Schlagwort: Doom Rock

Ambition Freedom

Heavy, stoned, angejazzt, überraschend, fast schon progressiv, all das und noch viel mehr ist „Ambition Freedom“ (Drabant Music), das neueste Werk von Thulsa Doom. Die 1999 gegründete Band (nach Auszeit und Rückkehr des Sängers immer noch in Originalbesetzung) ist schon lange eine große Nummer im heimischen Norwegen. Benannt nach dem Bösewicht in Robert E. Howards Conan bzw. Kull Geschichten haben die fünf Bandmitglieder lustige Namen wie Papa Doom, El Doom oder auch Doom Perignon.

Musikalisch wurde die Band aus Oslo beeinflusst durch die frühen Black Sabbath oder auch die Stoner-Rocker von Kyuss, man wird aber auch ein wenig Thin Lizzy oder frühe Deep Purple entdecken. Auf „Ambition Freedom“ kommen zusätzlich Einflüsse aus dem Jazz und Psychedelic Rock hinzu. Heavy Rock trifft Classic- und Stoner-Rock trifft nordisch-unterkühlten, aber ausgesprochen groovenden Alternative. Dabei schwingen oft 70er Jahre Attitüde mit, so im Opener ‚Endless, Unless‘. Zwischendurch wird es fast schon poppig mit dem energiegeladenen ‚Man With Ambition‘. Der Song ‚Die Like An Aviator‘, ein heimliches Highlight des Albums, das durch die Bank weg mit starken Songs aufwartet, hat einen ganz starken Refrain, der Erinnerungen an schwedischen Hard Rock weckt, aber auch mit jazzigen Parts aufwartet, die der Platte an dieser, aber auch an vielen anderen Stellen eine ganz besondere Note geben. Besonders spannend sind ohnehin die kleinen Details am Rande: Hier eine Slide Guitar, dort orgelnde Keys. Kleine Akzente lockern den schweren Rock auf und sind begeisternde Zeugen von großartigem Songwriting.

Bei manchen Titeln denkt man sich beispielsweise am Anfang, dass man genau weiß, was als nächstes kommt. Doch weit gefehlt! Das norwegische Quintett überrascht immer wieder mit dem Bruch sämtlicher Konventionen, mit unerwarteten Effekten auf den Vocals und einer dichten, modernen Produktion. Das Ergebnis: Acht faszinierende Songs, ein starkes Album für alle Heavy-Rock-Freunde.


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Flat Earth Rider

Hier ist es, das Album für alle Schwurbler und Erdscheiben-Fans! Nein, zum Glück doch nicht, auch wenn der erste richtige Longplayer der norwegischen Band Suncraft „Flat Earth Rider“ (All Good Clean Records / Noisolution) heißt. Im Titelsong wird eher ein tragisches, komisches Bild eines imaginären Flat-Earthers gezeichnet, der auf der verzweifelten Suche nach Wahrheit und Bedeutung seiner Überzeugungen ist. Also nicht vom Rand der Scheibenwelt springen, sondern lieber Suncraft hören, denn das lohnt sich auf jeden Fall mehr.

Nach einigen EPs ist „Flat Earth Rider“ das Longplayerdebüt des skandinavischen Quartetts, das sich musikalisch zielsicher zwischen den Genres Classic Rock, Psychedelic Rock und Doom Metal bewegt. Klingt spannend – ist es auch. Vielseitig, ohne den roten Faden zu verlieren, technisch anspruchsvoll ohne übertriebene Frickelei, dazu gelungenes Songwriting und hohe musikalische Qualität, das sind die Vorzüge der sechs Songs, die es insgesamt auf rund 35 Minuten Spielzeit bringen. Es hätte gerne etwas mehr sein dürfen, aber dafür gibt es keine Aussetzer, keine Langeweile und ein paar echte Hinhörer wie den erwähnten Titelsong, den groovig-abgehobenen ‚Space Buddha‘ oder den zehnminütigen Longtrack ‚Bridges To Nowhere‘ der sich mit erstklassigen Gitarrensoli den Spagat zwischen Psychedelic und Doom perfekt durch die Gehörgänge spült. Hier gibt es sogar waschechte Blastbeats, die das Album auch für Metalheads interessant machen.  

„Flat Earth Rider“ entstand als quasi Liveaufnahme so gut wie ohne Overdubs im Studio der Norweger und wurde komplett im Pandemiejahr 2020 geschrieben und eingespielt. Da schwingen ein paar Gefühle von Isolation und Depression mit, da wird der Gesang teilweise zornig und düster-doomig, wie beispielsweise bei ‚Commie Cannibals‘, ohne dass die Musik ganz in den Metal abdriftet. Coole Riffs, kräftiger Hardrock, psychedelische Gitarren. Sicher ist das alles schon mal dagewesen, überzeugt aber dennoch auf ganzer Linie. Neben dem schon erwähnten ‚Space Buddha‘ wirken die Vocals auch auf  „Adaption‘ leicht abgehoben. Textlich geht es passend zur Musik leicht düster zu, die englischsprachigen Vocals beschäftigen sich mit Themen wie Gier, Entfremdung, Eisamkeit oder Spiritualität. Und eben mit dem besagten Flachkopf.

Wir alle hoffen, dass die Pandemie bald vorüber ist, aber sie hat definitiv auch ihre guten Seiten, wie man an der Entstehung dieses Albums sehen und vor allen Dingen hören kann.

Vom aktuellen Album gibt es leider (noch) kein Video, darum hier ein Track der letzten EP:

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Northern Soul

Nach drei Jahren Wartezeit gibt es mit „Northern Soul“ (RYL NKR Recordings / Rough Trade) Neues von Erik Cohen auf die Ohren. Eigenwillig wie er nun mal ist, verliert er auch auf der aktuellen Scheibe kein bisschen seine Vorliebe für einen Genrecocktail aus Doom, Wave, Rock und eben allem, was düster ist. Trotzdem ist „Northern Soul“ offener und persönlicher geworden, als man es erwartet hätte.

Ein ein- und überleitendes Intro, düster, als ob der Küstenblick mit den sich nähernden und Gischt spritzenden Wellen vertont worden wäre. Man schwelgt im (musikalischen) Weitblick und kriegt den Kopf frei. Das folgende „Nach Dem Sturm“ vereint alles was ein Cohen‘scher Rocksong haben muss: die Hymnenhaftigkeit, den Hall, die Chöre und – vor allem – Charisma. Mit „Bomberjacken“ hingegen werden selbst die Oi-Punks aus der Reserve gelockt. Eine schmissige Melodie, Oi-Rufe, und immer einen Drahtseilakt zwischen Aufstehen und Abstürzen fabrizierend. Mit „Schleswig-Holstein“ und „Café Stietzel“ wird Erik Cohen, der für gewöhnlich eher der Meister der Selbstinszenierung ist, ungewohnt persönlich. Die Zerrissenheit zwischen Loslaufen und Ankommen thematisiert er irgendwo zischen wavigen Gitarrenriffs und Powerchords. „Café Stietzel“ hingegen ist im Sound ungefähr so vintage wie der verklärt-verliebte Blick zurück, den der Song erzählt, und empfiehlt sich gleichzeitig für die dicke Party, wenn man sich wieder freudetrunken in den Armen liegen kann.

Mit „Northern Soul“ hat Erik Cohen ein Stück weit sein innerstes nach außen gekehrt – das steht ihm ausgesprochen gut. Natürlich wird die Rockstar-Sonnenbrille auch schnell wieder hochgezogen, ganz Rock‘n‘Roll-Klischee eben, aber wie wuchtig sich norddeutsche Zurückhaltung anhören kann beweist der Kieler wieder eindrucksvoll.

BLACK LUNG – Heavy Fuzz zum Tourauftakt

Die niederschmetternde Diagnose des Arztes lautet: Schwarze Lunge. Aber kein Grund zur Panik, handelt es sich doch bei Black Lung um eine spannende Band aus der US-Metropole Baltimore, über die wir in den letzten Wochen schon mehrfach berichtet haben. Höchste Zeit also, die Jungs nach unserer Albumrezension und dem Interview auch mal live unter die…