Enter Shikari – Ein Konzert mit leichter Erdbebenstärke

Selten hat dieser Hallenboden so stark vibriert wie an diesem Donnerstagabend. Unter dem Gewicht einer wogenden Masse, die so ausgelassen und wie ein ganzer Körper tanzt und springt, als wolle man eine wummernde, basslastige Botschaft nicht nur an die Zocker im Casinos nebenan und die ganze Neuköllner Nachbarschaft schicken, sondern gleich noch in den Äther.


Bild1_Web.JPG „Eingeladen hat das Huxleys Neue Welt in Berlin-Neukölln an diesem 25. März 2016 zu einem unvergesslichen musikalischen Spektakel: Die britischen Trancecore-Ikonen von Enter Shikari besuchen auf ihrer ‚The Mindsweep Tour Europe 2016‘ natürlich auch wieder deutsche Spielstätten. Im Falle Berlins, wo sie ein Jahr zuvor noch im Kesselhaus gespielt hatten, mussten sie sich nun eine größere Location suchen. Man gönnt ihnen den Erfolg von ganzem Herzen. Ihr einzigartiger Sound und ihre kritischen Texte haben eine gewaltige Ausstrahlungs- und Anziehungskraft und auf der Bühne verstehen sie es meisterhaft, ihre unerschöpfliche Energie zu transportieren – natürlich keine schmutzige Energie aus Atomkraft oder Kohle. Enter Shikari sind quasi der Windkraftpark der Post-Hardcore-Szene.

Im Gepäck haben sie zudem noch kräftige Unterstützung von der Insel mitgebracht. Modestep, eine Quartett aus London, erreichen das, wovon viele Support-Bands nur träumen können: Mit ihrem ‚Live-Dubstep‘, eine moderne Form des Drum’n’Bass, die mit harten Gitarrenriffs fusioniert, bringen sie schnell und professionell die ganze Halle auf Trab und zum Beben. Nicht wenige werden wohl nach dieser clubfähigen Einlage sofort nachschauen, wann Modestep nach Deutschland zurückkehren werden.

Nach einer halben Stunde ist man perfekt auf den Mainact eingestimmt, der schließlich selbst vor vielen Jahren elektronische Elemente für den Hardcore salonfähig gemacht hat. ‚Hallo Erdenbewohner‘ begrüßen Enter Shikari auf Deutsch die begeisterten Fans und starten nach einem kurzen Intro mit dem Song ‚Solidarity‘, der weiterhin eine ihrer wichtigsten Botschaften vermittelt. Sänger Roughton ‚Rou‘ Reynolds ist wie immer kaum zu bändigen. Dieses Mal ist er jedoch gnädig zu seinem Bühnentechniker, der sonst immer mit dem Mikrokabel hinter ihm herlaufen musste – über die Bühne, durch die Publikumsmenge und die Logen hinauf und hinunter. Rou hat sich nun mit einem kabellosen Mikro angefreundet, das ihn gleich umso mobiler macht. So können viele Fans live Enter Shikari nicht nur hören, sondern auch mal anfassen.

Bild2_Web.JPG „Der ausgesprochen gute Mix aus alten und neuen Songs mit perfekten Übergängen und kleinen Remix-Variationen wird auf der diesjährigen Tour umso mehr visuell unterstützt. Ein bühnengroßer Bildschirm zeigt wiederum, wie viel Mühe sich Enter Shikari bei ihren Auftritten machen, abgesehen von der Akustik und der abgestimmten Lichttechnik. Neben passenden Einspielern zu den Songs hat das britische Quartett sogar einen kleinen satirischen Spot gedreht, indem der als Nachrichtensprecher verkleidete Rou zur großen Begeisterung der Fans gegen Donald Trump und den britischen Premier Cameron wettert. Vor allem für Science-Fiction-Freunde sind schließlich die Weltraum-Animationen, passend zu ‚Mothership‘ oder zur neuesten Single ‚Redshift‘, ein großer Augenschmaus. Die Idee von ‚Redshift‘, sich einfach mal von den alltäglichen irdischen Problemen zu lösen, sich im Anblick des Alls zu verlieren und in den Sternen nach unserem Ursprung zu fragen, stößt bei den Fans auf so viel Zustimmung und Emotionen, dass sie auch nach dem Ende des Songs den Chor ‚Who-o-o-oho-hoo‘ nicht abbrechen lassen wollen.

Bild3_Web.JPG „Kaum ein Hemd bleibt an diesem Abend trocken, vielleicht auch manches Auge nicht. Eine ausgewogene Setlist, eine Band, die ihre Begeisterung auf das Publikum übertragen kann, sowie viel Liebe zum Detail bei diesem Konzert, das eher eine große Party ist, lassen wohl niemanden den Abend bereuen. Für diejenigen, die nicht genug bekommen können, bietet das WDR am Sonntag, 27. März, ab 21 Uhr einen Livestream vom Konzert in Köln.

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