Live

The Turn

Es ist schon eine Weile her, seitdem man etwas von der Formation Live gehört hat. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an Smash Hits aus MTV Zeiten wie „I Alone“ und „Lightning Crashes“, vom 95er Album „Throwing Copper“. Nun sind 8 Jahre seit dem letzten VÖ vergangen. Was ist derweil passiert? 2008 entschloss sich die Band eine längere Auszeit zu nehmen. Einige der Bandmitglieder gründeten andere Projekte, aber so ganz loslassen konnte keiner vom derweil vor 30 Jahren gegründeten Live-Projekt.

Das Problem der Band lag aber vor allem daran, dass der kompositorische Input der Songs von Live immer weniger von Chad Taylor (guitars), Chad Gracey (drums) und Patrick Dahlheimer (bass) beeinflusst wurde. Sänger und Frontman Ed Kowalczyk übernahm das komplette Songwriting und steuerte die Band in den Jahren weg von dem Sound, den Live eigentlich markant und einzigartig werden ließ. Dieser sehr einseitige Einfluss von Ed teilte die Fangemeinde in solche, die den eigentlichen Sound und Stil der 90er von Live liebten und die den Stilwechsel nicht verstanden und sich daher eher von der Band abkehrten und jenen, die einfach die Vocals von Kowalczyk liebten, ob nun die Solo-Kompositionen der 2000er oder die alten Stücke. Insgesamt führte das aber zu Differenzen innerhalb der Band, was darin endete, dass die Band Kowalczyk einfach rausschmiss.

Nunmehr überrascht die Band aber mit einem neuen Album und folglich mit einem neuen Sänger, dem Unified Theory Frontman Chris Shinn. Aber die Idee dazu kam schon früher. So entschloss sich die Band mit neuem Sänger schon 2012 Live wieder ins Leben zu rufen. Irgendwie schien nach Aussagen der Band „…die Magie alter Tage wieder da gewesen zu sein“. Es folgten Live Auftritte mit Everclear und Filter und in kürzester Zeit fand sich die Band samt neuem Sänger im Studio mit Produzent Jerry Harrison (The Talking Heads) wieder. Es begannen die Aufnahmen des achten Studioalbums.

„The Turn“ knüpft sowohl an alte Zeiten der Band an, überrascht aber mit einem doch eher anderen Stil. Insgesamt ist „The Turn“ als ein ordentliches Rock-Album zu betiteln. Tracks wie „Siren’s Call“, „The Strength to Hold On“ und „He Could Teach the Devil Tricks“ dominieren auf diesem neuen Album der Band und erinnern in der Melodielinie stark an das Vorgängeralbum „Throwing Copper’s“. Wer hier jedoch ein bomben starkes Comeback-Album erwartet, dem sei an dieser Stelle gesagt: Bitte nicht enttäuscht sein. „The Turn“ ist weder ein Album, dass an die 90er von Live anknüpft noch ein Album, welches wie damals durch Kowalczyk’s Stimme hervorsticht. Hit-Qualitäten fehlen dem Album genauso wie wirklich schlechte Songs. Es ist ein Durchschnittsalbum, welches von absoluten Rock-Profis komponiert und aufgenommen wurde.

Shinn’s Vocals sind markant hart, rauchig und erinnern an die gute alte Grunge-Ära. Dass hier ein neuer Sänger am Start ist wird vor allem bei „Siren’s Call“ und „The Strength to Hold On“ deutlich. Insofern könnte dieses Album durchaus in die 1995er Jahre transportiert werden und wäre dann sicherlich sehr erfolgreich auch ohne Kowalczyk.

Fazit: Live sind zurück, stilistisch an die Anfänge angelehnt, mit neuem Sänger, der zum neuen Stil passt, aber eben nicht Kowalczyk’s Vocals ersetzen kann. „The Turn“ ist für die heutige Zeit definitiv nicht gerüstet. Hörbar und eingängig aber auf jeden Fall. Den Tracks zu lauschen macht Spaß und wird nicht langweilig. Fans des Grunge-Sounds dürfen sich freuen, Fans von Live (nicht von Kowalczyk) ebenso. Live überrascht endlich wieder mit neuer Energie und wirkt härter und heavier als jemals zuvor.

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