Magenta

We Are Legend

Nun, eines vorweg: die Überraschung, die Rob Reed für das neue Magenta-Album versprochen hat, bleibt aus. Auch „We Are Legend“ ist natürlich gnadenlos in den Achtzigern verwurzelter Neoprog ohne eine Unze zeitgeistiger Anflüge, dafür mit viel Bombast und schönen, eingängigen Melodien. Und, wie sagte einst Klaus Wowereit, das ist auch gut so. Wer moderne Sounds sucht, wird bei genug Anderem fündig – im Progzirkus ist schließlich für alle Platz.

Lediglich die formellen Aspekte sind etwas anders aufgestellt als bislang. Magentas Neue folgt nämlich der klassischen „Close To The Edge“/“Relayer“-Aufteilung – ein 25-Minüter und zwei Zehnminüter, mehr gibt es hier nicht. Und braucht es auch nicht, denn a. sind 48 Minuten ehedem die perfekte Albumlänge und b. fehlt somit auch jegliches Füllmaterial. Der LP-Seiten-Füller ‚Trojan‘ strahlt dabei noch ein wenig heller als die beiden „kürzeren“ Stücke ‚Colours‘ und ‚Legend‘. Verbindet er doch episches Songwriting mit packenden Gesangslinien, kraftvoll rockende Passagen (aber vollkommen ohne Metal-Faktor) mit den Magenta-typischen floydigen Traumsequenzen – und natürlich Christina Booths charismatischem, einfach zuckersüßen Zum-Verlieben-Gesang, ohne den Magenta maximal die Hälfte wert wären. Klar kann nun wieder kritisiert werden, das manche Passagen nach Yes klingen, sowohl den Siebzigern als auch der Rabin-Ära, auch Genesis, Pink Floyd, Marillion und die frühen Asia klingen gelegentlich durch, auch das eine oder andere Oldfield-Zitat kann sich Rob Reed nicht verkneifen (z.B. ‚Crisis‘ im ansonsten eher floydigen zentralen Gitarrensolo von ‚Trojan‘), aber unterm Strich bleibt die Mischung durchaus eigenständig und als Magenta zu erkennen.

Wer Magenta bislang noch nichts abgewinnen konnte, wird auch „We Are Legend“ nicht mögen. Wer aber auf unverbraucht frisch klingenden Neoprog mit positiver Attitude und viel Melodie steht, findet hier eine weitere kleine Perle, die noch dazu mit einer lohnenden Bonus-DVD aufwartet, die neben dem bei Magenta mittlerweile standardmäßigen Surroundmix auch noch mit Akustik- und Livesongs, einem Interview und Videoclips (auch von Sideprojekten der Bandmitglieder) aufwartet. Zu bestellen bei den Underground- und Import-Spezis von Just For Kicks.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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