Archiv-Ausgrabungen von TARGET und GYPSY SOUL mit Jimi Jamison und Johnny Edwards

Das auf Undergroundiges und Obskures spezialisierte AOR-Label Escape Music liefert uns am 20. Oktober zwei ganz besonders feine Ausgrabungen. Da wäre einmal das dritte, nie veröffentlichte Album der Southern Rocker Target, bei denen der spätere Cobra- und Survivor-Sänger Jimi Jamison das Mikro schwang – und die erste offizielle Veröffentlichung der von Ronnie Montrose protegierten Band Gypsy Soul, die später in Carmine Appices King Kobra aufgingen und das „King Kobra III“-Album (ja, dat mit die Ische vonne Karmein innet sexie Tiehschärt) einspielten.

Bevor Goldkehlchen Jimi Jamison den Hardrockern Cobra beitrat (die ihrerseits drei spätere Krokus-Mitglieder stellten), war er Teil der damals lokal höchst angesagten Band Target aus Memphis. Von Auftritten in Bars und Clubs spielte sich die Band hoch zu großen Tourneen, sowohl als lokaler Hauptact als auch als Support von Bands wie Black Sabbath, Kiss und Styx. Über A&M veröffentlicht die Band 1976 („Target“) und 1977 („Captured“) zwei Alben, die unter Southern Rockern wie unter AOR-Fans heute gesuchte Sammlerstücke sind. Beide Alben wurden im vegangenen Jahr von den britischen Reissue-Spezis Rock Candy erstmals auf CD veröffentlicht. Die 1982 – mit Jamisons Abgang – aufgelöste Band nahm allerdings 1979 noch ein drittes Album mit dem Titel „In Range“ auf, welches bis dato noch überhaupt nicht veröffentlicht wurde und zu einem Schicksal auf dem Abstellgleis verdammt schien. Dank Escape Music kann man sich nun also die komplette Frühphase von Jimi Jamison ins Regal stellen.

Im Jahr 1987 stellte Ronnie Montrose den Kontakt zwischen Gitarrist JK Northrup, Sänger Johnny Edwards und Bassist Larry Hart her. Komplettiert von Northrups langjährigem Kumpel, dem Drummer Glenn Hicks, stellten die Vier innerhalb von zwei Wochen ein von Bands wie Bad Company, Whitesnake und Humble Pie beeinflusstes und von Montrose produziertes erstes Demo auf. Mit Rhythmus-Gitarrist Justin McDaid stieß ein fünftes Mitglied zur Band, und bis zur Trennung 1989 schrieb die Band gemeinsam eine Menge Songs, die teilweise von den erwähnten King Kobra, aber auch auf den beiden Northrup-Alben (mit Paul Shortino am Gesang) und dem von Edwards eingesungenen siebten Foreigner-Album, dem kolossal unterbewerteten und für Foreigner-Verhältnisse ziemlich hart rockenden, „Unusual Heat“, landeten. Gypsy Soul ist ein klassischer Fall einer Band, die dank exzellenter Musiker und höchst produktiven Songwritern eigentlich für Superstar-Status prädestiniert waren, aber irgendwie nie so richtig im Business Fuss fassen konnte. Unter dem – passenden – Namen „Winners And Losers“ gibt’s nun eine Sammlung von 14 Songs, die das Potenzial dieser Combo, wenn auch dreißig Jahre zu spät, endlich für Melodic Rock-Spezialisten hörbar machen.

Beide Alben gibt’s ab 20.10. beim Plattendealer Eures Vertrauens!

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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