Perfect Beings

Perfect Beings II

Wer ist schon perfekt? Wohl niemand, ganz besonders nicht wir Menschen. Vielleicht gibt es irgned eine außerirdische Rasse da draußen, die in einer höheren Daseinsform die Perfektion erlangt hat, wer weiß? Aber was ist überhaupt Perfektion? Wie auch immer, Perfect Beings – die perfekten Geschöpfe – ist in diesem Fall der Name des Prog-Quintetts aus Los Angeles, das mit „Perfect Beings II“ sein – wer hätte das erwartet – zweites Album veröffentlicht hat.

Schon nach wenigen Augenblicken wird klar, dass hier zumindest musikalisch eine gewissen Form der Perfektion angestrebt und überwiegend auch erreicht wird. Die Genre Urväter Yes haben im Progressive Rock Maßstäbe gesetzt und unzählige Bands inspiriert. So auch Perfect Beings, die auf ihrer zweiten über Crowdfunding finanzierten Platte mit Synthesizern, luftigen Pianoklängen und dezenten Gitarren ihren Vorbildern mehr als einmal die Ehre erweisen. Das soll aber nicht heißen, dass es keine eigenen Ideen gegeben hätte. Ganz im Gegenteil: Perfect Beeings legen nach dem schon sehr guten Debütalbum noch hörbar nach und durchwandern endlose und abwechlsungsreiche musikalische Landschaften, in denen es auch beim wiederholten Hören noch viel Neues zu entdecken gibt. Insbesondere Liebhaber sphärischer und manchmal auch ganz schön vertrackter Keyboard-Arrangement kommen hier auf ihre Kosten, wenn Jesse Nason in die schwarzen und weißen Tasten greift. Unterstützt wird er dabei vom Frontmann und Sänger Ryan Hurtgen, der neben elegisch-sanften Vocals auch am Piano für träumerische Melodien sorgt.

Hin und wieder mischen sich Flamenco- und Jazzparts in die Arrangements, im Song ‚Volcanic Streams‘ wird eine beinahe unheimliche Atmosphäre durch den Einsatz des Didgeridoos geschaffen. Insgesamt sind die Titel des neuen Werks kompakt ausgefallen und streifen nur einmal die Neun-Minuten-Marke. Bei der ungewöhnlich hohen Qualität des Songwritings hätte man sich an einigen Stellen tatsächlich noch etwas längere Songs gewünscht, um gerade den wunderbaren Instrumentalparts noch mehr Raum zur Ausdehnung zu bieten. Aber auch so überzeugen diese Perfekten Geschöpfe mit einer modernen Form des Retro-Progs, wandern auf musikalischen Pfaden in die 70er-Jahre zurück und interpretieren dieses goldene Jahrzent des Prog-Rocks atemberaubend neu. Für alle Freunde von Yes oder auch Camel bieten Perfect Beings auf ihrem neuen Album eine Vielzahl tatsächlich perfekter Momente. Noch ein wenig mehr Breite für die Songs, und die Gitarre gerne noch etwas stärker in den Vordergrund – dann würden die Amerikaner ihrem Namen alle Ehre machen. Die Perfektion ist eben sehr schwer zu erreichen. Aber man steht kurz davor.

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