REZET – Flaschenbier statt Schneegestöber

Endlich wieder Livemusik! Statt 580 Kilometer in den winterlichen Norden der Republik zu fahren, sind 5,80 Meter vom heimischen Kühlschrank zur bequemen Couch zu bewältigen. Rezet aus Schleswig geben an diesem Abend eine Streaming-Show. Die Band nutzt diese Möglichkeit, Ihr neues Werk „Truth In Between“ vorzustellen. Das fünfte Studioalbum, welches am 29. Januar veröffentlicht wurde kann hier bestellt werden.

Die erste Flasche eines hopfenhaltigen Kaltgetränkes ist bereits geöffnet, als der Stream um kurz nach 20 Uhr beginnt. Nach einem Intro geht es mit „Back For No Good“ schon in die Vollen. Bei sehr gutem Sound kommt der Titeltrack des neuen Albums fett durch die heimischen Lautsprecher und macht sofort Lust auf mehr.

Die Band um Sänger und Gitarrist Ricky Wagner hat trotz fehlender Interaktion mit der nicht vorhandenen Crowd sichtlich Spaß an dem Auftritt. Kurz vor diesen Abend hat es noch einen Besetzungswechsel am Bass gegeben.  Lorenz hat sich das Repertoire in acht Tagen und – wie er später auf einer virtuellen Party erzählt – Nächten draufgeschafft und macht einen ordentlichen Job. Es ist den Thrashern deutlich anzumerken, dass sie hungrig auf echte Bühnen sind, auf Pommesgabeln der Crowd, auf Moshpits und alles, was dazu gehört.

Die Setlist enthält neben insgesamt sechs Tracks von „Truth In Between“ noch einige Stücke aus der Schaffensphase von Rezet. Immer wieder gibt es abwechslungsreiche Video-Einspieler zwischen den Tracks. „Have Gun, Will Travel“ beginnt mit Beethovens „Marsch für Militärmusik (D-Dur)“, während im Hintergrund alte Bandfotos über den Screen flimmern. Das Ganze geht nahtlos ineinander über und die Regie macht hier einen ordentlichen und professionellen Job. Durch den Einsatz mehrerer Kameras wird das Gesehene nie langweilig.

Dass Rezet neben Liedern, die richtig auf die Zwölf geben auch langsam können, beweisen sie mit der starken Ballade „Alone“. Der Song ist irgendwie total anders, passt jedoch mit den harmonischen Gitarren echt gut zu den Jungs aus Norddeutschland. Darauf noch ein Kaltgetränk. Ein kleiner aber wichtiger Vorteil dieser Events sind die kurzen Wege zur Getränkestation. Kein Anstehen, kein Suchen nach passendem Kleingeld bei schummrigem Licht, kein Verschütten des mittlerweile schalen Bieres. Kühlschranktür auf, Flasche raus, Tür zu und Prost!

Für einen Lacher sorgt der Werbespot, in dem das aktuelle Merch der Band angepriesen wird. Von diesem lustigen Commercial können sich Shoppingsender wie *zensiert* und *zensiert* eine große Scheibe abschneiden. Immer wieder wird der Hinweis auf eine Zoomkonferenz nach der Show eingeblendet.

Mit „I´m Not Gonna Stop“ endet das abwechslungsreiche Konzert nach 13 Songs. Nach einem Hinweis auf das nächste Stream-Event des Veranstalters wird zurück ins Venue geschaltet. Hier hat es sich die Band nun auf der Couch gemütlich gemacht. Rezet wird in der virtuellen Aftershow-Party den Fans für Fragen zur Verfügung stehen.

Natürlich werden Streaming-Formate niemals das echte Liveerlebnis ersetzen können. Dies betont Rezet auch während der kurzweiligen und lustigen Zoom-Party. Dennoch ist diese Art von Konzerten in diesen schweren Zeiten immer noch besser als nichts. Selbstverständlich wird damit nicht viel Umsatz für die Produktion generiert. Die Show hat den interessierten Metalhead gerade mal einen Heiermann gekostet. Aber Kleinvieh macht eben auch Mist. Ein Konzert zum Preis von 0,4 Liter Bier im Plastikbecher sind mehr als geschenkt.

Photo Credit: Niklas Bieler

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