KREATOR mit Re-Issue-Kampagne und päpstlichem Segen

Mit Re-Releases ist es ja immer so eine Sache. Wenn ein nach wie vor problemlos erhältliches Album nach einem halben Jahr in einer SuperDuperMegaUltra-Edition erscheint, reizt das die Fans im allgemeinen eher zum Speien, ob Gift, Galle oder Saures ist dabei persönliche Präferenz. Wenn aber nach Jahren, in denen die Teile nur noch gebraucht und teilweise zu Fantasiepreisen erhältlich waren, eine schöne Wiederveröffentlichung eines essentiellen, genreprägenden Albums ansteht, beginnt der Fan im Schnitt schon bei der Ankündigung zu sabbern. Also, in diesem Sinne: los!

Am 9.6. ist es soweit, die ersten vier Kreator-Scheiben werden hochoffiziell von ADA/Warner in remasterten Versionen mit Bonustracks und -Discs ausgestattet und parallel als Doppel-LPs im Gatefold in die Läden gewuchtet. Auch digital kann man sich die Scheiben in ihren erweiterten Versionen zulegen – wenn denn danach der Sinn steht. Mille höchstpersönlich hat, wie sich das so gehört, ausführliche Linernotes zu den Scheiben verfasst, die Einblicke in den Entstehungsprozess und die Befindlichkeit der Band zur jeweiligen Zeit geben.

Das rumpelige, von der Presse belächelte und im Underground dafür umso kultischer verehrte Debüt „Endless Pain“ erscheint dabei als Einzel-CD mit den vorangegangenen „Blitzkrieg“ und „End Of The World“-Demotapes als Bonustracks. Der wohl wichtigste Klassiker, „Pleasure To Kill“, der in Sachen Heaviness, Speed und schierer Brutalität das drei Wochen vorher erschienene „Reign In Blood“ locker in der Pfeife rauchte, bleibt ebenfalls eine Einzel-CD und enthält als Bonus die „Flag Of Hate“-EP.

Als Doppel-CDs kommen die musikalisch gereifteren „Terrible Certainty“ (mit der „Out Of The Dark…Into The Light“-EP sowie weiteren Live-Tracks aus dem Dynamo Club, Eindhoven 1988) und „Extreme Aggression“(mit einem 1990er Live-Konzert aus Berlin). Alle vier Scheiben sind absolutes Pflichtprogramm für jeden Thrasher, und auch diejenigen, die vielleicht erst durch das letzte Album „Gods Of Violence“ gemerkt haben, was für eine Macht Mille und Co darstellen, können nun ohne Verpfändung von Omas Häuschen die Wurzeln der Band in ihrem Regal willkommen heißen.

Schade zwar, daß die seit Mitte der 1990er vergriffenen Scheiben „Coma Of Souls“ (für viele Fans Kreators Meisterwerk) und „Renewal“ (heiß umstrittenes experimentelles Werk mit Industrial- und Hardcore-Einflüssen) immer noch nicht wiederaufgelegt werden, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Schließlich sind die Essener derzeit möglicherweise so populär wie nie zuvor – das letzte Album „Gods Of Violence“ stieg bekanntlich auf Platz 1 in die LP-Verkaufsscharts ein, und nun „kommen die auch noch in Fernsehen“! Nicht nur, daß Kreator überhaupt bei Circus HalliGalli zu sehen waren (Joko und Klaas sind schließlich bekennende Fans), nein, als Background-Sänger wurden auch noch Drangsal und Papa Emeritus der Wasweißichwievielte von Ghost verpflichtet!

Quelle: Check Your Head
Fotos: Check Your Head, Nuclear Blast

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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