In The Aftermath

Aktuell ist es ja der Trend, dass Bands ihre alten Erfolgs-Platten mit allerhand Zusatzmaterial neu auflegen. Dass eine relativ junge Truppe sich ein sehr altes Album in Gänze vornimmt und neu aufnimmt, ist dagegen ungewöhnlich. Genau diese Volte wenden die Amerikaner von Hollis Brown an. Sie haben sich das fast 60 Jahre alte Werk „Aftermath“ der Rolling Stones draufgeschafft und in gerade einmal 24 Stunden live im Studio komplett neu eingespielt.

Der Kult-Hit „Paint It Black“ mit den unverkennbaren Sitar-Klängen eröffnet den Reigen. Bis heute spielen die Stones die Nummer auf ihren Konzerten. Allerdings ist es auch das einzige Lied, dass die Zeit überdauert hat und zu einem echten Fan-Liebling geworden ist. „Stupid Girl“ kommt in weniger als drei Minuten auf den Punkt. Gitarrist Jonathan Bonilla setzt mit typischen Keith-Richards-Licks Akzente in dem aus heutiger Sicht eher Pop- als Rocksong. Weiter geht es mit der Ballade „Lady Jane“. Während Richards im Original das Intro leise und bedächtig zupft und Brian Jones mit einer Zither die Grundmelodie spielt, ändern Hollis Brown hier die Vorlage merklich ab. Sie schrummeln die sechs Saiten und eine E-Gitarre übernimmt den Jones-Part, was den Track deutlich weniger mittelalterlich klingen lässt.

„Under My Thumb“ ist das letzte Stück, das vielleicht noch außerhalb der Hardcore-Fankreise der rollenden Steine bekannt ist. Mit einem treibenden Schlagzeug untermalt, erzählt das lyrische Ich von der wechselnden Führung in der offensichtlich leicht toxischen Beziehung: „Under My Thumb, The Girl Who Once Pushed Me Around (…), Down To Me, The Change Has Come, She’s Under My Thumb“.

„I Am Waiting“ ist das, was man schon damals eher einen Lückenfüller genannt hätte. Ein eher unspektakulärer Titel, der aber in einem solchen Projekt nicht ausgespart werden darf.

Mit „Goin´ Home“ endet die Aufnahme und hier weicht das Quintett am weitesten vom Ursprung ab. Von stolzen fast zwölf kürzen sie auf erträglichere sieben Minuten. Mit einem wilden Jam in bester Rock´n´Roll-Manier, unterstützt von Blues-Harp und sich stetig steigernden Gitarren, endet die CD nach etwa 40 Minuten.

Wenn eine Band nach einem Song von Bob Dylan benannt ist, hätte man vermutlich an eine Neueinspielung des Literatur-Nobel-Preisträgers gedacht. Vielleicht wäre aber genau das zu offensichtlich gewesen. Wenn es dann aber eine der Stones sein soll, wäre jedem geneigten Musikliebhaber zahlreiche Erfolgs-Platten eher eingefallen, als just „Aftermath“ („Sticky Fingers“ oder „Exile On Main Street“ beispielsweise). Dass Hollis Brown sich nun ausgerechnet ein Werk von Jagger und Co aussuchen, dass in deren Historie eher unter dem Radar läuft, macht diese -auf den ersten Blick verrückte- Idee schon wieder sehr spannend. Mit „In The Aftermath“ gelingt den Männern um Frontmann Mike Montali eine interessante Neuinterpretation, die sich sehr am Original-Sound orientiert und es dennoch frisch darbietet.

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Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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