SABATON – Geburtstagsparty mit 12.000 Gästen

Wo Sabaton draufsteht, ist in der Regel reichlich formidabler Lärm, Pyrotechnik und Show drin. Auch der Auftritt der schwedischen Power Metaler in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle macht da keine Ausnahme. Vor 12.000 begeisterten Fans feierten sie mit Unterstützung von Apocalyptica und Amaranthe eine fulminante Party, was besonders Drummer Hannes van Dahl gefreut haben dürfte. Der Schlagwerker erblickt heute vor 30 Jahren das Licht der Welt.

Sabaton Stuttgart Hanns-Martin-Schleyer-Halle Januar 2020

Amarante eröffnen den Abend mit einigen Stücken vom aktuellen Album „Helix“. Hits wie „Hunger“ oder „Digital World“ wechseln sich ab mit gefühlvoll vorgetragenen Balladen. Zu „Amaranthine“ leuchtet dank zahlreicher Feuerzeu… äh, Handys die Halle. Das Sabaton-Cover „82nd All the Way“ darf selbstverständlich nicht fehlen. Es wäre schön gewesen, wenn ein paar Musiker des Headliners die Melodic Death Metal-Combo dabei unterstützt hätten. Die Band um Sängerin Elize Ryd hat in Stuttgart nicht den schlechtesten Abend und kann sich auf die Besucher verlassen. Diese feiern die Gruppe die kompletten 40 Minuten.

Wer ein Apocalyptica-Konzert besucht weiß, dass es wenig Songs zum Mitsingen gibt. So ist gerade der Anfang des Sets mit Liedern vom am 10. Januar veröffentlichten Album „Cell-0“ (Whiskey-Soda-Rezension) eher etwas zum Zuschauen. Elize von Amaranthe unterstützt die finnischen Cellisten gesanglich bei einigen Songs wie zum Beispiel „I Don’t Care“. Die Stimmung in der Menge steigert sich schlagartig, als die ersten Akkorde von Metallicas „Seek And Destroy“ ertönen. Der Refrain wird lauthals von den Gästen mitgesungen. „Nothing Else Matters“ setzt dem ganzen dann noch die Krone auf. Unterm Strich wurden hier 50 abwechslungsreiche Minuten geboten. Die Band beweist wieder einmal, dass die großen Streichinstrumente sowohl im Stehen als auch im Laufen gespielt werden können.

In der Umbaupause läuft leise im Hintergrund Sabatons „The Soundtrack To The Great War“. Die Orchester-Version des 2019 erschienenen Albums wird von den Besuchern jedoch kaum wahrgenommen. Orchestral beginnt dann auch pünktlich um 21:45 die Show des heutigen Headliners. Zum „In Flanders Fields“- Intro gehen die Hallenlichter aus. Mit einem Knalleffekt fällt zu „Ghost Division“ der Vorhang. Wie auf der abgelaufenen Festival-Saison gibt es an diesem Abend jede Menge Pyroeffekte zu bestaunen. Die Stage der nach Aussage der Band „bisher größten Produktion“ ist mit unzähligen Sandsäcken und Stacheldraht sehr martialisch ausgestattet. Von der ersten Note an werden die Schweden abgefeiert.

Während die Besucher „noch ein Bier“ fordern, erklärt Sänger Joakim, dass Drummer Hannes van Dahl heute einen runden Geburtstag feiert. Die Menge stimmt daraufhin lautstark“Happy Birthday“ an. Hans ist die Freude auf seinem panzerähnlichen Drumpodest deutlich anzusehen. Neben Songs von „The Great War“ werden Klassiker wie zum Beispiel „The Last Stand“ und „The Red Baron“ gespielt. Als auf der großen Leinwand die ersten Bilder des „Angels Calling“-Videos erscheinen, betreten die Mitglieder von Apocalyptica noch einmal die Bühne. Neben dem erwähnten Song werden weitere vier Lieder, unter anderem „Carolus Rex“, gemeinsam dargeboten. Die sichtbare Spielfreude überträgt sich von der Bühne auf die komplette Halle. Der Zugabenblock hat noch einige Schmankerl zu bieten. „Primo Victoria“ darf hier nicht fehlen. Zu „Bismarck“ setzen sich ca. 40 Infield-Steher auf den Boden und rudern um ihr Leben. Dadurch endet die Reise eines Crowdsurfers, der auf dem Weg Richtung Bühne vor den sportlichen Headbangern strandet. Mit „To Hell And Back“ werden die anwesenden Zuschauer sichtlich glücklich und zufrieden in die Stuttgarter Nacht entlassen.

Fazit: ein abwechslungsreicher Abend mit spielfreudigen Musikern, einer begeisterten Crowd und gelungenem Soundmix. Das dreigeteilte Infield hingegen hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Während die Besucher im hinteren und mittleren Bereich recht eng zusammen stehen, ist die so genannte „Front of Stage“ gerade einmal zu 2/3 gefüllt. Über Sinn und Zweck dieser Ticket-Kategorie lässt sich definitiv diskutieren, doch nicht hier und jetzt.

Text: André Schnittker; Fotos: Paul Bossenmaier & Tine Gennaio

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DanielF

Harte Schale, weicher Kern. Chefredakteur und -metalhead in Personalunion und im "Nebenberuf" Sozialarbeiter, geht Daniels Geschmack von chilligem Americana (Cracker) bis zu kauzigem Indie-Rock (Eels), von klassischem Thrash (Metallica, Megadeth) bis modernem Death Metal (Deserted Fear), von opulent-schrägem Prog-Rock (Opeth, Gojira, Pervy Perkin) bis zu heftigstem Brutal Death Metal (Defeated Sanity, Wormed), von Bluesrock (Gary Moore, Anthony Gomes) bis Classic Rock (Alice Cooper, Queen) - um nur einen Teil zu nennen. Zudem hat er seit den frühen Neunziger Jahren ein leidenschafliches Faible für christliche Rockmusik in genau dieser stilistischen Bandbreite. 

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