Donots – Zwischen ZDF-Hitparade und guter Musik

Wer fast 25 Jahre auf den Bühnen dieser Welt zu den Guten gehört, der darf sich zurecht für das jüngste Platten-Baby feiern lassen. Welch frenetische Nadelstiche das bisweilen annimmt, darüber haben wir uns mit den Donots unterhalten. Und natürlich auch darüber, wie man sich inzwischen als Deutsch-Texter so fühlt. Und worüber unbedingt noch ein Song geschrieben werden muss. Und über Gin Tonic.

donots.jpeg „Nahezu die größte Tour aller Zeiten haben die Donots zu Ehren ihres jüngsten Machwerks ausgerufen, und das, wo es doch erst im nächsten Jahr das 25jährige Bestehen zu zelebrieren gilt. Und so gerät Ingo direkt ins Schwärmen.

’Die Livetaufe war unbeschreiblich gut. So, dass man es eigentlich gar nicht glauben kann wie gut. Allerorten ist das Feedback so ultrafrenetisch.’

Und Jan-Dirk ergänzt:

’Wir haben auf der Setlist unfassbar viele neue Songs. Die Leute kennen ja mehr die alten Songs und feiern die mehr ab. Stimmungsmäßig ist es immer besser wenn man nicht so viele neue Songs spielt. Wir haben jetzt 10 oder 11 neue Songs in der Setlist und das hat trotzdem super funktioniert. Das ist schon ein Lob an die Platte.’

Welche Ausmaße diese Donot‘sche Lobhudelei annimmt berichtet Ingo.

’Mittlerweile bekommen wir auch als Feedback, dass sich Leute Textzeilen tätowieren lassen. Das ist eine ganz schöne Verantwortung, die du da aufgedrückt bekommst. Ich hoffe dann immer, dass wir die niemals enttäuschen.‘

Und wie um das eben gesagte zu untermauern, erklärt uns Ingo die Tattoos seiner musikalischen Helden, True Faith von New Order

’der Song, der den Schalter umgelegt hat zwischen ZDF-Hitparade und guter Musik.’

Wer die Donots während ihrer letzten Tourneen das ein oder andere Mal besucht hat und einigermaßen zählen kann, dem wird aufgefallen sein, dass auf der Bühne nur noch die fünf Donots themselves herumspringen, und keine Verstärkung mehr dabei ist.

’Eigentlich sollte uns Robin [Völkert] auch noch bei dieser Tour begleiten’

erzählt Jan-Dirk,

’aber er hat jetzt eine Festanstellung bekommen und uns leider verlassen. Robin war superwichtig für den Sound der Platte. Er ist einfach ein musikalisches Genie.’

und Ingo ergänzt noch:

’Robin hat sich ja in diversen Hardcorekapellen und Produktionen seine Sporen verdient. Er hat dieses absolute Gehör.’

Doch trotz mittlerweile eigenem Studio, ist es gar nicht so einfach eine Platte abzuschließen, trotz oder gerade wegen des Zeitkorsetts, welches dennoch dahinter hängt.

’Der Knoten platzt immer dann, wenn man weiß was der Opener und das letzte Lied wird. Wenn man damit ausgelotet hat, was die beiden Extreme sind, bzw. der Start- und Endpunkt, dann fällt einem ziemlich schnell ein, was für Zutaten man für den Rest des Albums braucht. Der Opener muss die Visitenkarte des Albums sein und sagen: Das sind die Karten die wir ausspielen’

, so Ingo.

Nach dem großen Erfolg der ‚Karacho‘ und ‚Lauter als Bomben‘-Platten, die beide auf Deutsch erschienen sind, stellt sich die Frage, was denn für die Zukunft die Sprache der Donots ist, soweit es da überhaupt schon Festlegungen gibt.

’Wir wissen gerade noch nicht in welcher Sprache die nächste Platte erscheinen wird’

erklärt Jan-Dirk.

’Irgendwo zwischen Deutsch und Englisch wird es passieren’

fügt Ingo grinsend hinzu und erläutert:

’Es wäre schon der Plan ‚Lauter als Bomben‘ auch auf Englisch zu veröffentlichen, aber die Zeit fehlt. Man hat zwar ein eigenes Studio und damit alle Möglichkeiten, aber bisher sind wir nur am Arbeiten. Außerdem haben wir mittlerweile sieben Bandkinder die rechtmäßigerweise ihre Zeit einklagen. Ich habe damals die Texte simultan übersetzt, also jeweils einmal auf Deutsch und Englisch getextet, aber die seit dem letzten Sommer nicht mehr angeguckt.’

Und Jan-Dirk erklärt den ganz eigenen Charme dieser Herangehensweise:

’Es ist spannend sich auf diese Art und Weise nochmal neu mit den Texten auseinanderzusetzen. Da wir ja erst auf Deutsch und dann auf Englisch texten, ist das nochmal ein ganz anderer Text als wenn man gleich auf Englisch texten würde.’

Das Paradebeispiel zur deutsch-englisch musikalischen Völkerverständigung ist die Flogging Molly Cruise, an der die Donots 2016 teilnahmen. Ingo erklärt das Schmelzen der Sprachbarriere so:

’Wir haben hauptsächlich auf Englisch gespielt, nur z.B. ‚Problem kein Problem‘ auf Deutsch und das fanden die Amerikaner interessant. Ich glaube, wenn Leute betrunken genug sind ist das sowieso egal. Die Broilers machen jetzt im April diese Cruise und haben ein bißchen Angst davor ob sie da ankommen mit den deutschen Texten.’

DONOTS__2__c_DENNIS_DIRKSEN_klein.jpg „Was man auf Platten der Donots auch immer gerne findet ist ein bunter Strauß voll kleiner und größerer Referenzen, eine Leidenschaft die Ingo gerne pflegt, wie er uns erzählt.

’Ich liebe das total, wenn es Referenzen gibt. Später schwingt für die Leute, die es wissen, dann gleich viel mehr Gefühl mit. Wenn man sich eine Pascow Platte anhört, wo Bezug auf Castle Rock genommen wird, bekommt man sofort so ein Stand By Me-Gefühl. Ich bin da echt leicht zu kriegen. ‚Der Trick mit dem Fliegen‘ ist ja eigentlich nur die Vertonung von Per Anhalter durch die Galaxis. Was muss man tun um zu fliegen – du schmeißt dich auf den Boden und landest daneben. Die Idee fand ich so genial, da muss man mal einen Song daraus machen.’

Und woraus man ebenfalls noch unbedingt einen Song machen muss, der bislang nur als Idee umherschwirrt ist

’’Oh clever, clever, where‘s your heart‘ – das ist immer noch meine Lieblingszeile von Jawbreaker. Das will ich immer noch mal einbauen. Irgendwann muss das passieren, ich liebe diesen Satz.‘

Bei 24 Jahren Bandgeschichte und gegenseitigem noch immer lieb haben ist alles eigentlich doch ganz einfach, wie Jan-Dirk erklärt:

’Wir haben nur den Anspruch an uns, dass wir ehrlich sind, ein gutes Bauchgefühl und Spaß an der Sache haben. Das schlimmste was es gibt sind Bands, die keinen Bock mehr haben, und es nur machen weil sie es müssen. Das ist der Punkt wo wir selbst etwas anderes machen würden. Der Motor ist immer noch der Spaß bei der Sache.’

Offensichtlich machen die Donots im nächsten Jahr das Vierteljahrhundert voll und so manch eine Feierlichkeit ist aus dem Bandlager bereits nach draußen gedrungen. Ist ja auch klar wo sich doch

’ein Westfale nicht mit einer Party zufriedengibt.’

DONOTS__4__c_DENNIS_DIRKSEN_klein.jpg „Doch bei aller Vorfreude auf das Feierjahr und dem Genuss der aktuellen Tour bei Band und Publikum gleichermaßen, schwingen auch bei den Donots ernste Töne mit, wenn es um den jüngsten Rechtsruck der Gesellschaft geht.

’Wenn die Leute kommen um einfach den Kopf auszuschalten – herzlich willkommen. Wenn sie aber mehr wissen wollen, haben wir Infostände dabei von Viva con Aqua, Kein Bock auf Nazis, usw. Auch Gästelistenspenden sammeln wir ganz nebenher. Wenn du eine Band bist, die aus einer Subkultur kommt, finde ich das angebracht. Der Grundgedanke ist immer Entertainment, Eskapismus – der Weg raus aus dem Alltag. Wenn aber ein Weg rein in den Subtext mitschwingt, ist das auch geil. Auf der einen Seite haben wir diese soziale Agenda, auf der anderen Seite feiern wie die guten Zeiten.‘

erklärt Ingo und führt weiter aus

’Ich glaube nicht, dass sich jede Band in Texten positionieren muss, aber ich finde es fürchterlich, wenn sie sich in Interviews herauswieseln und Grönland spielen, nur weil es nicht wirtschaftlich ist. Vielleicht muss man auch erst die nötige Reife haben, um mit diesem Selbstverständnis dazustehen, um zu reflektieren, was mit dem eigenen Sprachrohr überhaupt möglich ist.’

Obwohl das Interview damit eigentlich am Ende ist, bestehen die Donots darauf, dass wir über eine Umbenennung unseres Magazins nachdenken, denn

’wir trinken deutlich lieber Gin Tonic als Whiskey-Soda. Wollt ihr euch nicht umbenennen?’

Also gut. Von Herzen für die Donots: Whiskey-Soda präsentiert: Gin Tonic.

Fotocredits Bild 2 und 3: Dennis Dirksen

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