Schlagwort: Stoner-Rock

DAILY THOMPSON – Volle Fahrt voraus zurück in die 90er

Daily Thompson sind schon lange keine Unbekannten mehr in der Szene irgendwo zwischen Stoner-, Desert- und Psychedelic Rock. Auf ihrem neuen Album „God Of Spinoza“ schlagen die Dortmunder auch grungige Töne an, bleiben ihrem Sound dabei aber immer noch treu und machen in der Entwicklung der Band einen weiteren großen Schritt nach vorne.Die Veröffentlichung des…

Oumuamua

Im Oktober 2017 wurde das erste als „interstellar“ klassifizierte Objekt „Oumuamua“ in unserem Sonnensystem entdeckt, das inzwischen als Komet eingestuft worden ist. Der zigarrenförmige Himmelskörper wurde anfangs hektisch sogar für ein außerirdisches Raumschiff gehalten.

Im August 2020 klassifizieren wir den vierten Longplayer „Oumuamua“ (Noisolution) des Dortmunder Trios Daily Thompson als beinahe außerirdisches Objekt, das mit psychedelischen Tönen und starken, genreübergreifenden Sounds nicht nur das Sonnensystem durchquert, sondern direkt bei uns landet. Alle Freunde des psychedelischen Space- und Noiserock, aber auch Fuzzer, Stoner, Desert Blueser und Hardrocker sollten sich wartend bereitstellen, wenn „Oumuamua“ mit einem Donnern niedergeht. Nach drei Alben sind Daily Thompson in der Stoner-Szene keine Unbekannten mehr und haben bereits viel Lob einstecken können. Warum das so ist, zeigen sie wieder eindrucksvoll mit der neuen Platte.

Dabei geht das nach dem britischen Zehnkämpfer Daily Thompson benannte Trio durchaus minimalistisch vor und überrascht gerade deswegen mit einem dichten Soundgewebe. Gitarrist Danny Zaremba und Bassistin Mercedes Lalakakis teilen sich die Vocals, was immer wieder für Abwechslung und Spannung sorgt. Dazu gibt es tighte Drums von Matthias Glass – fertig ist die elektrisierende, groovende Mischung, die manchmal an Kyuss oder Monster Magnet erinnert, aber unterm Strich doch einfach nur nach Daily Thompson klingt.  Fuzz, WahWah, Distortion ohne Ende, Soundwände, hin und wieder auch akustische Parts wie auf ‚Half Thompson‘ oder im letzten Track ‚River Of A Ghost‘ – großes Ohrenkino.

Die beiden Longtracks ‚She’s So Cold‘ und ‚Cosmic Cigar (Oumuamua)‘ bleiben trotz jeweils über zehn Minuten Spielzeit abwechslungsreich und nehmen den Hörer gefangen auf einer groovenden Reise ins tiefe Innere und in ferne Welten. Stampfende Beats bei ‚Sad Frank‘ und spacige Samples im Titeltrack und beim schon erwähnten ‚River Of A Ghost‘ setzen genau die richtigen Akzente in einem sehr starken Album, mit dem Daily Thompson weitere große Schritte nach vorne machen und sich etablieren als eine wichtige und nicht zu unterschätzende Band der Psychedelic- und Stoner-Szene.

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Deuce Ex Machina

Pabst hatten vielleicht eine der schönsten Ideen, mit dem ausfallenden Festivalsommer umzugehen. Sie haben sich mit jedem einzelnen Song ihrer neuen Platte „Deuce Ex Machina“ (Ketchup Tracks) und per Green Screen auf verschiedene Festivalbühnen gebeamt. Man kann wehleidig werden, wenn man sich den „PABST’s Virtual Festival Summer“ anschaut. Oder – besser – halt einfach abrocken, als gäbe es kein Morgen mehr.

Denn das ist die eigentliche Mission der Band aus Berlin, und die verfolgt sie auch mit ihrem zweiten Album fast orthodox. Übertreibung? Da reicht es, in den Opener reinzuhören. „Machina“ klingt so gar nicht nach Maschine, sondern nach guter alter Handarbeit, nach Blut, Schweiß und Tränen. Die Spezialität des Trios sind erdige Rocktöne, die gerne noch aus der analogen Zeit vor 50 Jahren stammen könnten. Allerdings, wenn der Song zur Mitte hin an Tempo zunimmt, kommen auch Pabst auch im 21. Jahrhundert an. Mit „Ibuprofen“ sollten auch die partyerprobten Kids von heute was anfangen können.

Überhaupt trifft die Band zwischen den Zeilen und in ihren Videos die Ästhetik ihrer Generation Y. Zur Musik ihrer Eltern vermitteln sie uns ein Gefühl zwischen Allwissen, Fatalismus, Verlorensein, Alles-zu-verlieren-haben, Provokation und konsequentem Grenzenüberschreiten „Throw me away, all over the place / I’m useless scum“ oder „This city is no place for losers like us / This city’s got no skyline“ – sind das Hilferufe oder Posen?

Wirklich entscheiden müssen sich weder die Band, noch die Hörer. Mit „Deuce Ex Machina“ kann man sich dank fuzzigen und wüstigen Tunes erden lassen. Oder auf leicht psychedelischen und noisigen Lo-fi-Klängen abheben. Pabst lieben Gitarren und mehr noch, wissen damit umzugehen. Das Produktionstalent trägt sein Übriges dazu bei, Seventies-Rock, Grunge und das Timbre der Millennials in ein funktionierendes Ganzes zu fügen.

Vom verträumten „Wish.Com“ versöhnlich gestimmt, lässt sich als Fazit feststellen: Ist doch schön, wenn sich hier die Generationen treffen – und verstehen. Noch schöner ist, dass Pabst nicht im Überangebot und Mittelmaß der heutigen Zeit untergehen. Wem sich „Deuce Ex Machina“ nicht dauerhaft in Hirn und Herz einnistet (was sehr unwahrscheinlich ist), bei dem macht es mindestens einen mächtigen Eindruck.

 

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