben gibt es, bevor die Band ohne weitere Abschiedsworte oder lange Verbeugungen von der Bühne verschwindet und der Abend leider etwas abrupt endet. Spaß gemacht hat es aber auf jeden Fall, und damit dürfen alle Beteiligten das Konzert als Erfolg verbuchen.

Setlist Kvelertak, Schlachthof Bremen, 27.02.2020:

Rogaland
Crack Of Doom
Bruane Brenn
Necrosoft
Discord
Nekroskop
1985
Stevnemote med Satan
Evig Vandrar
Ulvetid
Blodtorst
Berserkr
Mjod
Bratebrann

Fanden ta dette hull!
Kvelertak

Fotos: Michael Buch

Bandhomepage

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Michael

Michael kam über die Konzertfotografie zu Whiskey-Soda und verbindet das Bildermachen gerne mit Konzertberichten und CD-Rezensionen. Als Chefredakteur für den Bereich Bluesrock mag er aber auch viele aus dem Blues entsprungene Genres wie diverse Metal-Spielarten. Daneben landen gerne Progressive- und Classic Rock und Americana auf seinem Drehteller, bevorzugt auf klassischem Vinyl. Wenn dann noch Zeit bleibt, findet ihr Michael bevorzugt im (Heim)Kino oder natürlich irgendwo da draußen zum Fotografieren. 

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