PINK FLOYD Re-Releases auf Vinyl

Die Pink Floyd-Vinyl-Reissue-Kampagne geht nun in die letzte Runde – mit den unter Fans nicht unumstrittenen Achtziger-Alben der Band. „The Final Cut“ wird ja von vielen Fans als heimliches Roger Waters-Soloalbum abgetan – genauso wie „A Momentary Lapse Of Reason“ als David Gilmour-Soloscheibe. Man könnte von zwei Seiten der gleichen Medaille sprechen – wenn nicht zwischen den beiden Alben seinerzeit die unschöne Trennung der beiden Seiten erfolgt wäre. Ab 20. Januar 2017 sind die beiden seit über zwanzig Jahren nicht mehr auf Vinyl erhältlichen Scheiben endlich wieder – natürlich im Originalartwork und von den originalen Analogbändern neu gemastert – erhältlich. Bei Amazon Deutschland sind die Platten bereits jetzt vorbestellbar.

„The Final Cut“ ist klar von Waters dominiert. Gilmour beschränkt sich auf ein paar Soli und einen Gesangsbeitrag auf ‚Not Now John‘, und auch Nick Mason ist weitgehend nur für Samples und Effekte zuständig. Rick Wright war ja bereits zur „The Wall“-Tour gefeuert worden. Wenn man dann noch liest, daß „The Final Cut“ aus „The Wall“-Outtakes entstanden ist, könnte man glatt schließen, daß Album sei nur minderwertig – was aber absolut nicht zutrifft. Die auch musikalisch umgesetzte harte Antikriegsbotschaft des Albums ist zwar definitiv kein Easy Listening-Stoff, aber ein packendes Gesamtkunstwerk, das mit offenen Ohren genossen werden will und auch nach 34 Jahren außerordentlich aktuell klingt.

„A Momentary Lapse Of Reason“ ist genauso von David Gilmour dominiert wie „The Final Cut“ vom mittlerweile ausgeschiedenen Waters. Auch hier ist Mason einziger wirklicher Counterpart, auch wenn Rick Wright einige Gastauftritte absolvierte und zur Tour wieder fest mit im Boot saß. Entsprechend sind die Songs auch deutlich melodischer, bisweilen (‚Learning To Fly‘, ‚One Slip‘) sogar außerordentlich poppig. Wie das in den Achtzigern so üblich war, wurde viel mit Sequencern, Drumloops und Gastmusikern (u.a. Tony Levin am Bass) gearbeitet, weshalb das Album vielleicht den am wenigsten zeitlosen Sound aller Floyd-Alben hatte. Dem Erfolg tat dies derweil keinen Abbruch, und mit ‚Sorrow‘ und ‚On The Turning Away‘ kam die Band ihrem Frühsiebziger-Sound so nahe wie seit „Wish You Were Here“ nicht mehr.

Copyright Foto: Albert Watson

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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