Agnostic Front + Miozän = Hardcore-Explosion

Es ist ein lauschiger Freitagabend, dieser 14. Juli 2017, eine Woche nach den Hamburger Riots zum G20-Gipfel, an denen sich so Viele die Finger verbrannt haben. Hardcore der Alten Schule ist angesagt. Die Urväter der New Yorker Szene, Agnostic Front, und German Finest Miozän haben zum Tanz ins Knust gegenüber vom Millerntor-Stadion geladen. Dementsprechend hat sich eine bunte Mischung aus Hardcore-Punks und -Skins sowie eine gesunde Anzahl an Metalheads in dem Club im Karoviertel eingefunden, darunter viele alte Bekannte und Freunde, fast wie ein Klassentreffen.


Miozaen_1.jpg “ Vor einem noch etwas verhaltenem Publikum macht die wiederauferstandene Heide-Hardcore-Legende Miozän den Auftakt. Die Zurückhaltung währt aber nicht lange und schon fliegen die ersten Körper vor der Bühne durcheinander. Shouter Kuddel mischt die Anwesenden auch ordentlich auf. Wie zu erwarten ist, sprühen die fünf Heidjer nur so vor Energie, Neuling Outso an der linken Klampfe eingeschlossen. „Light Up The Stakes“ und „Back To The Wall“ ebnen den Weg zum ersten Highlight des Abends, dem Titelsong des aktuellen Albums „Surrender Denied“. Viele Fäuste sind in Richtung Bühne gerichtet, als wollten sie Basser Frank salutieren. Auch schwillt der Chor vor der Bühne mächtig an.

Miozaen_2.jpgMiozän sind inzwischen auf Betriebstemperatur und zünden ein Leuchtfeuer nach dem anderen. Tomek ballert souverän durch das Hochgeschwindigkeits-Set, während Kniffel für die Feinheiten an den sechs Saiten verantwortlich ist. Auf der Bühne ist mindestens so viel Action wie davor. Mit „Burn The Flags“ folgt ein Klassiker aus dem ersten Leben der Band, der ebenfalls lautstark mitgesungen wird. „Underdog“, „Straight From The Heart“ und „No More Words“ bereiten das Finale vor, das in dem Youth-Crew-Klassiker „We’ll Make The Diffenrence“ von Insted seinen absoluten Höhepunkt findet. Miozän legen wieder mal einen energiegeladenen Auftritt hin, der Seinesgleichen sucht. Mal sehen, ob Roger und Vinnie dagegen anstinken können.

AgnosticFront_3.jpg “ Ein wenig hat sich das Publikum ausgetauscht, so scheinen Einige nur für Miozän und Andere nur für die NY-HC-Institution Agnostic Front gekommen zu sein. Die starten mit dem legendären „Eliminator“ in ihr überraschend kurzes Set. Schon jetzt wird klar: Die Magie der frühen Tage ist einer allgemeinen Musiker-Weisheit gewichen. Die Jungs wissen, wie man Hardcore authentisch auf der Bühne präsentiert, Allen voran Ober-Poser Vinnie Stigma. Die Mannen um Roger Miret schütteln einen Klassiker nach dem Anderen aus dem Ärmel, wie es nur wenige Kollegen dieses Genres vermögen. Welche Band verfügt schon über solch brachiale Power-Songs wie „Friend Or Foe“, „Your Mistake“ oder „United Blood“?

AgnosticFront_2.jpg “ Der Pit ist sogleich am Brodeln und wird mit jedem weiteren Song ein Stück mehr angeheizt. Für alte Herren haben Agnostic Front noch ordentlich Schmackes. Und den Bezug zur Basis nicht verloren, wie Rogers ständiger, beim Crowdsurfen sogar hautnaher Kontakt zum Publikum zeigt. Mit der Zeit flaut die Stimmung aber ein wenig ab, da die ewige Selbstbeweihräucherung in Stile von „Old New York“ und „früher war alles besser“ nicht Jedem schmeckt. Auch ist Rogers rülpsender Gesang auf die Dauer sehr anstrengend und animiert nicht gerade zum Mitsingen. Dabei kann er doch den Street-Punk-Hymnen mit seiner eigenwilligen Stimme den AF-Stempel aufdrücken. Auch am Schlagwerk macht sich Eintönigkeit breit. Die Power bringen die Akteure davor auf die Bretter, Allen voran Basser Mike Gallo, der ständig in Bewegung ist. Mit „Hey ho, Let’s Go!“ folgt ein letztes hitziges Aufbäumen und damit das Ende des Sets. Es ist nicht mal eine Stunde seit „Eliminator“ her. Keine Zugaben zu spielen, ist okay, aber die 60 Minuten darf man schon voll machen, meine Herren.

Der Freitagabend hat sich im Großen und Ganzen gelohnt. Zwei Bands, die den Hardcore leben, haben dies unter Beweis gestellt, wobei der Enthusiasmus, den Miozän zur Zeit ausstrahlen, an diesem Abend mitreißender war. Bleibt noch, sich bei allen Anwesenden zu verabschieden: Tschüß, nä!

Autor: Kristian „habi“ Habermann

Fotos: C. Zimmermann

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