2020 hatte den Blues – Michaels Jahresrückblick

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, wieder einmal wird es Zeit für die obligatorischen (musikalischen) Rückblick. Wenn mir jemand Anfang 2020 gesagt hätte, dass ich nur eine handvoll Konzerte besuchen würde, hätte ich das wohl kaum geglaubt. Ich vermisse Live-Gigs, vermisse das Fotografieren der Bands, vermisse die Energie im Publikum, die man nur bei einem guten Konzert hautnah erleben kann. Aber was soll's, trotz (oder gerade wegen?) dieser gravierenden Einschneidungen hat das vergangene Jahr viele Künstler doch zu großen Leistungen inspiriert.

Trotz fehlender Live-Gigs, sind 2020 viele spannende Neuerscheinungen zu verbuchen gewesen, doch die Auswahl fiel nicht leicht, war ich doch wie immer in vielen Genres zu Hause. Aber ich versuche es mal:

Blues-Album des Jahres

„My Blues Pathway“  war für mich nicht nur eine Überraschung, weil ich den Künstler Kirk Fletcher vorher so überhaupt nicht auf dem Zettel hatte, sondern insbesondere wegen der unbändigen Energie, die Fletchers Performance auf der Scheibe hat. Sicher, Energie und Spielfreude hört man auch bei Joe Bonamassa, der 2020 mit „Royal Tea“  auch ein tolles neues Album veröffentlicht hat, aber was „My Blues Pathway“ so einzigartig macht, sind der Soul und die mit jeder Note spürbare Hingabe, mit der Fletcher hier den Blues(rock) zelebriert. Damit spielt er sich an die Spitze meiner persönlichen Lieblingsalben des Jahres. Herzlichen Glückwunsch!

Prog-Album des Jahres

Die Franzosen von Lazuli hätten eigentlich im Frühjahr auch auf Tour zu uns kommen wollen, um ihre neuen Platte „Le Fantastique Envol De Dieter Böhm“ live vorzustellen. Corona sei Dank blieb uns nur ein mit der Band geführtes Interview , um zumindest etwas in die tolle Musik der Band abzutauchen. Lazuli laden ein zum Fliegen, zum Träumen, zum Vergessen mit Musik, die sich nicht in Kategorien sperren lässt. Rock und Prog treffen auf Chanson, Folk und Weltmusik, und Dieter Böhm hebt dazu ab. Wir freuen uns auf das nächste Jahr und die hoffentlich dann stattfindende Tour.

Live-Gig des Jahres

In einem Jahr, in dem es quasi nur zwei Monate lang Konzerte gegeben hat, stehen nur wenige Gigs in der Auswahl zum „Konzert des Jahres“. Was hatte ich mich auch dieses Jahr – wie immer – auf den Sommer und das legendäre Night Of The Prog Festival an der Loreley gefreut. Wenn die Dinge anders gekommen wären, würde ich jetzt hier vermutlich von der Ayreon Live-Show schwärmen oder Bruce Dickinsons Auftritt mit Iron Maiden im heimischen Bremen. So aber war für mich der Auftritt von Coogans Bluff in Oldenburg das Live-Highlight des Jahre. Ausverkaufte Halle, tolle Stimmung auf der Bühne und im Publikum, fesselnde Darbietung über alle Genre-Grenzen hinweg – so sah im Februar ein gelungener Konzertabend aus! 

2020 – Die Rückkehr der großen Rocklegenden

Auch die großen Legenden des Rocks haben sich 2020 zurückgemeldet. Die neuen Alben von AC/DC und Deep Purple konnten mal mehr, mal weniger überzeugen – zumindest mich. „Whoosh!“ von Deep Purple landete auch nach der Rezension noch häufig im Player, während mich „PWR UP!“ der australischen Stromexperten nur bedingt überzeugen konnte. Aber wer hätte gedacht, dass Deep Purple im Jahre 2020 noch einmal einen solch großartigen Output veröffentlichen würden? Damit war die Welt auch bei den Großen wieder in Ordnung, zumindest für eine Albumlänge.

Und sonst noch?

Ob Southern Rock oder auch Singer / Songwriter: 2020 hielt weitere kleine Perlen bereit, bei denen es schwer fiel, einen Favouriten zu nennen. So zum Beispiel die neuen Werke von Jonathan Hultén oder Gill Landry, oder auch die Alben der Allman Betts Band oder der norwegischen Rocker von The Dogs. 2020 war trotz aller Isolation sehr abwechslungsreich. Das ist eine gute Basis für 2021 – dann hoffentlich auch wieder mit Livemusik. Es gibt viel zum Nachholen.

Titelfoto: Michael Buch für Whiskey-Soda (Coogans Bluff)



Michael

Michael kam über die Konzertfotografie zu Whiskey-Soda und verbindet das Bildermachen gerne mit Konzertberichten und CD-Rezensionen. Als Chefredakteur für den Bereich Bluesrock mag er aber auch viele aus dem Blues entsprungene Genres wie diverse Metal-Spielarten. Daneben landen gerne Progressive- und Classic Rock und Americana auf seinem Drehteller, bevorzugt auf klassischem Vinyl. Wenn dann noch Zeit bleibt, findet ihr Michael bevorzugt im (Heim)Kino oder natürlich irgendwo da draußen zum Fotografieren. 

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