STEVE PERRY ist zurück!

Unmögliches wird gleich erledigt, Wunder dauern etwas länger. So in etwa lautete das Mantra all derer, die in den letzten zwanzig Jahren auf neues Songmaterial von Ex-Journey-Stimme Steve Perry gehofft hatten. Doch bereits vergangenen Montag heizte ein Tweet von User steveperrymusic mit dem Inhalt „I know it’s been a long time comin’…“ Spekulationen an, die nun bestätigt werden: nach einer gefühlten Ewigkeit kehrt Steve Perry endlich in die Musikszene zurück! Im Gepäck hat er ein komplettes Album an neuem Material: am 5. Oktober erscheint Steve Perrys drittes Soloalbum „Traces“ als CD, Deluxe-CD, LP und Download bei Universal Music.

„Ehrlich gesagt dachte ich zwischendurch sogar, dass die Musik gar kein Thema mehr für mich ist. Dass mein Herz damit abgeschlossen hatte. Ich hatte eine tolle Zeit mit einer tollen Band gehabt, und dann hatte ich danach ja sogar noch die Gelegenheit gehabt, mich als Solokünstler auszutoben. Schließlich war es einfach an der Zeit gewesen, ehrlich zu mir selbst zu sein: In meinem Herzen wusste ich, dass dieses Gefühl einfach nicht mehr da war. mit neuem Material Mein letztes Konzert mit Journey hab ich im Februar 1987 gespielt. Und dann kam der Tag, an dem mir klar wurde, dass ich das alles einfach nicht mehr weitermachen konnte. Ich hatte wirklich das Gefühl, abspringen zu müssen von diesem Karussell, das sich immer weiterdrehte; ich musste raus aus diesem großen Mutterschiff, das wir zusammen in so viel harter Arbeit aufgebaut hatten.“

Nachdem Perry lange Jahre komplett in der Versenkung verschwand, gab es immer mal wieder Gerüchte über ein potenzielles neues Album. Kip Winger will in den 1990ern mit ihm an Songs gearbeitet haben, der ehemalige Extreme- und heutige Rihanna-Gitarrist Nuno Bettencourt berichtete auch vor ein paar Jahren von Sessions für ein eventuelles neues Perry-Album. In der Öffentlichkeit zeigte sich Perry eigentlich nur, wenn sein Lieblings-Baseballteam, die San Francisco Giants, spielten. 2014 tauchte er überraschend bei einem Konzert der Alternative-Kultband Eels als Gatsänger auf, und letztes Jahr wurde er mit seinen alten Journey-Bandkollegen in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen – überließ aber das Singen seinem Nachfolger Arnel Pineda, dem er, ganz gentleman-like, auch noch dafür dankte, die Musik von Journey weiterleben zu lassen.

Es ist mit Sicherheit kein Zufall, daß der Sänger, der klingt, als ob „alle gebrochenen Herzen der Welt in seiner Brust schlagen“, ausgerechnet durch einen persönlichen Schicksalsschlag zur Musik zurückgeführt wurde. 2012 verlor Perrys Lebensgefährtin Kellie Nash den Kampf gegen ihre Krebserkrankung.

„Ich habe ja ein paar Beziehungen gehabt, und jede davon hat mein Leben verändert, aber als ich dann Kellie traf, war das ein komplett neues Level an Veränderungen. Ich musste mein ganzes Wesen umkrempeln, damit sich mein Herz wieder ganz anfühlte. Manchmal ist es ja fast schon so, dass sich ein Herz gar nicht vollwertig anfühlt, bevor es gebrochen wurde. Als es Kellie richtig schlecht ging, wollte sie, dass ich ihr verspreche, mich nicht mehr so zu isolieren. Sie hat mir vieles beigebracht während der Zeit, die wir zusammen hatten, und eine Sache davon ist: Es ist viel besser, zu lieben und diese Liebe wieder zu verlieren, als nie in den Genuss dieser Liebe zu kommen.

Es ging also gerade nicht darum, damit abzuschließen und weiterzumachen, denn ich wollte im Gegenteil alles mitnehmen, alle Gefühle noch einmal durchleben und sie in den Songs zum Ausdruck bringen – um so hoffentlich andere zu bewegen und ihnen helfen zu können. Eines Abends sagte sie: ‚Wenn mir etwas passiert, dann versprich mir, dass du dich nicht wieder so zurückziehst. Denn dann hätte ich das Gefühl, dass all das hier vergeblich war.‘ Diesen Satz und dieses Gespräch habe ich in den Jahren nach ihrem Tod nie vergessen… und dann kehrte nach und nach meine Liebe zur Musik zurück.

Wir (Perry und Produzent Thom Flowers, Anm.d. Red.) gingen also erst mal meine ganzen Demos durch – jene musikalischen Spuren (Traces), die ich hinter mir gelassen hatte. Und dann fingen wir an, eine Gruppe von hervorragenden Musikern zusammenzustellen. Ein paar von diesen Stücken habe ich anfangs sogar nur elektronisch im Computer angelegt, aber letztlich mussten wir diese Songs in die Realität überführen. Das bedeutete, dass Musiker dazukommen mussten – echte Menschen, die ihre Herzen, ihre Seele mitbringen ins Studio. Jeder Musiker, der auf diesem Album zu hören ist, hat musikalisch und emotional dazu beigetragen. Ein Beispiel: Vinnie Colaiuta – der spielt nicht einfach nur Schlagzeug, er spielt Musik! Zufällig sitzt er in der Regel gerade am Schlagzeug, wenn er das macht! Ausnahmslos alle, die diese Songs mit mir geschrieben oder eingespielt haben, haben diese Platte überhaupt erst möglich gemacht.“

Natürlich bleibt die bange Frage: kann er’s noch? Ist die „goldene Stimme“, wie Randy Jackson sie einst nannte, noch da? Nun, natürlich sollte niemand erwarten, dass Perry mit 69 noch die höchsten Lagen erklimmt, in denen er als Mittzwanziger zuhause war. Aber eines hat sich nicht verändert: das Gefühl, das Charisma und der Soul sind nach wie vor unverwechselbar.

Ich habe meine Stimme schon immer als etwas Prozesshaftes betrachtet, als eine Sache, an der man immer weiter arbeitet. Singen, das ist eigentlich immer eine unvorhersehbare Sache. Schließlich besteht dein Instrument gerade nicht darin, einen Finger auf eine Saite zu legen, den Finger auf Tasten zu drücken oder Schlagzeugstöcke zu halten. Dein Instrument bist nun mal… du selbst!“

So handelt auch der Text der Vorabsingle „No Erasin'“ von einer Rückkehr – und die erste Zeile lautet „I know it’s been a long time comin’…“

„Da geht’s um ein Klassentreffen in der alten Hofgemeinschaft, wo ich aufgewachsen bin. Konkret geht’s also um diese Rückkehr: Man nimmt wieder Kontakt auf mit einem Menschen, den man lange Zeit nicht gesehen hat, an einem Ort, an dem man früher abgehangen und rumgemacht hat – nur ist das Ganze eine Metapher für mein Publikum, das ich jahrelang nicht gesehen habe, und plötzlich bin ich wieder an ihrer Seite, sitze quasi hinten bei ihnen wieder im Auto.“

Aber, genug gequatscht: hört’s Euch selber an, hier ist die aktuelle Single von Steve Perry: „No Erasin'“!

Das wohl Beste an dieser Entwicklung: auch eine Tour ist laut Perry bereits in Planung!

„Eine der Gruppen, die mir immer wieder meine Liebe zur Musik in Erinnerung gerufen hat, ist The Eels. Der Sänger von der Band, E, hat mich früher immer wieder gefragt, ob ich nicht für eine Zugabe bei ihren Konzerten mitmachen könnte. Also sagte ich irgendwann zu, betrat die Bühne nach ca. 25 Jahren – und ich war echt nervös. Ich hatte keine Ahnung, was meine Stimme hergeben oder nicht hergeben würde. Doch diese Stimme, um die ich mir da Sorgen machte, war plötzlich einfach da. Und zwar, weil das Publikum es so wollte: Ich sollte losziehen und diese Stimme für sie finden. Genau in dem Moment wurde mir klar, dass ich das Publikum brauche, um diese Stimme zu finden. Alleine schaffe ich das gar nicht.

Ich hätte gar nicht erst wieder damit angefangen, wenn’s nicht absolut ehrlich wäre und wirklich um die Musik selbst gehen würde. Ich will auch gar nicht irgendwas übertreffen, was ich früher gemacht habe – oder irgendjemand anderen übertreffen oder so. Das alles ist mir heute vollkommen egal. Letztlich ist es doch ganz einfach: Als ich wieder etwas zu sagen hatte, habe ich es gesagt. Und jetzt will ich einfach nur die Musik machen, die mir wirklich am Herzen liegt, mir etwas bedeutet. Ich hoffe, dass sie dann vielleicht auch anderen Menschen wirklich etwas bedeuten wird.“

Quelle: Promoteam Schmitt & Rauch

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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