Brutus – Unison Life

„Was wäre wenn…?“ „Wo würden wir heute ohne das große C stehen?“ Diese Fragen stellen sich sicher viele Bands und Kulturschaffende. So ergeht es auch den belgischen Prog-Post-Hardcore-Rocker*innen von Brutus. Mit ihrem 2019 erschienenen zweiten Album „Nest“ waren sie gerade auf dem Weg nach oben: Die Streamingzahlen stiegen und die Konzertlocations wurden dank ihrer energetischen Liveshows deutlich größer. Doch die Gruppe wurde durch die Pandemie ausgebremst. Nun kann das Trio bei der Veröffentlichung der neuen Platte „Unison Life“ (Hassle) gar nicht mehr einschätzen, wo es steht.

Das merkt man „Unison Life“ jedoch nicht an. Verwirrungen oder Unsicherheiten sind nicht zu hören. Stattdessen scheinen die drei Belgier*innen ihren Weg konsequent und als ob nichts gewesen wäre fortzusetzen. Das 2017er Debüt „Burst“ war zwar voller Energie, wirkte zuweilen allerdings etwas ungestüm und führte die Zuhörenden teilweise an ihre eigene Grenze des Ertragbaren. Der Nachfolger „Nest“ war bereits deutlich strukturierter. Nun geben Brutus ihren Songs noch mehr Raum zum Atmen. Das führt zu klareren Songstrukturen und einer Steigerung der instrumentalen Post-Rock-Anteile. Hin und wieder lässt sogar ein bisschen Shoegaze grüßen. Musikalisch erreichen Brutus dabei für sich neue Höchstsphären. Die Melodien sind so auf den Punkt wie bisher noch nicht in ihrer Diskogrpahie.

Das führt dazu, dass UpTempo-Stücke und Wutausbrücke wie in „Brave“, „Dust“, „Liar“, „Chainlife“, „Desert Life“ seltener als auf den beiden Vorgängerscheiben auftreten und bewusst als künstlerisches Akzent gesetzt werden. Schlagzeugerin und Sängerin Stefanie Mannaerts wirkt nicht mehr so als würde sie um ihr Leben trommeln und schreien. Das steht ihr gut zu Gesicht. Vor allem in „What Have We Done“ zeigt sie eine neue Form der Emotionalität, die der Musik eine neue Tragweite verleiht. Die dichtgedrängte düstere Atmosphäre des Albums kann sich voll entfalten.

„Union Life“ ist einer der großen Hinhörer des Jahres. Brutus schaffen einen perfekten Spagat zwischen Wut und Aggression, emotionaler Tiefe und musikalischem Anspruch. Es ist moderne progressive Musik auf höchstem Niveau. Es bleibt nur zu hoffen, dass sie ihren verdienten Aufstieg nun nach der Pandemie fortsetzen. Verdient hätten sie es!

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Dominik

Groß geworden mit Punkrock und Power-Metal, weiterentwickelt mit Alternative und Thrash-Metal, erwachsen geworden mit ein bisschen Progressive-Metal. Und dennoch bleiben die All-Time-Favorites klassisch: Bad Religion, Die Toten Hosen, Machine Head, Iron Maiden, Blind Guardian, Faith No More.... und aus unerfindlichen Gründen mit einer heimlichen Zuneigung zu J.B.O. 

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