Rob Heron & The Tea Pad Orchestra

Soul Of My City

  • Artist: Rob Heron & The Tea Pad Orchestra
  • Album: Soul Of My City
  • Label:
  • Release: 2019-02-01
  • Medium:
  • Bewertung:2+

‚Let’s go back in time, man, let’s go back in time!‘ Rob Heron macht ein so charmantes Angebot, dass man es ihm nicht abschlagen kann. Zumal sofort klar ist, wohin die Reise geht. In die flotten Fünfziger nämlich, als das geschwungene Tanzbein allein schon Sünde und Pomade im Haar Pflicht waren.

Ganze vier Alben lang huldigen Rob Heron & The Tea Pad Orchestra schon den alten Zeiten und klingen doch wie frisch geschlüpft. Rock’n’Roll at its finest ist ihre Mission, Swing-, Country- und R&B-Einlagen fehlen dabei nicht. Jerry Lewis-mäßig stürzt sich Heron in die Songs, lässt seine Stimme sich lustvoll überschlagen. Dazu groovt der Kontrabass, zittert die Mundharmonika vor Erregung, surren munter die Gitarrenseiten.

In flinken und witzigen Texte spielt Rob Heron wohlwissend und wohlwollend mit jedem Klischee, dass es so über den Rock’n’Roll der Fünfziger Jahre gibt. Da ist der einfache Unterschichtenmann mit gutem Herzen, auf der Suche nach einem Tagesjob und einer abendlichen Liebelei; wir hören von romantisierenden Gefängnisgeschichten und Kneipenschlägereien, von Tüllkleidern und High Heels. In Letzteres sich versuchsweise mal einzukleiden, das empfehlen Ron Heron & The Tea Pad Orchestra in ‚Life Is A Drag‘ gewitztermaßen ihren männlichen Zuhörenden.

Nicht nur hier zeigt sich, dass Heron und seine Kapelle sich nicht allzu ernst nehmen. Der Schalk, der ihnen im Nacken sitzt, ist zweifelsohne förderlich für ihre Art von einnehmender Wipp-und Hüpfmusik. Textzeilen wie ‚This 21st century music, it surely won’t get far‘ oder der Jodel-Song ‚Lonely Boy In The Dole Queue‘ machen Spaß und lassen die Sympathie für das Album noch steigen.

Allein, selbst wenn Rob Heron & The Tea Pad Orchestra sehr liebenswürdig die Sehnsucht nach einem scheinbar einfachen und fast unbeschwerten Leben heraufbeschwören, machen ihr Stil und ihre Texte doch auch deutlich, warum wir nicht wirklich zurück in diese Zeit wollen. Nicht nur Rock’n’Roll war damals noch reine Männersache, denen die Frauen maximal als hübsches Beiwerk dienten. Ohne falsche Nostalgie sollten wir daher ‚Soul Of My City‘ als das nehmen, was es ist: Hervorragend gemachte, aber leichte Unterhaltung. Na dann: ‚Let’s flip flop and fly!‘

betty blue

(Post-)Punk, Deutschpunk, Garage, Lo-Fi, Alternative, Emo, Indie, Americana... Hauptsache mit Gitarre! Fühlt sich am wohlsten bei New Model Army-Konzerten. Zum Entspannen gerne Old School-Jazz und Son Cubano. ¡Viva! 

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