Chadwick Stokes – ‚Ich bin extrem dankbar.‘

Musiker, Aktivist, Familienvater - Chadwick Stokes ist ein umtriebiges Kerlchen, das all seine Projekte mit einer ordentlichen Portion Leidenschaft angeht. Auf der Bühne ist der sonst so zurückhaltende Bostoner ein Energiebündel, und wenn Stokes über die Arbeit in seiner eigenen NGO 'Calling All Crows' spricht, tut er das mit so viel Nachdruck, dass kein Zweifel besteht: Der Mann meint es ernst mit dem Welt retten! Kommt die Sprache allerdings auf seine beiden kleinen Kinder, wird er sofort weich - und wünscht sich ab und an eine Prise Kokain, um mit den Mini-Wirbelwinden mithalten zu können. Wir trafen Chad in München, um mit ihm über seine aktuelle Platte 'The Horse Comanche' und die wichtigen Dinge im Leben zu sprechen.

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Bevor Du ‚The Horse Comanche‘ aufgenommen hast, bist Du durch diverse Wohnzimmer getourt, um Deine neuen Songs zu schreiben und vor Publikum zu testen. Was war Dein schönstes Erlebnis dabei?

Ich traf eine Familie mit acht Kindern, von denen einige in einer Dispatch [Chads erste Band, Anm. d. Red.]-Coverband spielten. Sie performten später ‚Elias‘ mit mir.

Auf ‚The Horse Comanche‘ finden sich die unterschiedlichsten Musikrichtungen. Wie kommts?

Ich mag einfach viele Musikrichtungen, die dann auch den Weg auf die Platte finden.

Der Titelsong ‚Horse Comanche‘ handelt von dem großen Abenteuer, das wir Leben nennen. Was meinst Du: Welche großen Abenteuer warten noch auf Dich?

Aktuell ist es die Vaterschaft – und mit meiner Frau verheiratet zu sein! Das ist an und für sich schon ein Abenteuer. (lacht) Früher bedeutete Abenteuer, in einer Band zu spielen und zu glauben, man sei Mitglied eines Piratenzirkus‘. Das wurde dann vom Reisen auf Güterzügen abgelöst.

In ‚I Want You Like A Seatbelt‘ wünsch sich jemand sehnlichst, bei seinem Partner zu sein. Wie bringst Du das Tourleben und die Familie unter einen Hut?

Das ist eine echte Herausforderung. Es ist schwer, morgens zur gewohnten Zeit der Kinder aufzustehen. Gott sei Dank gibt es Kokain! (lacht)

Wen besingst Du in ‚Prison Blue Eyes‘?

Meine beiden Kleinen, Frida und ElieVan.

‚Walter (First Hello)‘ handelt von einem Mann, der einfach nur wahrgenommen und respektiert werden will. Singst Du über jemanden, den Du kennst?

Ich habe die Person nie getroffen, aber mein Freund Tiago hat mir von Walter erzählt. Er schrieb eine Kindergeschichte über ihn, die ‚Walter’s Flying Bus‘ heißt.

Du bist inzwischen selbst Vater. Wie haben Deine Kinder Deine Sicht auf die Welt verändert?

Sie bewirken, dass ich wirklich Hoffnung für die Zukunft unseres Planeten haben will.

Wie beeinflussen die Knirpse Deine Arbeit?

Wenn ich Demos aufnehme, schreien sie in den Rekorder! (lacht).

In Deinen Songs forderst Du andere auf, sich zu engagieren. Es gibt aber immer wieder Leute, denen ihre Mitmenschen egal sind. Wie würdest Du so jemanden zum Handeln bewegen?

Ich würde versuchen der Person zu erklären, dass wir ohne unsere Mitmenschen nichts sind. Man muss versuchen, sich in andere hineinzuversetzen.

Wenn Du an Deine sozialen Projekte zurückdenkst: Was war das bislang frustrierendste, was das erfreulichste Erlebnis?

Traurig und frustrierend war es, als Troy Davis hingerichtet wurde. [Der Afroamerikaner wurde wegen Mordes an einem weißen Polizisten verurteilt und 2011 trotz erheblicher Zweifel an seiner Schuld exekutiert. – Anm. d. Red.] Erfreulich ist, dass die Homo-Ehe immer mehr Akzeptanz erfährt.

Als wir uns vor einigen Jahren zum ersten Mal unterhielten, hast Du von Deinem Projekt im Flüchtlingscamp Darfur im Sudan erzählt, das Frauen unterstützen sollte. Was ist daraus geworden?

Wir haben 100.000 Dollar gesammelt und konnten damit 5.000 Öfen zu je 20 Dollar kaufen. So müssen die Frauen nicht mehr wegen Feuerholz das Camp verlassen und ihr Leben riskieren.

Was machst Du, um nicht an den Problemen dieser Welt zu verzweifeln?

Ich denke an all die Menschen die versuchen, sie zu einem besseren Ort zu machen.

Du wirkst wie jemand, der mit sich und seinem Leben komplett im Einklang ist. Was würdest Du Leuten raten, die ihren inneren Frieden noch finden müssen?

Ich denke, ich würde ihnen raten, zu meditieren. Allerdings war ich selbst damit nicht sehr erfolgreich … Ich weiß nicht, ob ich jemals völlig mit mir im Einklang sein werde, aber ich bin extrem dankbar. Ich denke, man sollte es ruhig angehen lassen – oder es zumindest versuchen.

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