The Stanfields – Das Herz am rechten Fleck

Haltung bewahren. In Zeiten wie diesen ein nicht gerade unwichtiger Charakterzug von Bands – ganz egal aus welcher Genreschublade sie emporsprießen. Wenn dann schon die Kanadier von The Stanfields mit dem Song „Afraid Of The World“ um die Ecke kommen, ist es höchste Zeit sich mit den fünf Herren zu unterhalten. Finden wir.

 

Nachdem The Stanfields ihre neue Platte „Limboland“ in ihrer kanadischen Heimat bereits auf die Livetauglichkeit testen konnten, steht der ultimative Test hierzulande noch aus. Ab Oktober zeigt sich, ob die Platte den Test auch hierzulande bestehen wird. Daher wollten wir von Sänger Jon wissen, welche Unterschiede er zwischen dem deutschen und nordamerikanischen Publikum sieht:

“Das nordamerikanische Publikum reagiert meist mehr physisch auf den Rhythmus und interagiert miteinander. Das deutsche Publikum hingegen hört aufmerksamer zu und ist sehr auf Details der Songs fokussiert. So sehen zumindest wir das.“

Nachdem die Band ja in ihrer Heimat jedes Jahr das Black Top Fall Festival spielt, wollten wir wissen wo der größere Reiz liegt – im Festival oder der Headlinershow?

“Beides hat seine Vorteile. Bei unseren eigenen Shows besteht das Publikum aus unseren Fans, da gibt es mehr Interaktivität zwischen Band und Publikum. Auf einem Festival bist Du mehr Teil einer unbekannten Einheit, kannst dafür aber neue Fans gewinnen.“

Wir haben bei Jon nachgehakt, was seine Band anstellt um nach der Tour keinen Tourkoller zu bekommen und was sie sonst noch an schlechten Angewohnheiten durch das Tourleben entwickeln:

“Viel. Zu viel. Kaffee. Nach der Tour muss ich zwei Wochen lang nur Wasser trinken und Salat essen und totalen Koffein-Entzug machen.“

Nachdem sich die Band für „Limboland“ zwei neue Mitglieder (Anm. d. Red.: Calen Kinney – Violine und Dillan Tate – Bass) mit ins Boot geholt hat, haben wir nachgehakt was sich dadurch verändert hat.

“Dillan und Calen hatten einen gewaltigen Effekt und haben das Songschreiben und den Aufnahmeprozess von „Limboland“ sehr beeinflusst. Wir haben uns zwischen der letzten Platte, „Modem Operandi“ und der aktuellen drei Jahre Zeit gelassen um uns selbst die Möglichkeit zu geben unseren Sound durch die neuen Mitglieder neu zu entdecken und zu veredeln. Wir glauben dass die aktuelle Platte ein akkurates Bild dessen ist, was unsere gemeinsame Haltung ist. Momentan arbeiten wir schon wieder an der nächsten Platte.“

Zwei neue Mitglieder – da fragen wir uns doch wie Jon eine Band ganz allgemein definiert, und was es für ihn ausmacht.

“90% wahnsinnig harte Arbeit, 7% Enttäuschung und 3% erfüllende Freude (was die anderen 97% Mühe wert macht!)“

Ist es eigentlich schwieriger die Songs für eure erste oder die aktuelle Platte zu schreiben?

“Nein. Wir schreiben eigentlich ziemlich beständig neue Songs und entwickeln neue Ideen. Die Schwierigkeit liegt eher im Zeit finden und die einzelnen Stücke zusammenzufügen um sie aufzunehmen. Es gibt so viele Dinge die berücksichtig und arrangiert werden müssen wenn man eine Platte aufnimmt, manchmal wünschte ich mir das wäre genauso schnell wie die Platte zu pressen und das Ergebnis zu präsentieren.“

Was hat euch während des Aufnahmeprozesses beeinflusst, welche Musik habt ihr da gehört?

“Old school music und natürlich der Flächenbrand, den wir die aktuelle politische Lage nennen. Und irgendwo im Aufnahmeprozess, wenn wir nicht mehr weiterkommen beziehen wir uns auf Neil Young. #WWNYD“

Wie geht ihr überhaupt an neue Songs heran?

“Es beginnt mit der Band. Wenn wir nicht alle zu 110% überzeugt sind wenn der Song geschrieben ist machen wir es nicht. Manchmal sind Songs bei unseren Fans, Familien und im Team der Hit – manchmal auch das Gegenteil – aber so lange die Band an den Song glaubt machen wir es. Für uns bedeutet das ständig Chancen wahrnehmen zu können. Das macht uns in gewisser Weise unberechenbar, und zu einem Alptraum für die Marketingleute. Aber uns macht das Spass.“

Auch der Song „Afraid Of The World“, der Opener der Platte, beschäftigt sich mit der Thematik.

“Ich denke diese Ängste in der Gesellschaft drehen die Menschen unnötigerweise gegeneinander – obwohl sie viel mehr gemeinsam haben als sie selbst wahrnehmen. Es gibt eine Bewegung in der sog. „Elite“ unserer Gesellschaft, welche die Grundprinzipien der Demokratie und der offenen Gesellschaft aushöhlt, nur für schnellen Profit und zu kurzfristig gedacht. Unsere individuellen Interpretationen dessen, wer verantwortlich ist scheinen meiner Meinung nach das Problem zu sein. Vielleicht war es das schon immer – aber heute haben wir dumme Meme und fake news um täglich unseren persönlichen Blickwinkel hervorzuheben und Familie, Freunde, Nachbarn und Fremde zu reizen. Good Times!“

 

Fotocredit: Lamond

 

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