Kennt Ihr schon… YOUTH OKAY?

Es kostet einiges an Kraft, Ausdauer und vor allen Dingen Mut, die alte Band aufzulösen und mit der frisch gegründeten Band einen kompletten Neustart hinzulegen - trotz erster Aufnahmen für ein Album. Ganz besonders wenn man es mit der alten Band bei über 300 Konzerten zu einer ordentlichen Fanbase gebracht hat. Wir haben bei Youth Okay nachgehakt wie das so ist mit dem selbstverordneten radikalen Umbruch.

Ihr habt euch trotz beachtlichen Erfolges mit eurer Vorgängerband Naked Superhero für einen musikalischen Neustart entschieden. Was hat euch neben der Chance auf einen neuen Bandnamen und der musikalischen Neuausrichtung veranlasst, den unbequemen Weg zu gehen?

Es hat einfach nicht mehr gepasst. Als wir das erste Mal zusammen Musik gemacht haben, war Krischtn, unser Trompeter, erst 13 Jahre alt und wurde noch von seinen Eltern zur Bandprobe gefahren. Damals hat Naked SuperHero noch gepasst, und wir hatten über viele Jahre eine großartige Zeit. Aber mit uns hat sich auch die Musik und die Themen, mit denen wir uns auseinandersetzen, Stück für Stück verändert. Als wir dann 2018 mit Flo und Lenny zwei fantastische neue Mitglieder in unsere Band bekamen, haben wir das endlich umgesetzt, was uns schon länger in der Brust brannte – YOUTH OKAY. Es hat sich für uns nie unbequem angefühlt, sondern einfach nur richtig. Wir sind unseren Fans unglaublich dankbar, dass sie diesen Weg mit uns zusammen gegangen sind.

Apropos Neustart. Ihr habt mit der Veröffentlichung eures Albums „Turns“ gleichzeitig ein Konzeptbuch herausgebracht. Wie kam es zu der Idee und wie konntet ihr euer Label davon überzeugen?

Es gibt viele Gründe für das Konzeptbuch. Ein Grund ist natürlich die schwierige Situation um den physischen Musikmarkt. Wir schaffen damit eine Alternative zur CD. Um Musik zu konsumieren, braucht man in der heutigen Zeit keine Datenträger mehr, aber viele Menschen nehmen sich gerade bei Live-Konzerten ein besonderes Erinnerungsstück an YOUTH OKAY mit. Genau dieses Gefühl soll unser Konzeptbuch vermitteln. Darin findet man neben den Songtexten und Bildern zur Entstehung des Albums auch Gedanken und Bilder von uns und anderen Künstlern zum Thema unseres Albums, der Depression. Das ist ein weiterer wichtiger Grund für das Konzeptbuch. Wir wollen damit auch anderen Menschen eine Plattform geben, auf der sie sich zu ihren persönlichen Erlebnissen und Schicksalsschlägen zu diesem Thema ausdrücken können. Denn kommunizieren hilft. Immer.

Dieses Konzept hat auch das Label überzeugt. Unser Label „Munich Warehouse“ ist großartig für DIY-Musiker, weil sie uns sehr viel Freiraum und Unterstützung in unseren Ideen und Wünschen geben.

Wie entstand die Idee den Bläsersound so stark abzuwandeln, bis es nach Synthesizer klingt?

Durch eine langweilige Pause während einer Bandprobe. Schon vor ein paar Jahren haben wir die Trompete einfach mal mit einem Tonabnehmer an das Effekt-Pedal der Gitarre gesteckt. Es klang furchtbar. Aber seitdem schwirrt uns immer noch die Idee von der Klangvielfalt klassischer Instrumente durch den Kopf. Eine Trompete und eine Posaune können so viel mehr als nur eine Hand voll Sounds erzeugen. Es ist verdammt kompliziert, noch viel schwerer als wir es erwartet hätten, aber die ersten Ergebnisse kann man schon auf „Turns“ genießen. Wir sind nach wie vor erst am Anfang, aber das Ziel sind elektrische Sounds mit einer menschlichen Seele.

Auf „Turns“ ist Depression ein zentrales Thema, auch durch die persönlichen Erfahrungen damit. Wie hart ist es, immer wieder aufs Neue diese schmerzhaften Erinnerungen hervorzuholen?

Es fällt mir in letzter Zeit immer leichter über dieses Thema zu reden. In der Entstehungsphase von „Turns“ war es schmerzhafter, als ich erwartet hatte. Ich habe davor noch nie Songs über meine persönlichen Erlebnisse geschrieben. Meine engsten Freunde kannten die Geschichte über meine manisch-depressive Mutter, die sich vor einigen Jahren das Leben nahm, aber es ist etwas ganz anderes darüber zu schreiben. Die Emotionen, die mit diesen Erinnerungen verbunden sind, finden in der Musik einen viel stärkeren Ausdruck. Und die Vorstellung, dann noch mit diesem Album in die Öffentlichkeit zu gehen, war anfangs sehr schwer für mich. Aber wie ich es selbst in den Texten schreibe und bei Konzerten sage: Reden hilft. Das habe ich im letzten Jahr persönlich durchlebt. Mit vielen fremden Menschen meine Geschichte zu teilen mag auf den ersten Blick furchteinflößend wirken, aber es ist einfach nur befreiend.

Eure Fans haben den Wandel scheinbar sehr gerne mit euch vollzogen, die Release-Tour war gut besucht – was erhofft ihr euch von 2020?

Wir werden weiter einige kleine Releases veröffentlichen und an unserem nächsten Album schreiben. Im Frühjahr wird es vereinzelte Konzerte und Support-Shows geben, und im Sommer könnt ihr YOUTH OKAY auf vielen Festivals hören. Denn das ist das, was wir uns immer am meisten wünschen. Mit euch einen geilen Abend zu verbringen und Bühnen abzureißen.

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Fotocredit: Paul Ambrusch

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