The Winter Tree

Mr. Sun

Zwischen all dem metallischen Düsterprog, der in den letzten Jahren überhand genommen hat freut man sich über eine entspannte Progpop-Scheibe mit sonniger Atmosphäre umso mehr. Also im Prinzip sowas wie das, was Andrew Laitres (früher Robinson), der ehemalige Boss der Spacerocker Magus, hier mit seinem neuen Projekt The Winter Tree abliefert.

Folkige Gitarren, blubbernd-psychedelische Sequencer, eingängige Vocals, floydige Gitarren und eine warme, positive Stimmung, auch wenn’s mal rockiger wird, regieren hier. Die Scheibe ist schön dynamisch produziert und eingespielt von großartigen Musikern, darunter Neil Taylor (Tears For Fears, Chris DeBurgh) und Alistair Gordon, der seinerzeit Tony Banks‘ zu Unrecht untergegangenes „Bankstatement“-Projekt mit seinem Gesang veredelte. Gerade die Verwendung verschiedener SängerInnen (Andrew singt diesmal nur einen Song selbst) gibt dem Album einen besonderen Reiz, der mich ein wenig an die Achtziger-Alben von Manfred Mann’s Earth Band denken lässt. Bisweilen fühlt man sich aber auch an Steve Rothery und sein The Wishing Tree-Sideproject erinnert, und ähnlich wie deren beide Alben punktet „Mr. Sun“ nicht unbedingt durch seine Extravaganz, sondern genau im Gegenteil durch Zurückhaltung, reduzierte und dennoch intelligente Arrangements und traumhafte Melodien. Ein paar stilistische Ausreißer gibt es dennoch, was der Abwechslung sehr gut tut. Die Instrumentals ‚Master Of Illusion‘ und ‚Ceylon Sailor‘ zum Beispiel atmen den Geist des Achtziger-Jahre-Tony Banks und hätte durchaus auf „The Fugitive“ oder dem „Quicksilver“-Soundtrack ins Konzept gepasst. ‚The Future Was Here‘, ebenfalls instrumental, hingegen erinnert deutlich an The Orb (!) und bereitet wunderbar auf das abschließende, rockige ‚Travelers‘ mit Bonamassa-artigen Bluesrock-Elementen vor. Mit 45 Minuten Spielzeit (plus einer Instrumentalfassung eines Albumtracks als Bonus) bleibt „Mr. Sun“ auch keine Sekunde länger, als er willkommen ist, dafür drückt man gerne mal die Repeat-Taste.

Ein angenehmes, weil fürs Jahr 2017 erfreulich andersartiges Prog-Popalbum, das mit Sicherheit in der Zukunft regelmäßig im Player von Fans melodischer, entspannter Klänge landen wird. Zu beziehen im Webshop von Just For Kicks.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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