Schlagwort: Deutschrock

EXTRABREIT – Endlich wieder auf Weihnachts-Blitz-Tournee!

Extrabreit, eine der dienstältesten Rockbands Deutschlands, hatte in den letzten Jahren einiges zu verdauen: Erst hat das Quintett mit „Auf EX“ nach zwölf Jahren Wartezeit -endlich- eine neue Platte veröffentlicht, die dann aber ziemlich im Corona-Strudel versandet ist, und musste dann noch zweimal die traditionelle Weihnachts-Blitz-Tournee aus bekannten Gründen absagen. Gut, im letzten Jahr gab…

DEINE COUSINE – Es macht „Bang Bang“ in Bochum

Nur wenige Tage nach Veröffentlichung ihrer zweiten Platte „Ich bleib nicht hier“ musste Ina Bredehorn aka Deine Cousine eine kleine Hiobsbotschaft verkünden: Beim letzten Support-Konzert für Die Toten Hosen, verletzte sich die Musikerin am Bein, und darf auf der unmittelbar im Anschluss beginnenden eigenen Tour keine wilden Bewegungen auf der Bühne machen. Wer Ina schon…

Kein Land in Sicht

Wenn man den Begriff Debüt-Album liest, erwartet man automatisch junge Menschen. Blickt man auf die Fotos von Junger, ist man irritiert. Gestandene Männer, satt in den Vierzigern, schauen einen von den Promo-Bildern zum Erstling „Kein Land in Sicht an“. Ein wenig irreführend ist die Aussage, dass es sich um die erste Scheibe handelt, allerdings. Die…

JUPITER JONES – Weitere Single nach Comeback

Mitten im zweiten Lockdown verkündeten Jupiter Jones nach mehrjähriger Pause ihr Comeback. Mit „Oh, Philia!“ legen sie nun ihre bereits vierte Single nach der vor ziemlich genau einem Jahr bekanntgegebenen Rückkehr vor. Die Band ist zwar vom Quartett zum Duo geschrumpft, dafür ist neben Gitarrist Sascha Eigner mit Nicholas Müller der ursprüngliche Sänger wieder mit…

DIE ÄRZTE – Am Anfang war das Wort

Die Ärzte haben mit „Kraft“ eine zweite Single aus ihrem Erfolgsalbum „Dunkel“ veröffentlicht. Es geht bei der Nummer um die positiven und verheerenden Wirkungen, die Worte haben können. Im Video zum Song kommen BelaFarinRod selbst allerdings gar nicht zu Wort. Die beste Band der Welt ist zwar mittlerweile auf allen Streaming-Portalen zu finden, bei den…

Dunkel

Zeit für etwas Neues? Zumindest besingen es Die Ärzte in der ersten Single zu „Dunkel“ so. Doch: Ist es wirklich schon wieder Zeit? Gerade einmal zwölf Monate sind seit dem Vorgänger „Hell“ vergangen. Das Album, das BelaFarinRod nach dem schwachen „auch“ wieder von ihrer besten Seite gezeigt hat. Die Gefahr, durch einen solchen Schnellschuss erneut schwach abzuliefern, ist natürlich hoch.

Wer bei „KFM“ an einen Radiosender denkt, kennt die Wortspiele von DÄ schlecht. Die lupenreine 1,2,3,4-Hau-Drauf-Nummer eröffnet den Reigen. Die uralte Frage, ob die Herren noch Punkrock sind, beantworten sie mit reichlich Selbstironie: Die Abkürzung und Genre-Einordnung steht nämlich für Karnickel-Fick-Musik.

Bei der zweiten Nummer will Farin von seiner Ex nicht „Wissen“, wie es ihr geht. Ein klassischer Rocker, wie man ihn vielleicht auch auf seinen FURT-Scheiben erwarten könnte.

Dass Die Ärzte Nazis „Doof“ finden, ist allseits bekannt. In diesem Stück erklärt Bela – unterstützt von Kuhglocke, Bläsern und einem Kinderchor – warum es sich nicht lohnt, überhaupt mit ihnen zu reden.

Highlight ist das druckvolle „Kraft“. Schlagzeug und Bass eröffnen und Farin haut seine Zeilen als Sprechgesang heraus. Um Worte, und was sie anrichten können („Worte bringen dich zum Lachen, Worte bringen dich zum Wein´n“), geht es in diesem Titel. Die Gitarre jault förmlich im Refrain und bekräftigt die Aussage.  

Ein richtiges Brett ist die Single „Noise“. Eine fette Gitarrenwand eröffnet das Lied. Das erste Mal seit „Schrei nach Liebe“ teilen sich Bela und Farin die Gesangsspuren. Ein klassischer Ärzte-Hit mit hohem Mitsing-Faktor.

In „Einschlag“ philosophiert das lyrische Ich von Bela, warum er seine Freundin erschlagen hat und wie er mit der Schuld leben kann. Der vielleicht stärkste Felsenheimer-Song seit Jahren.

„Nicht schon wieder Vampir-Musik“ denkt man dank Kirchenglocke und Wolfsgeheule unweigerlich in den ersten Sekunden von „Nachmittag“. Doch dann entwickelt sich eine country-ähnliche Nummer, in der – ausgleichende Gerechtigkeit – diesmal Bela von seiner Freundin umgebracht wird. Noch im Sterben wünscht er sich dennoch einen Kuss von ihr – „Liebe ist (halt) kompliziert“.

Gegen Ende der Platte wird es ein wenig flacher. Insbesondere „Danach“ erinnert in der Gesangslinie an das bessere „Ein Bier“ aus dem letzten Jahr.

Den Schlussakkord setzte eine Hymne an die Demokratie und dem Aufruf, „Dein Kreuz gegen Hakenkreuze“ zu machen. Wie die Band in Interviews erzählte, fand Rod diesen Text zu plump. Aber Die Ärzte wären nicht sie selbst, wenn sie das nicht direkt im Titel klarmachen würden: „Our Bass Player Hates This Song“.

Was bleibt nach über einer Stunde Spielzeit? Wenig ärzte-typischer Witz, dafür viele ernste Themen und politische Messages. Am Ende ein insgesamt gelungener Longplayer. Allerdings gilt „All Killer No Filler“ auf „Dunkel“ nicht. Ein paar Tracks weniger hätten einer durchgehenden Qualität gutgetan.

Über Die Ärzte und ihre Historie, die Alben, Konzerte und mehr wurde übrigens im Whiskey-Soda-Podcast diskutiert, den Ihr hier nachhören könnt.

Bandhomepage

 

Wann Wenn Nicht Jetzt (Live)

Selig Frontmann Jan Plewka ist glühender Verehrer von Rio Reiser und seinen Scherben. Unter der Regie von Tom Stromberg und der Begleitung der Schwarz Roten Heilsarmee spielte er 15 Jahre eine Reminiszenz an die viel zu früh verstorbene Linken-Ikone.

Nach über 200 Vorstellungen war es 2019 an der Zeit für ein neues Programm, und so machte sich die eingespielte Besetzung an einen neuen Abend. Plewka und seine Männer sind dabei keine Coverband die nur nachspielt. Sie machen sich die Songs zu eigen und geben ihnen ein komplett neues Gewand. Dabei stehen sie nicht bewegungslos auf der Bühne – „Wann Wenn Nicht Jetzt“ ist eine inszenierte Aufführung. Wenige Wochen nach dem 25. Todestag Reisers gibt es nun diese Hommage auf DVD und Tonträger.

Zu Beginn schleicht Plewka als Ausgrabungsforscher verkleidet durch die Reihen des Publikums und murmelt leise vor sich hin, während die Musiker als Waldschrate verkleidet im Hintergrund spielen. Auf der Bühne angekommen beginnt das Konzert mit dem Satz „Alles was ich fand, waren Ton, Steine und Scherben“. In dieser Sekunde setzt eine kraftvolle Version von „Menschenfresser“ ein. Nahtlos und ähnlich druckvoll geht es mit „Jenseits Von Eden“ weiter.

Leise wird es bei „Ich Werde Dich Lieben“: Jan und Marco spielen die Nummer komplett unverstärkt nur mit Gitarre und Gesang am Bühnenrand. „Macht Kaputt Was Euch Kaputt Macht“ erfährt ein textliches Update und wird durch Begriffe wie „AFD“ und „Tierversuche“ ergänzt – den Scherben hätte es gefallen.  

Ein echter Hingucker ist „Mein Name Ist Mensch“. Die Herren kommen in hautengen Latex-Glitzer-Anzügen und riesigen Zyklopen-Augen auf die Bühne und singen die Nummer a cappella.

Wer kennt es nicht: „Sieben Uhr aufstehen, Kaffee trinken, zur Arbeit fahren, freundlich sein, den Chef grüßen“, um sich dann zu fragen „Warum Geht Es Mir So Dreckig“? Reiser konnte neben wunderschöner Lyric eben auch Krawall und die einfache Sprache musikalisch zum Klingen bringen.

Nur auf Klavier und Gesang reduziert wird danach „Ich Bin Müde“ gespielt.

Beim „Shit Hit“ hat Plewka Pause und die Heilsarmee kommt mit Altersmasken, die sie mit 80 Jahren darstellen, an den Bühnenrand. Höchstamüsant gibt es im Chorgesang ein Loblied auf die Droge Haschisch („das nasch isch“).

Kurz danach ist mit „Wir Müssen Hier Raus“ und einer „Mensch“-Version – nun in voller Besetzung – Schluss und die Truppe verlässt die Bühne. Mit einer wilden Fassung von „Wann?“ als Zugabe endet diese sehr unterhaltsame musikalische Darbietung und die Band wird mit Standing Ovations entlassen.

Insgesamt ist „Wann Wenn Nicht Jetzt“ rockiger als der erste Rio-Abend. Während dort die deutlich bekannteren und oftmals romantischeren Titel auf dem Zettel standen, sind es jetzt meist die etwas unbekannteren und politischeren aus der zweiten Reihe. So gelingt der Truppe ein völlig neues und eigenständiges Programm und eben kein Abklatsch des ersten.

Wer bislang nur einen der beiden Sänger kannte, wird den anderen auf diesem Weg lieben lernen.

 

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POHLMANN – Zum Junggesellinnen-Abschied aufs Konzert

Was hat das kleine Osnabrück in diesem Sommer für ein Angebot an Live-Musik! Nachdem wir über die Genusshöfe und das dortige Selig-Konzert bereits berichtet haben, geht es nun um die zweite Reihe unter dem Namen „HafenSommer21“ in der Friedensstadt. Auch hier treten zahlreiche Künstler*innen der verschiedensten Genres auf einer Open-Air-Bühne und mit Hygiene-Konzept auf. So…

SELIG – Endlich wieder echter Live-Genuss statt Streaming-Show

In Osnabrück hat sich das Team der Konzertstätte Rosenhof richtig Mühe gemacht, und eine Corona-konforme Musik-Reihe auf die Beine gestellt. Ein gemütlicher Biergarten mit Pommes, Currywurst und Kaltgetränken lädt bereits vor Show-Beginn zum Verweilen ein. Auf Stühlen und mit viel Abstand können die Auftritte erlebt werden. Eine illustre Reihe an Künstler*innen sind zwei Wochen lang…