Schlagwort: Deutschrock

JAN PLEWKA – Live-Mitschnitt vom zweiten Rio-Reiser-Abend erscheint

Jan Plewka, bekannt als Sänger der Hamburger Rockband Selig, ist glühender Verehrer vom früh verstorbenen Rio Reiser. Bereits seit 2006 ist er – begleitet von der Schwarz-Roten Heilsarmee – mit einem Rio- und Ton-Steine-Scherben-Abend unterwegs. Nachdem das erste Programm mehr als 200-mal gespielt wurde, entwickelten die Musiker unter der künstlerischen Leitung von Regisseur Tom Stromberg…

MADSEN – Live im Club 100

  Die einzige offene Konzerthalle Deutschlands, der Club 100 im Bremer Pier 2, schickt seit einigen Wochen Streaming-Konzerte in den Online-Äther. Nach Bands und Künstlern wie Pohlmann, Selig,  Thees Uhlmann und der Antilopengang, sind nun die Indie-Rocker von Madsen an der Reihe. Die drei namensgebenden Brüder und Bassist Niko werden wie immer verstärkt von Gast-Gitarrist…

SELIG – Neues Album feiert Live-Premiere

Auf den Tag ein Jahr nach Verkündung des ersten Lockdowns spielt die Hamburger Band Selig ein Release-Konzert im virtuellen Bremer Club-100 zu ihrem einen Tag zuvor veröffentlichten Album „Myriaden“. Die anhaltende Pandemie war schuld an der verschobenen Veröffentlichung des Albums und ist der Grund, warum die Band zwar live, aber ohne Publikum nur im Stream-Verfahren…

Myriaden

„MTViva liebt dich“, eine Zeile aus dem 1997er Hit „Popstar“ der Hamburger Rockband Selig, hatte viel Wahres und gleichzeitig Verstörendes für die Truppe. Nach vier Jahren auf Dauerrotation im Musikfernsehen und Top-Bühnenzeiten bei den großen Festivals, war kurz nach dieser Zeile Schluss: kollektives Burnout. Erst 2008 kamen die Herren wieder zusammen und konnten an die erfolgreichen Zeiten anknüpfen. Nun legen sie mit „Myriaden“ (Vertigo Berlin/ Universal Music) das bereits fünfte Album seit dem Comeback vor.

Der Opener „Süßer Vogel“ ist eine Erinnerung an die wilden 90er und die eigene Sturm- und Drangzeit. Auf „Alles ist so“ zeichnet Sänger Jan Plewka ein düsteres Weltuntergangs-Szenario, hofft aber am Ende, „dass die Welt so nicht untergeht“. Musikalisch funky und textlich im wörtlichen Sinne abgedreht geht es mit dem „Spacetaxi“ durch die Galaxie.

Nach dem ultimativen Trennungslied „Ohne Dich“ vom Debutalbum gibt es nun mit „SMS K.O.“ einen erwachsenen Nachfolger. Der Empfänger der Textnachricht trauert zwar auch der Beziehung nach, empört sich aber noch mehr über die Art und Weise des Schlussmachens. Er meint, dass das Ende „wenigstens einen Anruf wert gewesen“ wäre.

Der Titel „Selig“ eröffnet die zweite Albumhälfte und ist der einzige richtige Rocker auf „Myriaden“. Berührend wird es, wenn Plewka eine musikalische „Postkarte“ an seinen verstorbenen Vater sendet. Ausschließlich mit akustischer Gitarre und Streichern instrumentiert und vom typischen Sound einer kratzenden Schallplattennadel untermalt, entwickelt er ein nachdenkliches Trauergespräch.

„Zeitlupenzeit“ und „Du“ lassen das Album ganz entspannt nach knapp 45 Minuten ausklingen.

Nach drei Alben in Eigenregie und mehreren Produzentenwechseln arbeiten Jan Plewka, Christian Neander, Leo Schmidthals und Stoppel Eggert seit mehr als 20 Jahren erstmals wieder mit Franz Plasa zusammen, dem Produzenten ihrer ersten Bandphase. Herausgekommen ist dabei alles andere als ein Griff in die musikalische Mottenkiste. „Myriaden“ ist das ruhigste Werk in 28 Jahren Bandkarriere. Wer die alten Rockzeiten à la „Wenn ich wollte“ erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein. Wer einer Band, deren Mitglieder mittlerweile alle jenseits der 50 sind, auch andere Facetten zugesteht, wird das Album als gelungenes erwachsenes Werk mögen.

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Universal-Music

SELIG – Neues Album erscheint am 12. März

Die Hamburger Rockband Selig veröffentlicht am 12.03.2021 mit „Myriaden“ (Universal Music) nach dreieinhalb Jahren Wartezeit ein neues Studioalbum.   Das fünfte Werk seit dem Comeback 2008 enthält insgesamt zwölf Songs. Nach mehreren Produzentenwechseln und drei Alben, die in Eigenregie entstanden, arbeitet die Band nach mehr als 20 Jahren wieder mit Franz Plasa zusammen, dem Produzenten…

WIESNER – Videopremiere zur neuen Single des Deutschrockers

Roher, kantiger Rock, umrahmt von dreckigen Hammondsounds und weiten Pianoklängen. Die deutschen Texte mit Tiefe kommen mit bluesiger Reibeisenstimme daher und betten sich in eine Wand voll emotionsgeladener Rockmusik. „Wiesner“ ist das Solo-Projekt von Multiinstrumentalist und Sänger Mazze Wiesner, das mit dem 2015 im Alleingang aufgenommenen Debüt-Album „Unbenutzt“ ins Leben gerufen wurde. Nach der Veröffentlichung…

SERUM 114 – Neues Album und Releaseparty in Gelsenkirchen

Die Frankfurter Punkrocker Serum 114 veröffentlichen am 18. September ihr sechstes Studioalbum „Im Zeichen Der Zeit“.  Einen Abend vor dem offiziellen Release des Longplayers haben 400 Gäste die Möglichkeit, in einer exklusiven Premiere bisher unveröffentlichte Tracks der neuen Scheibe und altbekannte Songs der Band zu erleben. Die Tickets für das exklusive Serum 114 Konzert am…

Lichtjahre Live

Madsen können zweifelsohne und neidlos als eine der erfolgreichsten deutschen Rockbands bezeichnet werden. Doch auch nach 15 Jahren Bandgeschichte ist die Kritik nach wie vor gespalten: Die einen feiern Madsen als die jungen Tocotronic und Hoffnung des deutschen Rock, die anderen ätzen, dass Madsen sich hauptsächlich durch belanglose Texte auszeichnen. Beide Lager dürften sich bei der aktuellen Veröffentlichung „Lichtjahre Live“ (Arising Empire) allerdings darauf einigen, dass Madsen eine ziemlich geile Live-Band ist.

Das zweite Live-Album der Combo erscheint auf CD, DVD und für Liebhaber auf farbigem Vinyl und wurde während der gleichnamigen 2019er Tour an verschiedenen Stationen aufgenommen. Was direkt beim Opener „Wenn es einfach passiert“ auffällt: Frontmann Sebastian Madsens Gesang wurde zu sehr in den Vordergrund gemischt. Es entsteht auf weiten Teilen der Platte das Gefühl, dass seine Mitmusikanten eher im Hintergrund als mit ihm agieren. Eine klare Schwäche bei einer Live-Aufnahme.

Großes Plus hingegen: Das Publikum wurde nicht vergessen und darf dem Quartett nicht nur frenetisch zujubeln, sondern viele Passagen ausführlich und lauthals mitsingen. Das sorgt besonders beim 2006er Hit „Du schreibst Geschichte“ für einen echten Gänsehaut-Moment. So geht Live-Feeling im Wohnzimmer, auch wenn einige Textfetzen unverständlich bleiben. Macht nichts, das ist schließlich gute Konzert-Tradition.

Wie es sich für eine amtliche Live-Scheibe gehört, haben sich Madsen eine Reihe illustrer Gäste eingeladen. Darunter Olli Schulz, Bosse und Ferris MC, dessen kommendes Album Johannes und Sebastian Madsen produziert haben. Allerdings benötigt die Band nicht immer Bühnen-Verstärkung, um ihrem Sound einen neuen Twist zu geben. Frei nach dem Motto „gut geschrien ist halb gesungen“ gibt Drummer Sascha Madsen „Nachtbaden“ von seiner Schießbude aus zum Besten und muss sich direkt von Bandkollege Niko Maurer für seine Gehversuche als Sänger dissen lassen. Das spornt ihn offenbar erst recht an, denn ab sofort sind Vollgas und Eskalation die Devise. Läuft.

Madsen gelingt es mit „Lichtjahre Live“ selbst Skeptiker abzuholen und zum Moshen (ja, das funktioniert!) anzustiften. Zusätzliche Sympathiepunkte sammelt die Combo definitiv mit ihrer klaren und deutlichen Positionierung gegen Rechts, die sich allerdings auf Ansagen beschränkt. Politische Songtexte sind nicht ihr Ding, ist hinlänglich bekannt und ok. Wer live derart abliefert, darf gerne über Liebeskummer, Unsicherheiten, Moped-Trips nach Madrid und die perfekten Sommerferien singen. Um rund zwei Stunden eine richtig gute Zeit zu haben, ist das allemal angemessen.

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Zeig Dich!

Alle zwei Jahre veröffentlicht die Kempener Punk/Rock/Metal-Band BRDIGUNG ein neues Studioalbum. Nach der Vertragsunterzeichnung bei Drakkar erschien am 31. Januar mit „Zeig Dich!“ der siebte Longplayer. Die Vorgänger-Scheiben fielen durch teils ernste, teils witzige Texte auf. Solide Gitarrenarbeit sorgte dafür, dass sich die Band seit ihrer Gründung im Jahr 2003 eine immer größere Fanbase erspielen konnte.

Den interessierten Hörer erwarten auf „Zeig Dich!“ 14 Songs, welche teilweise von den gewohnten Pfaden abweichen. Nach dem mittlerweile obligatorischen Intro, in dem das Klavier eine beherrschende Rolle spielt, folgt der gleichnamige Titeltrack des Albums. „Zeig Dich!“ ist ein typischer Song, wie man ihn von BRDIGUNG erwartet. Gutes Tempo, treibende Gitarren und ein Text, welcher den Käufer des Silberlings auffordert, sich nicht zu verstecken.

Auch in „Walking Dead Auf XTC“ dominieren harte Riffs der Gitarristen Julian Cistecky und Jonas Straeten. Bis hierhin also BRDIGUNG in gewohnt solider Qualität. In „Brich Aus“ gibt es einen heftigen Stilbruch. Viel Elektronik und Hip-Hop zeigen eine andere Seite der Combo. Textlich muss sich die Nummer jedoch keinesfalls verstecken. Der Song regt zum Nachdenken und Hinterfragen an. Ist die Erde eine Scheibe? Ist Axel Springer wirklich ein Nazi? Die Band nimmt wie gewohnt kein Blatt vor den Mund. Auch in „Hipster Hipster“ steckt viel Digitales und Hip-Hop. Der Song, welcher – welch Wunder- Hipster auf die Schippe nimmt, wird live garantiert einschlagen.

Dann kommt der Moment, wo einem der Atem stockt. „Ob Du Behindert Bist“ klingt erst einmal sehr provokant. Kritisch und unzensiert wird die heutzutage leider übliche Hassrede thematisiert. Dass Rockmusiker auch Liebeslieder können, beweist Gitarrist und Sänger Julian in „Lichtblick“. Ob das Lied einer Angebeteten gilt oder eher dem eigenen Nachwuchs, bleibt jedoch offen. Mit „Weck Mich Auf‘ huldigen BRDIGNG zum Abschluss noch einmal ihren Wurzeln: Raue Gitarren und ein treibender Beat sind schließlich das Markenzeichen der Band.

BRDIGUNG betreten auf „Zeig Dich!“ neue Wege und stellen sich musikalisch breiter auf: weniger Punk, dafür Hip-Hop und elektronische Beats. Das klingt zunächst ungewohnt, funktioniert aber recht ordentlich. Textlich bewegen sich die Jungs im Kosmos der Vorgängeralben und bringen somit ein Stück Vertrautheit in die neue Scheibe ein. Man darf gespannt sein, wie der neue Sound auf der anstehenden Tour bei den Fans ankommt. (André Schnittker)

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Drakkar (Label)

Willkommen

Neuere deutschsprachige Rockbands haben mitunter einen schweren Stand. Einige werden teils zu Recht, teils zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt. Dann gibt es denn Effekt, daß – wieder teils zu Recht und teils zu Unrecht – deutsche Texte mitunter „prollig“ wirken. Inklusive mancher Bandnamen wie Kärbholz, Krawallbrüder oder Unantastbar. Und mit den Texten ist das auch ästhetisch so eine Sache – manch einer zieht englischsprachige Songs schlicht wegen des Klangs vor. Da ist es oft egal, ob man die Texte versteht oder ein englischer Bandname genauso pathetisch klingen mag. Da läßt es im wahrsten Sinne des Wortes aufhorchen, wenn eine deutsche Band ihre Texte von Englisch zu Deutsch ändert.

So geschehen bei den Groove-Metallern Kyler aus dem südbadischen Offenburg auf ihrem neuen Album „Willkommen“. Kyler treiben mit ihrem augenzwinkernd „Black Forest Groove Metal“ bezeichneten Schwermetall schon an die zehn Jahre ihr Unwesen, Supportshows für Bands wie Agnostic Front oder Ektomorf und dem Gewinn von Talentwettbewerben inklusive. Mit „Willkommen“ liegt nun das zweite Studioalbum vor. Und das hat es in sich!

Um auf das Thema „Texte verstehen“ zurückzukommen: Die angepissten Growls von Frontmann Marco Schulz kommen schlagkräftiger, wenn man die flankierenden Texte auch direkt versteht. Nicht, daß es die Starkstrom-Mucke nötig hätte, aber das „Gesamtpaket“ haut dem träge-satten politischen Bewußtsein in Deutschland mit vollem Karacho eins in die Fresse. Songtitel wie „Brandstifter“, „Revolution“ oder „Keinen Plan“ sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Bestünde der Gesang nicht größtenteils aus derben Growls, dürften sich hier viele Punk-Freunde wohlfühlen.

Das Tolle an „Willkommen“ ist aber nicht alleine seine authentische Stimmigkeit oder der Fakt, daß die Jungs ordentlich Gas geben. Es ist der Abwechslungsreichtum. Wer genau hinhört, findet bei der groovigen Midtempo-Nummer „Loch im Herz“ erstklassige Southern-Rock-Anleihen, bei „Abschaum“ Highspeed-Oldschool-Thrash neben dem bandtypischen Groove und zwischen den Zeilen dazu noch jede Menge symbadische Selbstironie.

Fazit: Schaut über den Tellerrand, Leute! Hartwurst-Mucke mit deutschen Texten muss nicht prollig sein, im Gegenteil. Ihr steht auf Bands wie Devildriver oder Five Finger Deathpunch, fühlt euch der Hardcore-Punk-Szene nahe und sucht euren ganz persönlichen Soundtrack dafür, was in unserer Welt 2020 alles schief läuft? Dann ist Kyler für euch!

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